Inhalt / Kritik

Wilsberg - Aus heiterem Himmel

„Wilsberg: Aus heiterem Himmel“ // Deutschland-Start: 22. Mai 2021 (ZDF)

Schon seit einer Weile gehen die Geschäfte der Schneiderin Tahmina Ahmadi (Anastasie Papadopoulou), des Musikalienhändlers Jazek Antonov (Christian Kuchenbuch) und des Modellbauhändlers Tillmann Drösser (Dirk Martens), die zusammen eine Ladenbesitzergemeinschaft bilden, nicht besonders. Hinzu kommt, dass ihnen der Rauswurf aus dem Mietsgebäude droht, vor allem wenn die kaltherzige Immobilienmaklerin Rebekka Heise (Christine Sommer) dieses aufkaufen sollte. Als dann auch noch Tillmann kurze Zeit später ermordet wird, ist höchste Eile bei Privatdetektiv Georg Wilsberg (Leonard Lansink) angesagt. Doch hat der Fall überhaupt etwas mit den windigen Immobiliengeschäften zu tun? Währenddessen erlebt Ekki Talkötter (Oliver Korittke) beim Blind Dating sein blaues Wunder und Overbeck (Roland Jankowsky) jagt Drogenhändlern hinterher …

Ein modernes Thema

Auch ein Dinosaurier muss mit der Zeit gehen, siehe Wilsberg. Obwohl die ZDF-Krimireihe bereits seit 1995 läuft, ist sie doch immer wieder neuen und gesellschaftlich relevanten Themen gegenüber aufgeschlossen. Beim letzten Film Überwachen und belohnen drehte sich beispielsweise alles um eine neue App, die das Verhalten der Menschen festhält und beurteilt. Dafür gab es im Anschluss über Umwege Belohnungen in Form von Bonuspunkten oder auch Sanktionen – eine Überspitzung bereits heute gängiger Überwachungstools, wie sie etwa in sozialen Medien zum Einsatz kommen. Die neuen Technologien spielen auch in Aus heiterem Himmel, dem bereits 72. Fall eine größere Rolle. Da kommen Apps nicht nur beim Daten, sondern auch beim Drogenverkauf zum Einsatz. Ist ja auch effizienter, als in irgendwelchen Gassen herumzustehen.

Anders als beim letzten Mal, wo diese Technik und deren Auswirkungen klar im Mittelpunkt standen, da wird bei Wilsberg: Aus heiterem Himmel jedoch nie wirklich klar, was denn nun das Thema sein soll. Los geht es mit dem Dauerbrenner Gentrifizierung, wenn die drei einfachen Ladenbesitzer*innen von ihren Vermietern vertrieben werden sollen. In den beiden anderen Handlungssträngen wird abwechselnd die große Liebe und große Drogendealer gejagt. Und selbst das ist noch nicht alles. In Nebengeschichten ist noch Platz für eine Beschäftigung mit Immigration. Tragische Vorgeschichten kommen noch oben drauf. Und dann wäre da außerdem der Running Gag, dass Kommissarin Springer (Rita Russek) endlich mal ein Tänzchen mit Wilsberg wagen will.

Willkürlich zusammengestückelt

Wer sich schon beim Lesen dieser Zeilen etwas erschlagen fühlt, der sollte sich Wilsberg: Aus heiterem Himmel vielleicht eher nicht anschauen. Selten sieht man einen TV-Krimi, bei dem das Motto „weniger ist mehr“ besser passen würde als hier. Nicht allein, dass man sich während des Films immer wieder fragt, was das eine denn nun mit dem anderen zu tun haben soll, und alles so wahllos zusammengewürfelt wirkt. Es geht zudem nichts in die Tiefe. Dass das Thema Gentrifizierung letztendlich nur für ein paar Minuten relevant ist, bevor eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird, ist schon schlimm genug. Wenn das dann aber auch noch mit einer Figurenzeichnung einhergeht, für die Karikatur noch geschmeichelt wäre, hat man endgültig keine Lust, sich weiter damit zu beschäftigen.

Hinzu kommt, dass der Humor oft sehr bemüht ist und auch die Zusammenführung der einzelnen Stränge unbeholfen ausfällt. Selbst wenn man sich von solchen Filmen keine realistischen, ausgefeilten Geschichten erhofft, das ist schon alles sehr umständlich. Immerhin: Im weiteren Verlauf steigert sich Wilsberg: Aus heiterem Himmel ein wenig. Gerade weil das hier so willkürlich zusammengestellt ist, darf man sich bis zuletzt fragen, worauf das Ganze wohl hinauslaufen wird. Wer Spaß daran hat, wenn Krimis komplett eskalieren und sich ins Absurde hineinsteigern, der bekommt zum Schluss in der Hinsicht einiges geboten. Tatsächlich sehenswert ist der Film aber nicht. Beim Versuch, mit der Zeit zu gehen, hat sich dieser Dino gnadenlos verlaufen.

Credits

OT: „Wilsberg: Aus heiterem Himmel“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Dominic Müller
Drehbuch: Mario Sixtus
Musik: Matthias Weber
Kamera: Ralf M. Mendle
Besetzung: Leonard Lansink, Oliver Korittke, Rita Russek, Roland Jankowsky, Christine Sommer, Christian Kuchenbuch, Marek Harloff, Anastasie Papadopoulou, Natalia Rudziewicz

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Wilsberg: Aus heiterem Himmel
Bei „Wilsberg: Aus heiterem Himmel“ geht es zuerst um Gentrifizierung, dann Blind Dating, später um Drogen und tragische Vorgeschichten. Das Ergebnis ist willkürlich zusammengestecktes Stückwerk, das den Themen nicht gerecht wird und zudem nicht wirklich viel Spaß macht – sofern man sich nicht an der absurden Eskalation erfreut.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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