Kritik

Midnighters

„Midnighters“ // Deutschland-Start: 5. Februar 2021 (DVD/Blu-ray)

Als Lindsey (Alexandra Essoe) und Jeff (Dylan McTee) nach einer feuchtfröhlichen Silvesterparty die Fahrt nach Hause antreten, ahnen sie noch nicht, welche Katastrophe ihnen bevorsteht. In einem Moment der Unachtsamkeit fährt Jeff einen Mann an, der nachts aus heiterem Himmel auf der Straße auftaucht. Da beide zu dem Zeitpunkt einiges getrunken haben, nehmen sie die Leiche erst einmal mit zu sich, um einen klaren Kopf zu bekommen. Stattdessen taucht aber Lindseys Schwester Hannah (Perla Haney-Jardine) auf, welche die ohnehin schon schwierige Situation noch einmal schwieriger macht. Während die drei am nächsten Morgen noch mühselig eine Geschichte ausdenken, die den Vorfall irgendwie erklären soll, steht schon ein Polizist (Ward Horton) vor der Tür, der einige Fragen zu einem Unfall hat …

Lügen haben verstümmelte Beine

Lügen lohnt sich einfach nicht. Während man sich über die Wahrheit dieses Satzes in der wirklichen Welt streiten kann, so genießen es Filmemacher und Filmemacherinnen weltweit doch auffallend, kleine Lügen immer größer werden zu lassen, bis die Konstrukte krachend in sich zusammenstürzen. Das wird in Komödien gerne genutzt, um anfangs harmlose Situationen auf immer absurdere Weise eskalieren zu lassen. Aber auch im Genrekino weiß man um den Reiz solcher Eskalationen. Siehe Midnighters. Der Film fängt mit einem zwar tragischen, aber halbwegs normalen Fall von Trunkenheit am Steuer mit Todesfolge an. Doch dieser tote Mann, so wird bald klar, ist noch das kleinste Problem des Paares.

Was folgt, ist gleichermaßen berechenbar und unberechenbar. Regisseur Julius Ramsay, der hier ein Drehbuch seines Bruders Alston Ramsay verfilmt, erzählt eine im Grunde recht einfache, geradlinige Geschichte ohne großen Schnickschnack. Der Thriller spielt in weiten Teilen im Haus des Paares, nur selten wird mal ein Fuß davor gesetzt. Auch bei den Figuren konzentrierte man sich auf weniger: Im Zentrum von Midnighters stehen gerade mal vier Charaktere. Andere tauchen zwar mal auf, spielen aber keine Rolle. Es braucht sie auch nicht, da die vier miteinander schon mehr als genug zu tun haben. Es geht schließlich nichts über eine Krise, um die wahre Persönlichkeit von Menschen zu enthüllen.

Überlebenskampf mit vielen Wendungen

Dass diese hier vielleicht nicht die vorbildlichsten sind, das kann man sich zwar früh denken. Doch wie tief diese Abgründe reichen, das ist nicht auf Anhieb klar. Ein Teil der Spannung besteht dann auch darin, wie sehr sich die vier noch hineinsteigern werden, welche Grenzen sie am Ende überschreiten – so richtig viele Skrupel hat hier keiner. Der andere ist dadurch bedingt, dass es bei vier Personen zwangsläufig zu einer gewissen Dynamik kommt. Wer hier die Oberhand hat, wechselt ständig, ebenso wer mit wem zusammenarbeitet. Midnighters ist ein fieser kleiner Überlebenskampf auf engstem Raum, bei dem es trotz begrenzter Mittel richtig zur Sache geht und bei dem man gar nicht genau weiß, wen man anfeuern soll.

An manchen Stellen muss man als Zuschauer und Zuschauerin daher schon etwas härter im Nehmen sein, die Ramsays muten ihren Figuren und dem Publikum die eine oder andere Unappetitlichkeit zu. Um ein reines Folterprogramm à la Saw handelt es sich aber nicht. Bei Midnighters setzt man eher auf zahlreiche Wendungen, um die Aufmerksamkeit hoch zu halten. Glaubwürdig sind die eher weniger, sollen es auch gar nicht sein. Die Ereignisse sind vielmehr over the top. Aber das muss in diesem Umfeld ja kein Manko sein. Insgesamt gibt es auch nicht viel, was man dem Film richtig vorwerfen kann. So wirklich originell ist der Thriller zwar nicht, dafür aber grundsolide umgesetzt. Vor allem das Ensemble trägt zum Unterhaltungsfaktor bei. Alexandra Essoe (Starry Eyes – Träume erfordern Opfer) und Ward Horton (Annabelle) haben so offensichtlich viel Spaß beim Spielen, dass sich das auf die Leute vor den Bildschirmen überträgt.

Credits

OT: „Midnighters“
Land: USA
Jahr: 2017
Regie: Julius Ramsay
Drehbuch: Alston Ramsay
Musik: Chris Westlake
Kamera: Alexander Alexandrov
Besetzung: Alexandra Essoe, Perla Haney-Jardine, Dylan McTee, Ward Horton

Bilder

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Midnighters
In „Midnighters“ wird ein Paar in einen tödlichen Unfall verwickelt, der viele Lügen und eine Reihe brutaler Folgen nach sich zieht. So richtig originell ist der Thriller sicher nicht, macht seine Sache aber ordentlich. Die zahlreichen Wendungen und das spielfreudige Ensemble sorgen dafür, dass man hier bis zum Schluss dranbleibt und wissen will, wie weit das noch alles eskaliert.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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