Inhalt / Kritik

Selbst in einer Zeit, die uns lehrt, immer die größeren, komplexeren Zusammenhänge zu betrachten, fällt uns doch stets auf, dass unseren Mitmenschen und bisweilen auch uns der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus versperrt bleibt. In einer Zeit der weltweiten Pandemie, aber auch bei Themen wie Klimawandel und Einwanderung stehen immer wieder singuläre Interessen im Vordergrund, von Privatpersonen, von Konzernen oder Parteien, doch eine längerfristige, nachhaltige Planung vermissen wir, selbst wenn die Zeit drängt, wie gerade beim Klima. Eine zentrale Frage, die bei der Diskussion um Distanz- und Präsenzunterricht verloren geht, ist die, wie überhaupt unsere Bildungs- und Erziehungseinrichtungen auf solche Entwicklungen reagieren. Nimmt man die Welt als ein komplexes System wahr, als ein globales, vernetztes Dorf, um eine der populären Globalisierungsmetaphern zu nutzen, dann resultiert daraus eine entsprechende Aufgabe an die Institution Schule, an die Lehre und Schüler von morgen.

Aufbauend auf dieser Idee richtet sich der Blick also nicht nur auf die Gegenwart, sprich, wie Schule heute funktioniert, sondern auch darauf, wie sie sich in Zukunft definieren muss. Es ist keine leichte Aufgabe, die sich die Filmemacher Julian Wildgruber und Kathrin Höckel für ihre Dokumentation Teachers for Life – Lernen aus Verbundenheit gestellt haben, doch die Antworten, zu denen sie kommen sind so einfach und logisch wie auch erhellend. In ihrem Film, der im Rahmen des diesjährigen DOK.fest München gezeigt wird, blicken Wildgruber und Höckel auf viele Herangehensweisen an diese Frage und treffen dabei auf Menschen wie Philippe Bretaud, Trainer im französischen Nachwuchsfußball, die Therapeutin Helle Jensen, den britischen Schulleiter Richard Dunne und die Referendarin Lisa Viehoff. Für den Zuschauer eröffnet sich so ein Blick darauf, wie Bildung von heute sein kann, wie sie Schüler und Schülerinnen auf ihre Zukunft wie auch ihre hoffentlich proaktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben vorbereiten kann.

„Spiele, lerne, entwickle dich.“

In der jüngeren Vergangenheit haben sich schon viele Autoren und Filmemacher mit dem Thema Bildung befasst, beispielsweise Richard David Precht in seinem Sachbuch-Bestseller Anna, die Schule und der liebe Gott: Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern oder Erwin Wagenhofers Dokumentation Alphabet: Angst oder Liebe. Viele der Gedanken, die dem Zuschauer in Teachers for Life begegnen werden, werden dem Zuschauer vielleicht schon bekannt sein, doch die Art und Weise, wie sie präsentiert werden, ist nicht nur sehr ansprechend, sondern transportiert vor allem die Leidenschaft der Damen und Herren, welche die Filmemacher für die Dokumentation interviewen. Egal, ob Richard Dunne mit seiner Klasse Ideen zum Sparen von Energie entwickelt oder Lisa Viehoff akribisch an der Sitzordnung für ihre Examensprüfung, man merkt, dass es hier nicht nur um das Abhaken von Inhalten geht, sondern um mehr.

Es ist die Vielfalt an Gedanken, Bildern und Konzepten, die der Zuschauer aus Teachers for Life mitnimmt, welche die Sichtung sehr lohnenswert machen. Während es wahrscheinlich einfach wäre, eine Diagnose des teils desaströsen Bildungssystems in vielen Ländern Europas zu erstellen, richten Wildgruber und Höckel in ihrer Dokumentation lieber den Blick nach vorne, zeigen auf, welche Möglichkeiten es gibt und wie Schule sein kann. Dieser optimistische Tonfall, kombiniert mit der Leidenschaft ihrer Gesprächspartner, bleibt haften und ist vielleicht der beste Aspekt dieser inspirierenden Dokumentation.

Credits

OT: „Teachers for Life“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Julian Wildgruber, Kathrin Höckel
Drehbuch: Julian Wildgruber, Kathrin Höckel
Musik: Oliver Deuerling
Kamera: Bernd Effeneberger

Bilder

Trailer

Interview

Kathrin HöckelWas erhoffte sie mit ihrem Film zu erreichen? Und wie lässt sich das Schulsystem besser aufstellen? Diese und weitere Fragen haben wir Regisseurin Kathrin Höckel in unserem Interview zu Teachers for Life gestellt.



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Teachers for Life – Lernen aus Verbundenheit
„Teachers for Life – Lernen aus Verbundenheit“ ist eine Dokumentation über die Schule, den Lehrer und den Schüler von morgen. Julian Wildgruber und Kathrin Höckel zeigen auf, welche Möglichkeiten es für ein anderes Verständnis von Bildung gibt, abseits von reiner Leistungsorientierung und Notenfixierung. Neben vieler Informationen und toller Bilder nimmt man als Zuschauer vor allem den optimistischen, inspirierende Tonfall dieser Dokumentation mit, der zeigt, dass diese Ideen umsetzbar sind, wenn man es nur will.
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