Inhalt / Kritik

Tony Rome Der Schnüffler 1967 Frank Sinatra

„Der Schnüffler“ // Deutschland-Start: 21. Dezember 1967 (Kino) // 27. Juli 2018 (DVD/Blu-ray)

Früher arbeitete Tony Rome (Frank Sinatra) als Polizist, so wie sein Vater es getan hatte. Doch das ist lange her, inzwischen bestreitet er mehr schlecht als recht seinen Lebensunterhalt als Privatdetektiv und lebt auf einer Jacht, die er beim Glücksspiel gewonnen hat. Die Auftragslage ist bescheiden, weshalb er sogar Aufgaben wie diese übernimmt: Er soll Diana Pines (Sue Lyon), die völlig betrunkene Tochter des millionenschweren Bauunternehmers Rudy Kosterman (Simon Oakland), sicher, aber diskret nach Hause bringen. Doch damit fängt der Ärger erst an, da sie im Rausch eine wertvolle Anstecknadel verloren hat. Und nicht nur Tony ist nun hinter dieser her, auch Gangster würden alles dafür tun, das teure Stück in die Finger zu bekommen …

Zurück in die dunkle Vergangenheit

Nach der Hochphase in den 1940ern und 1950ern ebbte die Welle an Film noir Titeln zwar spürbar ab, Hollywood nahm sich anderer Themen und Stile an. Versuche, an diese erfolgreiche Zeit anzuknüpfen, gab es aber auch später immer mal wieder. Einer davon ist Der Schnüffler aus dem Jahr 1967, der als Teil der sogenannten Neo-noir Filme ganz bewusst an die düsteren Kriminalwerke anschloss. Vor allem Tony Rome, welcher dem Film im Original auch seinen Titel gegeben hat, wirkt gleich in mehrfacher Hinsicht wie das Überbleibsel einer vergangenen Epoche: zynisch, unnachgiebig, nie um einen abfälligen Spruch verlegen.

Für Frank Sinatra (Der Mann mit dem goldenen Arm) war das natürlich eine Paraderolle. Seine sehr großzügige Auslegung von Gesetzen – seine Verbindungen zur Mafia waren legendär –, sein Hang zur Gewalt, sein hoher Frauenverschleiß, das waren schon gute Voraussetzungen, um in die Rolle von Tony Rome zu schlüpfen. Tendenziell waren diese Noir-Detektive immer harte Hunde ohne große Vorbildfunktion, die sich mit Alkohol oder anderen Süchten in den Ruin trieben. Während die oft aber zumindest noch tragische Aspekte aufwiesen oder etwas an sich hatten, das man bewundern durfte, da gibt es in Der Schnüffler nur ein großes Loch. Tony ist anmaßend, übergriffig, erfüllt von Machismo, ohne dass wirklich klar würde, woher diese Selbstüberzeugung rührt. Denn eigentlich bekommt er gar nichts auf die Reihe.

Verbrechen als Touristenattraktion

Der Weg zur Parodie ist dabei nie besonders weit. Doch trotz gelegentlicher humorvoller Dialoge: Die Adaption eines Romans von Marvin H. Albert (Der Don ist tot) nimmt sich schon sehr ernst. Nicht nur, dass hier immer wieder Leute zusammengeschlagen oder eben gleich ermordet werden. Zum Ende hin wird auch versucht, ein bisschen Tragik hineinzubringen. Tatsächlich erfolgreich ist der Film damit aber nicht, was nicht zuletzt an der Geschichte liegt. Die ist im Grunde zwar recht geradlinig, baut aber gerade zum Schluss ein paar Wendungen ein, die schon recht umständlich sind. Natürlich müssen Krimis nicht zwangsläufig glaubwürdig sein. Im Fall von Der Schnüffler bedeutet das aber in erster Linie „Viel Lärm um nichts“.

Während der Film inhaltlich kaum erwähnenswert sind, stimmen die Bilder deutlich versöhnlicher. Anders als die früheren Vertreter des Film noir, die mit düsteren Aufnahmen heruntergekommener Großstädte das Publikum fesselten, gibt es in Der Schnüffler Sonne und Farben ohne Ende. Schließlich ist man hier in Miami unterwegs, wo praktisch das ganze Jahr über bestes Wetter herrscht. Das führt unweigerlich zu einem Kontrast zwischen der Postkartenoptik und dem moralischen Abgrund. Ganz so eindrucksvoll wie in Niagara ist dieser Widerspruch hier zwar nicht. Genug zu sehen gibt es aber ohne Zweifel. Wie oft gibt es schließlich Detektive, die von einem Boot aus Verbrecher jagen?

Nicht wirklich spannend

Andererseits führt das dazu, dass der Film nie wirklich eine bedrohliche Atmosphäre erzeugt. Er wird auch nie so dreckig, wie es der Inhalt manchmal erfordern würde. Wenn es beispielsweise zwischenzeitlich um Drogensüchtige geht, legt Regisseur Gordon Douglas immer noch zu viel Wert auf eine hübsche Fassade. Das ist dann alles nicht wirklich spannend, Der Schnüffler ist nicht dazu geeignet, das Publikum die Nerven zu zerfetzen. Vielmehr darf Letzteres sich hier auf eine fast schon entspannte Mörderschnitzeljagd freuen. Eine Rundreise für Touristen, die ihre Abgrundausflüge gern mit etwas Sightseeing verbinden und ein paar Schnappschüsse mit nach Hause nehmen wollen. Die sind dann zwar nicht echt. Aber das ist bei der Jagd auf das verschwundene Schmuckstück ohnehin nur wenig.

Credits

OT: „Tony Rome“
Land: USA
Jahr: 1967
Regie: Gordon Douglas
Drehbuch: Richard L. Breen
Vorlage: Marvin H. Albert
Musik: Billy May
Kamera: Joseph F. Biroc
Besetzung: Frank Sinatra, Richard Conte, Jill St. John, Sue Lyon, Gena Rowlands, Simon Oakland, Jeffrey Lynn

Bilder

Trailer

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Der Schnüffler (1967)
In „Der Schnüffler“ macht sich Frank Sinatra als mäßig erfolgreicher Privatdetektiv auf die Suche nach einem verschwundenen Schmuckstück. Der Film lebt dabei von dem Kontrast zwischen dem düsteren Film-noir-Inhalt und der Touristenidylle Miamis. Richtig spannend ist der Film aber nicht, zudem ist die Hauptfigur teils nur schwer zu ertragen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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