Inhalt / Kritik

Ostfriesenangst

„Ostfriesenangst“ // Deutschland-Start: 20. März 2021 (ZDF)

Der Schock ist groß bei der Schulklasse: Als sie ihrem Lehrer durchs Watt folgt, werden sie voneinander getrennt. Seither wird er vermisst, auch ein Schuss soll gefallen sein. Dabei rückt die Schülerin Laura (Elisa Schlott) in den Mittelpunkt, die ihn als letzte lebend gesehen haben soll. Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen (Julia Jentsch) ermittelt zusammen mit ihren Kollegen Frank Weller (Christian Erdmann) und Rupert (Barnaby Metschurat) in dem Fall, der sich bald als deutlich verworrener herausstellt als gedacht. Nicht nur dass eine fremde Leiche gefunden wird und die BKA-Beamtin Elisabeth Fädli (Natalia Belitski) den Fall an sich reißt. Es soll auch noch ein Serienvergewaltiger namens Eichinger (Harald Windisch) in der Gegend gesichtet worden sein …

Mord vor idyllisch-rauer Kulisse

An Krimis, die an der Nord- bzw. Ostsee spielen, mangelt es im deutschen Fernsehen nun nicht gerade. Ob nun die Reihen Nord Nord Mord und Nord bei Nordwest oder auch die norddeutsche Ausgabe vom Tatort: Das Publikum darf recht regelmäßig vom heimischen Sofa aus an die Küsten reisen, um dort bei der Auflösung diverser Verbrechen teilzuhaben. Der Reiz liegt dann meistens darin, die idyllisch-rauen Landschaften im Kontrast zu den grausamen Verbrechen zu setzen. Eine Mischung aus Entspannung und Spannung sozusagen, bei der je nach Reihe noch ein bisschen Humor hinzukommen darf, um das Urlaubsgefühl abzurunden.

Bei den Ostfrieslandkrimis ist Letzteres kaum gegeben. Die auf den Romanen von Klaus-Peter Wolf basierende ZDF-Reihe war seit dem Debüt 2017 mit Ostfriesenkiller eine recht düstere Angelegenheit. Seinerzeit sorgten ein paar sarkastische Kommentare von Rupert noch für eine punktuelle Erheiterung. Doch bei Ostfriesenangst, dem mittlerweile fünften Teil, ist davon nichts mehr übrig. Stattdessen geht es hier um mehrere Verbrechen, die sich im Laufe der anderthalb Stunden kreuzen. Und wenn das Ermittlerteam mal gerade nicht damit beschäftigt ist, irgendwelchen Spuren nachzujagen, dann gibt es eben private Probleme, die auf Trab halten. Bei Klaasen liegen diese – wie so oft bei TV-Polizistinnen – im familiären Bereich, wenn Kinder und dieser Beruf keine gute Kombination sind.

Solide, aber nicht berauschend

Das ist dann alles solide, auch dank der Leistungen von Julia Jentsch, die seit dem vierten Film die Figur der Kathrin Klaasen verkörpert. Allerdings gelingt es bei Ostfriesenangst nicht, diesem mittlerweile etwas inflationär eingesetzten Motiv etwas wirklich Interessantes zu entlocken. Etwas, das dabei helfen würde, diesem Film mehr Charakter zu verleihen. Gleiches gilt für die Gegenseite, die zum Großteil auf Klischees aufgebaut wurde. Da darf es dann zwar schon mal um Fragen der Moral gehen und ein bisschen ambivalenter sein. Doch auch da bleibt es an der Oberfläche. Nennenswerte Konflikte bleiben aus, man macht es sich lieber mit ein paar einfachen Antworten gemütlich. Die jeweiligen Hintergründe sind natürlich tragisch. Das allein ist aber etwas wenig.

Dafür sieht der vom genreerfahrenen Regisseur Hannu Salonen (Arctic Circle – Der unsichtbare Tod) inszenierte Krimi gut aus. Gerade die Szenen, die in dem nebelverhangenen Watt spielen, gefallen durch ihre Atmosphäre. Dazu gesellen sich Nachtaufnahmen, die bei einer solchen Geschichte grundsätzlich nicht fehlen dürfen. Wem dieses Setting als Grund reicht, sich einen kleinen Fernsehabend zu gönnen, der darf einschalten. Mehr als Durchschnitt bietet Ostfriesenangst trotz der vereinzelt guten Elemente aber kaum. Abgesehen von dem Finale, wenn es dann doch mal richtig brenzlig wird, hält sich auch die Spannung eher in Grenzen. Und das ist in einem TV-Segment mit derart vielen Titeln am Ende zu wenig.

Credits

OT: „Ostfriesenangst“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Hannu Salonen
Drehbuch: Christian Limmer
Vorlage: Klaus-Peter Wolf
Musik: Michael Klaukien
Kamera: Mikael Gustafsson
Besetzung: Julia Jentsch, Christian Erdmann, Barnaby Metschurat, Elisa Schlott, Anselm Bresgott, Alexis Salsali, Harald Windisch, Natalia Belitski, Kai Maertens, Jan Krauter

Bilder

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Ostfriesenangst
In „Ostfriesenangst“ geht erst ein Lehrer im nebelverhangenen Watt verloren, dafür taucht eine fremde Leiche auf. Der TV-Krimi punktet dabei mit stimmungsvollen Aufnahmen und einer guten Besetzung. Der Inhalt ist hingegen nur mäßig, bleibt an der Oberfläche, auch in punkto Spannung brilliert die Romanadaption nicht gerade.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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