Kritik

„Grease“ // Deutschland-Start: 28. September 1978 (Kino) // 26. April 2018 (DVD/Blu-ray)

Es war der Sommer ihres Lebens, davon sind Danny Zuko (John Travolta) und Sandy Olsson (Olivia Newton-John) überzeugt. Aber leider auch eine einmalige Sache. Zu ihrer großen Überraschung stellen sie jedoch bald fest, dass sie nach dem Sommer auf dieselbe Schule gehen. Ganz so einfach ist es dabei nicht, die flüchtige Sommerromanze zu etwas Festem zu machen. Schließlich ist Danny der Anführer der Gang T-Birds, für die Coolness oberstes Gebot ist, weshalb er sich betont distanziert geben muss. Derweil findet die zurückhaltende und zugeknöpfte Sandy Anschluss bei der von der schnippischen Betty Rizzo (Stockard Channing) angeführten Mädchen-Clique Pink Ladies …

Von der Bühne auf die Leinwand
Wenn ein Musical erfolgreich die Bühnen erobert hat, steht irgendwann unweigerlich die Frage an: Wollen wir das Ganze nicht auch mal als Film versuchen? Die Idee ist natürlich naheliegend, eine eingebaute Fanbase verspricht schon eine gewisse Lukrativität. Ein Selbstläufer ist das dann aber doch nicht, wie der Blick auf diverse Filmmusicals zeigt. Während beispielsweise The Rocky Horror Picture Show zu einem weltweiten Phänomen wurde, welches die Vorlage überstrahlte, wurde Cats zu einer grotesken Lachnummer, die man selbst dann nicht glauben mag, nachdem man sie gesehen hat.

Ganz anders Grease, das zu einem der erfolgreichsten Filmmusicals aller Zeiten wurde. Nicht nur, dass es 1978 alle Rekorde in diesem Bereich brach, erst 13 Jahre später durch Die Schöne und das Biest abgelöst wurde. Vor allem der begleitende Soundtrack wurde zu einem Kassenschlager. Er zählt noch immer zu den meistverkauften Alben aller Zeiten, Lieder wie You’re the One That I Want wurden zu Evergreens. Auch mehr als 40 Jahre später haben sie absolute Ohrwurmqualität, sind beschwingte Erinnerungen an unschuldigere Zeiten, die mal zum Träumen, mal zum Tanzen animieren. Am Gesangstalent des Ensembles gibt es ohnehin keine Zweifel, Travolta und vor allem Newton-John hatten zuvor schon diverse Hits veröffentlicht.

Anders als man bei einem derart auf das Thema Liebe zugeschnittenen Musical erwarten könnte, ist Grease so rein gar nicht kitschig. Klar, da wird geschmachtet und geschwärmt, eine flüchtige Begegnung schon einmal zur großen Liebe hochstilisiert. Nur geschieht das hier immer mit einem gewissen Augenzwinkern. Schon das erste Lied Summer Nights, ein weiterer Superhit aus dem Film, gibt die Richtung vor, wenn Danny und Sandy in ihren jeweiligen Erzählungen des gemeinsam verbrachten Sommers recht unterschiedliche Versionen der Ereignisse von sich geben. Und auch in den Szenen, wenn mal nicht gesungen wird, ist oft Humor dabei – beispielsweise wenn Danny eine Sportlerlaufbahn einschlägt, um Sandy zurückzugewinnen. Einige Nebenfiguren an der Schule scheinen sogar ausschließlich der Komik wegen drin zu sein.

Gute-Laune-Musical zwischen Hommage und Parodie
Tatsächlich ist Grease einerseits nostalgische Hommage an die 1950er und vermeintlich unschuldigere Zeiten. Von den Turbulenzen und Verwerfungen der 1960er und 1970er ist hier so gar nichts zu finden. Andererseits wird das Ganze aber auch ironisch gebrochen, ist an manchen Stellen eine Parodie der Heile-Welt-Vorstellung und der damit verbundenen Stereotype. Vor allem Sandy ist da schon sehr einfach gestrickt, bis sie im Finale plötzlich zu einem ganz anderen Menschen wird. Darüber kann man sich wundern, infrage stellen, was da passiert und ob das so gut ist. Konsequent ist der Film nicht unbedingt, von realistisch ganz zu schweigen.

Andererseits soll das hier auch nicht wirklich zum Nachdenken anregen, auch wenn zwischendurch mal Elemente in diese Richtung gehen. Grease ist letzten Endes trotz Kommentaren etwa zu Gruppenzwang und Vorverurteilung dann doch zu oberflächlich und belanglos, vermeidet es, irgendwo wirklich anecken zu wollen. Aber das muss ja nicht immer verkehrt sein. Am Ende ist das hier ein reines Gute-Laune-Musical, bei dem der unbeschwerte Spaß an oberster Stelle ist. Und der stellt sich, sofern man für diese Art Film überhaupt empfänglich ist, auf jeden Fall ein. Es gibt eine Reihe mitreißender Nummern, musikalisch wie choreografisch, dazu schöne Bilder einer vertrauten und zugleich irgendwie entrückten Welt.

Credits

OT: „Grease“
Land: USA
Jahr: 1978
Regie: Randal Kleiser
Drehbuch: Bronte Woodard, Allan Carr
Musik: Jim Jacobs, Warren Casey, Barry Gibb, John Farrar, Scott J. Simon, Louis St. Louis
Kamera: Bill Butler
Besetzung: John Travolta, Olivia Newton-John, Stockard Channing, Jeff Conaway

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1979 Bester Song John Farrar Nominierung
Golden Globe Awards 1979 Bester Film – Komödie oder Musical Nominierung
Bester Hauptdarsteller – Komödie oder Musical John Travolta Nominierung
Bester Hauptdarstellerin – Komödie oder Musical Olivia Newton-John Nominierung
Bester Song Barry Gibb Nominierung
Bester Song John Farrar Nominierung

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Grease
In „Grease“ trifft eine Sommerliebe wieder aufeinander und muss feststellen, dass im Schulalltag das alles ein bisschen anders funktioniert. Die Musical-Adaption ist dabei einerseits Hommage an die unschuldigeren 1950er, begegnet ihnen aber mit einem Augenzwinkern bis an die Grenze der Parodie. Das ist am Ende zwar nicht wirklich tiefgründig, dafür ein großer Spaß voller Ohrwürmer und mitreißender Nummern.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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