Kritik

The Fast and the Furious

„Fast & Furious 7“ // Deutschland-Start: 1. April 2015 (Kino) // 24. August 2017 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hatten Dom (Vin Diesel), Brian (Paul Walker) und die anderen gedacht, dass sie jetzt alles hinter sich haben. Sie wurden begnadigt und sind frei, finanziell müssen sie sich auch keine Sorgen machen, Zeit sich mal um sich selbst und die Familie zu kümmern. Aber nichts da. Deckard Shaw (Jason Statham), ein ehemaliger Söldner, ist so gar nicht glücklich darüber, dass die Crew seinen kleinen Bruder ins Krankenhaus gebracht hat, und schwört nun, einen nach dem anderen kalt zu machen. Doch dann taucht der geheimnisvolle Mr. Nobody (Kurt Russell) auf und macht Dom ein Angebot: Wenn es ihnen gelingt, die Hackerin Ramsey (Nathalie Emmanuel) zu befreien, will er ihnen helfen, Shaw ausfindig zu machen. Der willigt ein, unter einer Bedingung: Sie machen es auf ihre Weise …

Erfolgreich war die Reihe um die Teufelsfahrer natürlich von Anfang an gewesen. Schon der Auftakt The Fast and the Furious war 2001 ein echter Überraschungshit. Seither ging es, The Fast And The Furious: Tokyo Drift einmal ausgenommen, kontinuierlich nach oben mit den Einspielergebnissen. Doch dass Fast & Furious 7 noch einmal einen gewaltigen Sprung nach oben macht, mit weltweiten Einnahmen von mehr als 1,5 Milliarden Dollar den vorangegangenen Blockbuster fast noch verdoppelt, damit hatte wohl keiner gerechnet. Allerdings hatte auch keiner damit gerechnet, dass Paul Walker während der Dreharbeiten verunglückt. Und auch wenn die Art und Weise, wie dessen Tod als Marketingtool genutzt wurde, mindestens fragwürdig ist, der Film ist doch ein erstaunlich effektiver und würdevoller Abschied vom Schauspieler.

Schaulaufen der (Ex-)Stars
Tatsächlich ist Fast & Furious 7 einmal mehr mit der eigenen Vorgeschichte und der Vergangenheit beschäftigt. Nachdem die ersten Teile etwas holprig waren, man es einfach nicht schaffte, eine inhaltliche, atmosphärische oder wenigstens personelle Kontinuität zu zeigen, gab es seit dem vierten Teil Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile. deutliche Anstrengungen, die einzelnen Bestandteile doch noch irgendwie zusammenzubasteln. Das wird auch im siebten Teil deutlich, der mit Rückblicken, Querverweisen und Gastauftritten nur so um sich wirft. Wer hier, vielleicht angetrieben von dem neuerlichen Hype, erst eingestiegen ist, dem schwirrt da schon mal der Kopf, wer eigentlich wer ist, wie die alle zusammenhängen und warum Autos durch die Luft fliegen.

An Letzterem scheiden sich natürlich die Geister. Startete die Reihe als relativ ernste, konventionelle Angelegenheit, mit Walker als Undercoveragent bei illegalen Straßenrennen, wurde im Laufe der letzten Teile der Humor zunehmend erhöht. Das bedeutet einerseits knackige Oneliner, die sich die Teammitglieder um die Ohren hauen – vor allem die Wiederkehrer Dwayne Johnson, Tyrese Gibson und Ludacris dürfen einiges abfeuern. Es bedeutet aber auch, dass die Actionszenen nun vollends absurd sind. Zum Teil waren sie das natürlich von Anfang an, keiner schaute sich die Karachotouren an, weil sie so wunderbar realistisch waren. Während das Geschehen damals aber wenigstens noch irgendwie vorstellbar waren, nutzt Stammautor Chris Morgan inzwischen jede sich bietende Gelegenheit, um das Spektakel noch bescheuerter zu machen.

Gut gelauntes, teils wuchtiges Spektakel
Das kann viel Spaß machen, so lange man sich eben darauf einlässt, dass das hier völliger Quatsch ist. Dass das auch völliger Quatsch sein soll. Fast & Furious 7 ist einem Ocean’s 11 näher als den eigenen Anfängen, eine Mischung aus Spionagefilm, Comedy und Karneval. Dass Vin Diesel immer noch dieselben an und für sich unerträglichen Dialogfetzen ausspuckt, irgendwo zwischen Supermacho und Kalenderspruch, stört deshalb weniger. Es hat sogar einen gewissen Witz, wie er sich nach früher zurücksehnt, während um ihn herum der Rest was völlig anderes macht. So wie sein Dom die Filmkarriere startete, indem er andere beklaute, wurde ihm die Geschichte geklaut – und er steht phlegmatisch daneben.

Dabei geht es nach wie vor richtig zur Sache. Actionfans dürfen sich freuen, dass neben den üblichen Stunteinlagen mit den Autos, die längst zu Allzweckwaffen mutiert sind, diesmal auch kräftig die Fäuste fliegen dürfen. Mit einem wuchtigen Kampf zwischen Jason Statham und Dwayne Johnson geht es los, auch andere dürfen später ihre Erfahrungen im Handgemenge zeigen – darunter auch Martial-Arts-Experte Tony Jaa, der eine kleine Gastrolle hat. Regisseur James Wan, sonst eigentlich für Horrorfilme wie Saw oder Conjuring – Die Heimsuchung bekannt, zeigt, dass er auch in diesem Genre erfolgreich mitmischen kann. Die Geschichte selbst ist dabei wie immer ziemlich dünn, die Dialoge außerhalb der humorvollen Einlagen oft grauenvoll. Aber die Kombination aus allem geht auf, eben weil das ein heilloses Durcheinander ist. Da ist dann selbst für das sentimentale Ende noch Platz, das so manch einem die Tränen in die Augen getrieben haben dürfte.

Credits

OT: „Furious 7“
Land: USA
Jahr: 2015
Regie: James Wan
Drehbuch: Chris Morgan
Musik: Brian Tyler
Kamera: Stephen F. Windon, Marc Spicer
Besetzung: Vin Diesel, Paul Walker, Jason Statham, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Ludacris, Djimon Hounsou, Nathalie Emmanuel, Kurt Russell

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Fast & Furious 7
4.05 (81%) 20 Artikel bewerten

Fast & Furious 7
„Fast & Furious 7“ setzte den Trend der Vorgänger zum Absurden fort, wenn mittlerweile gar nicht mehr so getan wird, als würde man das Geschehen noch ernst nehmen. Das kann Spaß machen, die diversen Over-the-top-Actioneinlagen verbunden mit einem nochmals gesteigerten Humor unterhalten gut. Mit den ernsten Krimianfängen hat das Spektakel aber trotz ständiger Rückblicke nur noch wenig gemeinsam.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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