Kritik

Master and Commander – Bis ans Ende der Welt

„Master and Commander – Bis ans Ende der Welt“ // Deutschland-Start: 27. November 2003 (Kino) // 15. April 2004 (DVD/Blu-ray)

Während der Napoleonischen Kriege stehen sich die englische und die französische Flotte erbittert gegenüber, kämpfen um die Vorherrschaft auf hoher See. Da erhält Jack Aubrey (Russell Crowe), Captain der britischen Fregatte „Surprise“, den Auftrag, das französische Kriegsschiff „Acheron“ zu finden und zu vernichten. Dabei wird schnell klar, dass er keine Chance hat, der Feind ist zu schnell und zu stark. Doch das bringt ihn nicht davon ab, seine Mission unerbittlich weiter zu verfolgen. Die Crew ist darüber jedoch weniger begeistert. Während der Schiffsarzt Dr. Stephen Maturin (Paul Bettany) enttäuscht ist, nicht weiter die faszinierende Flora und Fauna studieren zu können, die sie unterwegs finden, festigt sich bei der Besatzung die Überzeugung, dass Aubrey ihr aller Untergang sein wird …

Wo sind all die Seemänner hin?

Zu den vielen Filmgenres, die im Laufe der Jahre mehr oder weniger ausgestorben sind, gehört bekanntlich auch das des Mantel-und-Degen-Films. Nicht, dass es an einem Publikum mangeln würde, das sich an Actionszenen in einem historischen Setting erfreuen kann. Aber dieses zieht dann doch eher inzwischen die brachialen (pseudo-)mittelalterlichen Schlachten vor, während die eher filigranen, eleganten Kämpfe der Vergangenheit angehören. Noch schlimmer sieht es bei Werken aus, die auf hoher See spielen. Zwar war Fluch der Karibik derart erfolgreich, dass diverse Fortsetzungen folgten. Doch die Reihe reicherte das klassische Genre mit so viel Humor und Fantasy-Elementen an, dass es nur bedingt dem vertrauten Bild entsprach.

In die entgegengesetzte Richtung ging Master and Commander – Bis ans Ende der Welt, welches nur wenige Monate nach dem Blockbuster an den Start ging. Zwar geht es auch hier um Männer, die vor einigen Jahrhunderten auf hoher See mit Schiffen unterwegs sind, geht es um Kämpfe und Feindschaften. Und doch könnte der Unterschied kaum größer sein. Humor gibt es hier keinen, Fantasy und Flüche sowieso nicht. Vielmehr legte Regisseur Peter Weir größtmöglichen Wert auf Realismus. Dieser kann viele Formen annehmen, beispielsweise in der durchaus aufwendigen Ausstattung. 150 Millionen Dollar hat der Film immerhin gekostet, was sich zumindest visuell mehr als bezahlt gemacht hat.

Es bedeutet aber auch, dass der Actionteil sehr viel geringer ist, als man es vielleicht erwartet hätte. Zwar bildet das Duell der zwei Schiffe den Rahmen der Geschichte. Dafür ist Aubrey in See gestochen, bis zum Schluss ist es sein Ziel, die Acheron zu versenken. Tatsächlich gekämpft wird aber nur selten. Stattdessen stehen wie bei der zugrundeliegenden Romanreihe von Patrick O’Brian die Figuren und ihre Erlebnisse im Mittelpunkt. Das müssen keine besonders spannenden Erlebnisse sein. Nur manchmal geht es in Master and Commander – Bis ans Ende der Welt darum, auf dem Meer zu überleben. Wichtiger ist es Weir bei seiner Adaption, die Verhältnisse zwischen den Männern aufzuzeigen, insbesondere natürlich das zwischen den beiden Hauptfiguren.

Über das Leben auf hoher See

Das lebt besonders von dem Zwischenspiel von Russell Crowe (Unhinged – Außer Kontrolle) und Paul Bettany (Uncle Frank), die sich als komplementäre Charaktere gut ergänzen. Der eine ist pflichtbewusst und loyal, ordnet alles seiner Mission unter. Der andere läuft mit staunenden Augen durch die Welt, will alles festhalten und erleben, anstatt ein Ziel zu verfolgen. Bei den anderen Figuren ist das mit der Charakterisierung schwieriger. Dafür sind die Einblicke auch zu flüchtig, wenn in einer Reihe voneinander unabhängiger Episoden die unterschiedlichsten Geschichten erzählt werden, bei denen es nicht jedes Mal um dieselben Menschen geht. Geschichten, die oft sehr bitter sind, wenn Master and Commander – Bis ans Ende der Welt das Leben auf See von seiner wenig romantischen Seite zeigt.

Dennoch wird das nicht unbedingt jedem gefallen. Gerade die episodenhafte Struktur in Verbindung mit dem Fehlen von Action wird ungeduldigere Naturen überfordern. Master and Commander – Bis ans Ende der Welt ist dann eben doch kein wirklicher Mantel-und-Degen-Film, auch wenn die Inhaltsbeschreibung das nahelegt, sondern ein historisches Drama, das sich mit dem Alltag von Seefahrten befasst. Als solches ist der Film dafür sehenswert, lässt er einen doch deutlich mehr spüren, wie prekär das Leben auf Wasser sein konnte, ohne sich in Katastrophenszenarien zu stürzen. Umso bedauerlicher ist, dass dem Werk der notwendige Erfolg verweht blieb, der weitere Filme hätte rechtfertigen können. Im Fundus von O’Brian, der immerhin zwanzig Romane rund um Aubrey schrieb, wäre auf jeden Fall noch mehr zu holen gewesen.

Credits

OT: „Master and Commander: The Far Side of the World“
Land: USA
Jahr: 2003
Regie: Peter Weir
Drehbuch: Peter Weir, John Collee
Vorlage: Patrick O’Brian
Musik: Iva Davies, Christopher Gordon, Richard Tognetti
Kamera: Russell Boyd
Besetzung: Russell Crowe, Paul Bettany, James D’Arcy, Edward Woodall, Chris Larkin, Max Pirkis, David Threlfall

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2004 Bester Film Nominierung
Beste Regie Peter Weir Nominierung
Beste Kamera Russell Boyd Sieg
Bester Schnitt Lee Smith Nominierung
Bestes Szenenbild William Sandell, Robert Gould Nominierung
Beste Kostüme Wendy Stites Nominierung
Bestes Make-up Edouard F. Henriques, Yolanda Toussieng Nominierung
Bester Ton Paul Massey, Doug Hemphill, Art Rochester Nominierung
Bester Tonschnitt Richard King Sieg
Beste Spezialeffekte Daniel Sudick, Stefen Fangmeier, Nathan McGuinness, Robert Stromberg Nominierung
BAFTA Awards 2004 Bester Film Nominierung
Beste Regie Peter Weir Sieg
Bester Nebendarsteller Paul Bettany Nominierung
Beste Kamera Russell Boyd Nominierung
Bestes Szenenbild William Sandell Sieg
Beste Kostüme Wendy Stites Sieg
Bester Ton Richard King, Doug Hemphill, Paul Massey, Art Rochester Sieg
Beste Spezialeffekte Stefen Fangmeier, Nathan McGuinness, Robert Stromberg, Daniel Sudick Nominierung
Golden Globe Awards 2004 Bester Film – Drama Nominierung
Beste Regie Peter Weir Nominierung
Bester Hauptdarsteller – Drama Russell Crowe Nominierung

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Master and Commander – Bis ans Ende der Welt
„Master and Commander – Bis ans Ende der Welt“ weckt zunächst den Eindruck, ein Actionfilm rund um Seeschlachten zu sein. Tatsächlich thematisiert der Film aber vielmehr das Leben auf hoher See im Allgemeinen, zeigt episodenhaft und realistisch, was das letztendlich bedeutete. Als Drama ist das sehenswert. Anderen wird hierbei hingegen eher die Geduld ausgehen, wenn das Schiff unbeirrt übers Meer fährt.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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