Kritik

Das Quartett Das Mörderhaus

„Das Quartett: Das Mörderhaus“ // Deutschland-Start: 12. Dezember 2020 (ZDF)

Die Polizei staunt nicht schlecht, als sie in einem Leipziger Altbau gleich zwei Leichen findet. Während Hannes Glöckl in seiner Wohnung an einer Vergiftung gestorben ist, wurde Antje Engel im Keller erschlagen. Ist diese Häufung von Todesfällen Zufall? Oder besteht da doch ein Zusammenhang? Während Kommissarin Maike Riem (Anja Kling) und ihr Team, bestehend aus Pia Walther (Annika Blendl), Christoph Hofherr (Shenja Lacher) und Linus Roth (Anton Spieker), in der Sache ermitteln, ahnen sie schnell, dass jeder in dem Haus seine Geheimnisse hatte. So soll Bernd Siebert (Martin Brambach), der Lebensgefährte von Engel, Streit mit gehabt haben. Aber auch der Hausbesitzer Robert Krampe (Johann von Bülow), der aus den Mietswohnungen lukrativere Arztpraxen machen will, gerät in Verdacht …

Vier gegen den Rest der (Krimi-)Welt
Deutschland ist Krimiland. Auch wenn man meinen sollte, dass angesichts Dutzender Serien und Filmreihen, die sich um Verbrechen und deren Aufklärung drehen, irgendwann mal der Bedarf gedeckt sein sollte, so werden doch regelmäßig neue Versuche gestartet, noch ein bisschen mehr aus dem Markt zu pressen. Einer der jüngeren Versuche nennt sich Das Quartett und startete im Oktober 2019. Mit durchaus vorzeigbarem Erfolg, rund 5,8 Millionen Zuschauer waren bei dem Debüt Der lange Schatten des Todes dabei, für einen Einstand kann sich das sehen lassen. Und so gibt es dann etwas mehr als ein Jahr später ein Wiedersehen mit dem Leipziger Ermittlerteam.

Die Reihe trägt dabei den Team-Gedanken nicht nur im Titel, sondern lebt ihn auch aus. Ein bisschen zumindest. Konkret bedeutet das, dass jeder der vier seine eigenen Talente und Besonderheiten mitbringt – zum Beispiel technologisches Verständnis oder psychologisches Einfühlungsvermögen –, deren Kombination dann erst die Lösung des jeweiligen Falles ermöglicht. Das erinnert ein bisschen an Heist Movies wie Ocean’s 11, bei denen eine Reihe von Spezialisten versammelt wird, um gemeinsam an die Kohle zu kommen. Nur dass hier der Lohn die Wahrheit ist. Das ist als Idee reizvoll, ähnelt dem, was vor Jahren mit Crossing Lines versucht wurde.

Ganz konsequent funktioniert das im Fall von Das Mörderhaus aber nicht. So darf zwar Linus mit seiner Technik anrücken, um damit Tatvorgänge zu rekonstruieren, aber das Zusammenspiel ist nicht wirklich ausgearbeitet. Man hat hier eben nicht das Gefühl, dass da ein Zahnrad ins nächste greift, sondern alle irgendwie durch die Gegend laufen, etwas ausprobieren und darauf bauen, dass es am Ende schon irgendwie passen wird. Das ist schon unterhaltsam, da das Drehbuchteam auf humorvolle Reibung setzt. In Verbindung mit diversen eher skurril angelegten Figuren, auch auf Seite der Verdächtigen, hat man manchmal den Eindruck, dass das hier eigentlich eine Komödie sein sollte. Die Anlagen dafür hat der Film zumindest.

Launige Mördersuche mit Luft nach oben
Der Fall selbst ist hingegen ein klassischer Whodunnit. Die Geschichte beginnt mit einer Leiche, genauer sogar zwei. Nach kurzer Zeit wird deutlich, dass irgendwie alle, die mit dieser Geschichte zusammenhängen, ein Motiv haben. Den Film über werden Spuren verfolgt, Leute verhört, um herauszubekommen, wer von den diversen Verdächtigen es auch wirklich war. Da darf das Publikum kräftig miträtseln und eigene Hypothesen aufstellen. Die Wahrscheinlichkeit, selbst auf die Lösung zu kommen, ist jedoch eher gering, da diese nicht allzu plausibel ausfällt. Nicht nur das Team selbst darf am Ende etwas verwundert sein, das geht einem daheim vor dem Fernseher ähnlich.

Als reiner Krimi ist Das Quartett: Das Mörderhaus damit zwar brauchbar, aber nicht ganz befriedigend. Durch die personelle Komponente macht die Mördersuche aber mehr Spaß als bei so mancher Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Sie zeigt auch Potenzial für weitere Filme, die Grundvoraussetzungen sind jedenfalls da, um im Krimialltag doch noch eigene Akzente zu setzen. Jetzt braucht es nur noch die passenden Drehbücher, die neben etwas clevereren Fällen auch eine bessere Teamarbeit beinhalten, bei denen das sympathische Ensemble mehr zu tun bekommt.

Credits

OT: „Das Quartett: Das Mörderhaus“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Vivian Naefe
Drehbuch: Ina Jung, Friedrich Ani
Musik: Martin Probst
Kamera: Peter Döttling
Besetzung: Anja Kling, Shenja Lacher, Annika Blendl, Anton Spieker, Martin Brambach, Johanna Gastdorf, Johann von Bülow, Robert Stadlober, Stephan Grossmann

Bilder



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Das Quartett: Das Mörderhaus
„Das Quartett: Das Mörderhaus“ beginnt mit zwei Todesfällen in einem Mietshaus und der Frage, ob die irgendwie zusammenhängen. Der Krimi ist einerseits klassischer Whodunnit, dabei brauchbar, wenn auch etwas willkürlich. Positiv sind das Ensemble und die etwas skurrilen Figuren, die beim nächsten Fall aber gerne noch mehr zu tun bekommen dürfen und damit zu einem echten Team werden, anstatt nur so zu tun.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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