Hentai Kamen
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Hentai Kamen: Forbidden Super Hero

Inhalt / Kritik

Hentai Kamen
„Hentai Kamen: Forbidden Super Hero“ // Deutschland-Start: 13. Dezember 2013 (DVD)

Rein äußerlich wirkt der High-School-Schüler Kyosuke (Ryohei Suzuki) durchaus selbstsicher und kräftig, doch in Wahrheit kann der Sohn eines Polizisten und einer Domina weder richtig kämpfen noch zuversichtlich auftreten, ganz besonders gegenüber Frauen. Als eines Tages mit Aiko Himeno (Fumika Shimizu) eine neue Schülerin in seine Klasse kommt, ist er sofort bis über beide Ohren in sie verliebt, traut sich aber wie immer nicht sie anzusprechen und geht daher betrübt am Ende des Schultages nach Hause. Dort kommt es jedoch gar nicht erst an, denn er wird Zeuge einer Geiselnahme, bei der ausgerechnet Aiko eine der Gefangenen der Verbrecher ist, die drohen, sie zuerst umzubringen, wenn man ihren Forderungen nicht Folge leistet. Für Kyosuke ist klar, dass er einschreiten muss, doch um seine Identität geheimzuhalten, greift er auf das zurück, was ihm als Erstes in die Hand kommt, nämlich einen Damenslip, den er sich über den Kopf stülpt. Dies hat eine unverhoffte Reaktion, denn in dem Schüler erwachen auf einmal perverse Kräfte und er verwandelt sich in den Superhelden Hentai Kamen, der es mit nichts als dem Slip überm Kopf, einer engen Unterhose und Netzstrümpfen bekleidet mit den Geiselnehmern aufnimmt. Auch wenn Kyosuke etwas unwohl ist bei dem Gedanken, dass tief in ihm ein solcher Perverser steckt, findet er Gefallen an den Superkräften und geht fortan als Held weiter auf Verbrecherjagd in den Straßen Tokios.

Während die Kleinkriminellen der japanischen Hauptstadt schon bald keine Herausforderung mehr sind, bekommt es Kyosuke/Hentai Kamen schon bald mit seinem ersten ernstzunehmenden Gegner zu tun. Von dem Helden im ersten Kampf gedemütigt, schwört der Gangster Tamao Oogane (Tsuyoshi Muro) Rache und hetzt Hentai Kamen eine ganze Reihe von Killern auf den Hals, die aber letztlich auch keine Herausforderung für den Helden sind, der immer populärer wird und auch von Aiko angehimmelt wird. Dann aber muss sich Hentai Kamen einem neuen Feind stellen, der noch perverser zu sein scheint als er.

Ein Superheld in Schlüpfer

In einer Zeit, in der es Superheldenfilme wie Sand am Meer gibt, von denen einer dem anderen gleicht, ist ein Streifen wie Yuichi Fukadas Hentai Kamen durchaus eine willkommene Abwechslung. Der in seiner Heimat vorher vor allem durch seine TV-Arbeiten bekannte Fukada gelang mit der Adaption der Manga-Reihe von Keishû Andô ein Werk, welches mittlerweile fast schon so etwas wie Kultstatus hat und dem 2016 mit Hentai Kamen: Abnormal Crisis eine Fortsetzung folgte. Interessant ist dabei nicht nur das Spiel mit den Klischees und Versatzstücken des Superhelden- und High-School-Films, sondern letztlich auch mit dem Bild, was viele Außenstehende von japanischer Kultur haben.

In gewisser Weise gleicht ein Held wie Hentai Kamen einer Figur wie Deadpool, ohne aber dessen auf die Dauer nervige, an den Zuschauer gerichtete Dauerkommentierung zu imitieren. Solcher Ursprünge ist sich Yuichi Fukadas Filme durchaus bewusst, beispielsweise in den frechen Sprüchen Hentai Kamens oder dem Vorspann, welcher eine mehr als deutliche Persiflage auf die Spiderman-Filme mit Tobey Maguire ist. Auch die (schlecht) computeranimierte Sequenz, in der sich Hentai Kamen an Schlüpfern (?) durch die Straßen Tokios hangelt, sind ein offensichtlicher Verweis, von denen es noch weitaus mehrere gibt. Eine Weile mag dies ganz lustig sein und durchaus gelungene Momente haben, doch auf die Dauer nutzt sich diese Art von Humor auch etwas ab, was leider bei vielen Aspekten von Hentai Kamen der Fall ist. Denn im Kern folgt er dennoch der Struktur eben jener Filme, die er persifliert, ohne sich nennenswert von ihnen gänzlich zu emanzipieren.

Wie pervers kann man sein?

Statt ein neues Handlungsmuster für diese Art Film zu bieten, soll die Befremdung oder besser gesagt ein gehöriger Trash-Faktor Hentai Kamen hervorstechen lassen. Gerade in einer nach außen hin sehr konformistischen Gesellschaft wie der japanischen sticht ein Charakter wie Hentai Kamen durch seine Abweichung von der Norm, indem er das Perverse nach außen kehrt, naturgemäß hervor, was mehr als einmal bei Kyosuke für eine tiefe Sinnkrise sorgt. Ryohei Suzuki muss man, trotz seines etwas hölzernen Spiels, vor allem den Mut zugutehalten, die eine solche Rolle mit sich bringt und mit wie viel Einsatz er insbesondere den gewöhnungsbedürftigen, natürlich immer auf das Sexuelle ausgelegten Kampfstil Hentai Kamens darstellt.

An Ideen mangelt es Hentai Kamen durchaus nicht, doch sind diese auf Dauer einfach zu platt umgesetzt. Viele der Runnings Gags nutzen sich auf die Dauer ab, was bei einer Laufzeit von über 100 Minuten dem Streifen einige Längen gibt, die auch die buntesten und abgedrehtesten Eskapaden, in denen sich der Held wiederfindet, nicht ändern können.

Credits

OT: „HK Hentai Kamen“
Land: Japan
Jahr: 2013
Regie: Yuichi Fukada
Drehbuch: Yuichi Fukada, Shun Oguri
Vorlage: Keishû Andô
Musik: Eishi Segawa
Kamera: Tetsuya Kudo
Besetzung: Ryohei Suzuki, Fumika Shimizu, Tsuyoshi Muro, Ken Yasuda, Jiro Sato, Narushi Ikeda, Shunsuke Daito

Trailer

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"Hentai Kamen" ist eine Persiflage auf Superhelden- und High-School-Filme. Auch wenn sich die Witze nach einer Weile abnutzen und Yuichi Fukadas Film etwas konsequenter hätte geschnitten werden können, ist "Hentai Kamen" keinesfalls ein schlechter Streifen, auch wenn man den Machern etwas mehr Wut gewünscht hätte bei der Umsetzung vieler Ideen.
5
von 10