Inhalt / Kritik

Romance and Cigarettes

„Romance & Cigarettes“ // Deutschland-Start: 1. Juni 2013 (DVD/Blu-ray)

Seit vielen Jahren schon ist der Bauarbeiter Nick (James Gandolfini) mit Kitty (Susan Sarandon) verheiratet, drei erwachsene Töchter haben die zwei miteinander. Doch auch wenn er noch immer große Gefühle für sie hat, ein bisschen ist da schon die Luft raus. Als er der verführerischen Tula (Kate Winslet) begegnet, dauert es nicht lang, bis er ihr völlig verfällt. Dummerweise bleibt dies Kitty aber nicht verborgen, als sie über einen Liebesbrief stolpert, den ihr Mann dem Körper seiner Geliebten geschrieben hat. Außer sich vor Wut sucht die Betrogene Beistand bei der Familie und anderen, die ihr nahe stehen. Nick wiederum muss sich der schwierigen Frage stellen, was genau er denn nun eigentlich vom Leben erwartet …

Ein musikalischer Ehestreit

Den meisten dürfte John Turturro in erster Linie als Schauspieler ein Begriff sein, etwa durch seine Auftritte in Barton Fink oder The Big Lebowski. Dann und wann versucht er sich aber auch als Regisseur und profitiert dabei enorm von seinen guten Beziehungen zu den Hollywood-Kollegen und -Kolleginnen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Romance & Cigarettes aus dem Jahr 2005. Als wäre das Trio James Gandolfini, Susan Sarandon und Kate Winslet, welches die Hauptrollen übernahm, nicht auch so schon prominent genug, finden sich in den Nebenrollen noch diverse weitere große Namen. Unter anderem tummeln sich dort Steve Buscemi als Nicks Kollege oder Christopher Walken, der einen Cousin verkörpert.

Sich tummeln ist dabei tatsächlich auch die passende Beschreibung. Anstatt eine reguläre Liebeskomödie zu drehen, wie es sich bei dem Thema angeboten hatte, entschied sich Turturro für eine Musical-Fassung. Immer wieder werden in Romance & Cigarettes Lieder angestimmt, mal in naheliegenden Situationen, mal in eher weniger naheliegenden. So dürfen wir in einer frühen Szene beispielsweise tanzenden Müllmännern zusehen, die sich zur Unterstützung von Nick einfinden. Und auch im weiteren Verlauf finden sich immer mal wieder Anlässe, um Lieder zu singen, die zumindest grob mit dem Inhalt zu tun haben und sich der Geschichte entsprechend meist um die Liebe drehen.

Bekanntes voller Spielfreude

Grundsätzlich ist die Kombination aus romantischer Komödie und Musical natürlich nichts Außergewöhnliches. Filme wie Singin‘ in the Rain oder Grease gehören zu den großen Klassikern der Filmgeschichte. Ungewöhnlich ist dabei jedoch die Umsetzung. So gibt es hier keine eigens für den Film geschriebenen Lieder zu hören. Stattdessen besteht der Soundtrack aus einem Mix älterer Hits, die mal von den damaligen Interpret*innen gesungen werden (Tom Jones, Engelbert Humperdinck), mal von zeitgenössischen (Ute Lemper, Cyndi Lauper). Dem Schauspielensemble bleibt dabei nur die Möglichkeit, parallel mitzuträllern oder zumindest die Lippen zu bewegen – also eine Mischung aus Karaoke und Playback.

Das hört sich erst einmal nicht sonderlich einladend oder interessant an, sondern vielmehr seltsam, vielleicht auch ein bisschen billig. Dass der Film bei der Premiere in Venedig, wo er um den Goldenen Löwen konkurrierte, auf eine eher bescheidene Resonanz stieß, verwundert da nicht wirklich. Und doch hat Romance & Cigarettes einen ganz eigenen Charme. Das Konzept mag dem Ensemble stärkere Fesseln anlegen, als es bei Musicals üblich ist. Das hindert die Schauspieler und Schauspielerinnen jedoch nicht daran, völlig aus sich herauszugehen. So ist es dann auch die Spielfreude der Beteiligten, allen voran eine giftig auftretende Sarandon und Winslet als Tramp, welche der Konservenmusik richtig viel Leben einhaucht.

Vulgär und schräg

Der Film hält dabei die Balance zwischen dem Absurden und dem Alltäglichen. Zwischen Szenen, die völlig over the top sind, und solchen, die sich auf rührende Weise dem Zwischenmenschlichen annähern. Das hat dann sicherlich nicht die ikonischen Szenen oder Lieder, welche andere Musicals so berühmt gemacht haben. Auch eine vergleichbare Emotionalität sollte man sich nicht erwarten. Aber es sind doch so viele schräge Momente dabei, weshalb sich Romance & Cigarettes am Ende für ein entsprechend veranlagtes Publikum lohnt. Der Film ist eine mal vulgäre, dann wieder irgendwie warmherzige Auseinandersetzung mit der Liebe, mit Begierden, aber auch der Frage, worauf es im Leben ankommt.

Credits

OT: „Romance & Cigarettes“
Land: USA
Jahr: 2005
Regie: John Turturro
Drehbuch: John Turturro
Kamera: Tom Stern
Besetzung: James Gandolfini, Susan Sarandon, Kate Winslet, Steve Buscemi, Bobby Cannavale, Mandy Moore, Mary-Louise Parker, Aida Turturro, Christopher Walken

Bilder

Trailer

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Romance & Cigarettes
Wenn in „Romance & Cigarettes“ ein Mann eine Affäre beginnt, um seiner eingeschlafenen Ehe zu entkommen, dann ist das Thema schon alltäglich – die Umsetzung als vulgäres Playback-Musical ist es sicherlich nicht. Das ist alles nicht so schön oder einprägsam wie in anderen Musicals, punktet dafür aber mit schrägen Szenen und vielen Stars, die hier für jeden Blödsinn offen sind.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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