Inhalt / Kritik

Fast and Furious 9

„Fast & Furious 9“ // Deutschland-Start: 15. Juli 2021 (Kino)

Eigentlich hatte Dominic Toretto (Vin Diesel) einen Gang runterschalten wollen, um mit seiner Frau Letty (Michelle Rodriguez) und dem gemeinsamen Sohn Brian ein ruhiges Leben zu führen. Aber es kommt anders. Denn eines Tages stehen Roman (Tyrese Gibson), Tej (Ludacris) und Ramsey (Nathalie Emmanuel) vor ihm und überreden ihn dazu, sie bei einem Ausflug in den Dschungel zu unterstützen, wo sie die Überreste eines abgestürzten Flugzeuges suchen. Dabei geht es nicht nur darum, die Welt vor einer gefährlichen Waffe zu beschützen, die an Bord sein soll. Dom hat noch ein anderes Motiv: sein jüngerer Bruder (John Cena), von dem er sich vor vielen Jahren losgesagt hat, soll in die Geschichte verwickelt sein. Tatsächlich hat der sich mit dem verwöhnten Millardärssohn Otto (Thue Ersted Rasmussen) zusammengetan, um selbst an die Waffe zu kommen …

Mit Vollgas zurück

Besser spät als nie. Mit der allmählichen Entspannung der Corona-Pandemie in den Industriestaaten stehen auch die Kinoöffnungen auf dem Programm. Das bedeutet, dass eine ganze Reihe von Filmen, die eigentlich letztes Jahr bereits hätten laufen sollen, nun endlich doch noch ihren Weg in die Lichtspielhäuser finden. An vorderster Front stehen dabei diverse Blockbuster, welche nach einer langen Durststrecke eine Renaissance einleiten sollen. Neben Black Widow und Godzilla vs. Kong richten sich die Augen dabei besonders auf Fast & Furious 9. Denn auch wenn die Einspielergebnisse seit dem siebten Teil, der weltweit 1,5 Milliarden Dollar in die Kassen spülte, rückläufig sind: Die Actionfilme um eine Gruppe von Teufelsfahrer*innen bilden eines der größten Franchises der neueren Filmgeschichte.

Wem die enormen Erfolge der letzten Teile ein Rätsel waren, der braucht es mit Fast & Furious 9 gar nicht erst zu versuchen. Nachdem anfangs bei der Reihe noch ein wenig herumprobiert wurde, steht das Rezept mittlerweile fest und wird auch nicht mehr nennenswert variiert. Eine laufend größer werdende Gruppe, die sich selbst als Familie begreift, nimmt den Kampf mit irgendwelchen Verbrechern auf. Das bedeutet jede Menge flotter Sprüche, absurde Actionszenen, rasend schnelle Autos – und natürlich ganze Berge von Schrott. Denn die Männer und Frauen, die sich hier zusammengefunden haben, haben ein ebenso großes Talent fürs Fahren wie fürs Kaputtmachen.

Neue Fahrzeuge, bekannte Gesichter

An Schauwerten mangelt es deshalb nicht. Das betrifft neben den abwechslungsreichen Schauplätzen vom Dschungel bis nach Tokio vor allem die Fahrzeuge. Schon bei den letzten Teilen der Reihe kamen zunehmend andere Vehikel dazu als der klassische Pkw. In Fast & Furious 9 wird dann grundsätzlich erst einmal alles genommen, was auch nur irgendwie fortbewegt werden kann. Und sei es mit unlauteren Mitteln. Mit dem ersten Teil The Fast and the Furious hat das natürlich praktisch gar nichts mehr zu tun. Wo man seinerzeit noch einen zwar überzogenen, aber doch noch irgendwie vorstellbaren Actionkrimi vorlegte, da nimmt inzwischen fast keiner mehr ernst, was hier geschieht. Gesetze der Schwerkraft sollen andere befolgen, Gesetze der Logik sowieso. Hier wird einfach nur rausgehauen. Wenn dabei auch mal übers Ziel hinausgeschossen wird: Wen kümmert’s?

Ein weiteres wiederkehrendes Element ist der allgegenwärtige Fanservice. Die ersten Filme waren mehr oder weniger unabhängig voneinander, weshalb ständig das Personal ausgetauscht wurde. Mit der späteren Umbesinnung kamen die Versuche, doch noch Kontinuität herzustellen. Und das erreichte man, indem einfach alle Figuren zusammengeführt wurden, die irgendwann mal dabei gewesen sind. Wer bei Fast & Furious 9 erst einsteigen will, hat deshalb keine echte Chance, bei dem Wust aus Charakteren den Überblick zu behalten. Ständig wird auf vorangegangene Filme verwiesen, tauchen Leute von früher unvermittelt wieder auf, gerne auch mal nur für ein paar Minuten oder werden anderweitig Querverbindungen hergestellt. Gleichzeitig wird das Ensemble nach wie vor erweitert. Anders als bei den Marvel-Kollegen, wo es spezielle Event-Filme gibt – zuletzt Avengers: Endgame – ist hier jeder Teil bereits als Event konzipiert.

Zwischen Kitsch und Schrott

Das kann man dann ganz großartig finden oder schrecklich aufgeblasen. Hier wird das Spektakel noch zelebriert, Subtilität unter einem großen Haufen Schrott und Geröll vergraben und mit lautem Getöse übertönt. Dann und wann werden zwar doch leisere Töne bemüht, vor allem wenn es um das Lieblingsthema Familie und Zusammenhalt geht. Tatsächlich emotional wird es dabei aber nicht, trotz des gesteigerten Kitschfaktors. Dafür sorgt allein schon das nach wie vor beschränkte schauspielerische Talent von Vin Diesel, der bei den meisten Schlüsselszenen so verkniffen schaut, als müsste er gerade aufs Klo. Am besten fährt man hier daher, wenn man selbst auf Durchzug schaltet und sich einfach an dem bombastischen Quatsch erfreut, der hier aufgefahren wird. Das ist dann vielleicht nicht genug, um für einen wirklichen Neustart in den Kinos zu sorgen. Aber ein bisschen Abschalten ist nach den letzten Monaten sicher nicht verkehrt.

Credits

OT: „F9“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Justin Lin
Drehbuch: Daniel Casey, Justin Lin
Musik: Brian Tyler
Kamera: Stephen F. Windon
Besetzung: Vin Diesel, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Ludacris, John Cena, Nathalie Emmanuel, Jordana Brewster, Sung Kang, Anna Sawai, Thue Ersted Rasmussen

Bilder

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Fast & Furious 9
Die Chaostruppe ist zurück! In „Fast & Furious 9“ gibt es neben den gewohnt rasanten Autokarambolagen noch diverse andere Fahrzeuge, die für Turbulenzen sorgen und mit großen Schrotthaufen enden. Fans haben Spaß daran, zumal es ein Wiedersehen mit zahlreichen Figuren der Reihe gibt. Die Geschichte ist jedoch gewohnt bescheuert, der Hang zu Kitsch ungebrochen und das schauspielerische Talent Vin Diesels überschaubar.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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