Kritik

Laura wirbelt Staub auf Une femme de ménage

„Laura wirbelt Staub auf“ // Deutschland-Start: 9. September 2015 (Arte)

Einige Monate ist es jetzt schon her, dass Jacques Gautier (Jean-Pierre Bacri) von seiner Frau verlassen wurde. Darüber hinweggekommen ist er jedoch noch nicht, freudlos geht er seiner Arbeit als Tontechniker und seinem Alltag nach, lebt von einem Tag in den nächsten. Bis er Laura (Emilie Dequenne) trifft. Die hatte zuvor eine Anzeige aufgegeben und ihre Dienste als Putzfrau angeboten. So richtig viel Erfahrung hat sie in dem Bereich zwar nicht, was Jacques aber nicht davon abhält, sie direkt nach dem Vorstellungsgespräch zu engagieren. Tatsächlich gelingt es der jungen Frau nicht nur, seine verdreckte Wohnung auf Vordermann zu bringen. Auch sonst ist sie eine absolute Bereicherung. Doch dann muss sie eines Tages nach der Trennung von ihrem Freund aus der eigenen Wohnung raus und bittet Jacques, bei ihm einziehen zu können …

Neues Leben für ältere Menschen

Ein in Filmen immer wieder gern verwendetes Szenario zeigt einen alten, verbitterten, selbstsüchtigen Menschen, der jegliche Freude am Leben verloren hat, bis ein junger Mensch in sein Leben tritt und alles auf den Kopf stellt. Frühstück bei Monsieur Henri und Gemeinsam wohnt man besser erzählten beispielsweise jeweils von einem älteren Herren in Paris, bei dem eine junge Frau einzieht und die bald alles durcheinanderbringt. Eine ganz ähnliche Situation schildert die einige Jahre zuvor erschienene Tragikomödie Laura wirbelt Staub auf, bei dem ebenfalls die Stadt der Liebe zum Schauplatz einer solchen Konstellation wird. Auch hier geht es um einen wohlhabenden älteren Herren, bei dem aufgrund akuter Wohnungsnot eine junge Dame einzieht.

Und doch: So ganz vergleichbar sind die drei französischen Produktionen nicht. So ist Jacques deutlich jünger als seine Filmkollegen. Das reicht dann zwar immer noch für einen ordentlichen Altersunterschied zwischen ihm und Laura. Aber es ist einer, der zumindest noch die Vorstellung von Romantik zulässt. Denn die spielt hier eine wichtige Rolle, wenngleich nicht so wie gedacht. Beim Anschauen des Films dürfte bei einigen die Erwartung – oder Befürchtung – entstehen, dass es bei Laura wirbelt Staub auf auf eine herkömmliche Liebesgeschichte zwischen einem älteren Mann und einer jüngeren Frau hinausläuft. Der Deal: Sie bekommt ein schönes Leben, er das Gefühl, selbst noch jünger zu sein.

Romantik aus Gewohnheit

Tatsächlich passiert lange aber nichts zwischen den zweien. Laura putzt, während er weg ist, dann und wann gibt es Anweisungen oder Nachfragen. Nichts jedoch, das über die übliche berufliche Beziehung hinausgeht. Mit einer romantischen Komödie hat das dann weniger zu tun, weshalb es sicher nicht wenige gibt, die sich hier langweilen werden. Es geschieht einfach nicht wirklich etwas. Wenn es mit der Zeit dann doch zu Annäherungen kommt, geschieht dies weniger aus unbändiger Leidenschaft heraus. Es ist vielmehr die Folge einer allmählichen Gewöhnung. Es ist aber auch zu praktisch, wenn ein Mann und eine Frau, die sich eine Wohnung teilen, das Bett teilen. Zumal schon vorher die Grenzen verschwimmen, die Rollen nicht mehr ganz eindeutig sind.

Anders aber als obige Filme, die aus einer solchen Annäherung Wohlfühlkapital schlagen, da ist die Adaption eines Romans von Christian Oster deutlich skeptischer. Vielmehr zeigt Laura wirbelt Staub auf auf, dass das Alter eben doch mehr ist als eine Zahl. Klar gibt es Sympathie zwischen den beiden Figuren, man schätzt und mag sich von Anfang an. Doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, umso mehr müssen sie sich eingestehen, dass da mehr einfach nicht drin ist. Das geschieht jedoch ohne erhobenen Zeigefinger, Regisseur und Drehbuchautor Claude Berri verurteilt hier niemanden, spricht sich nicht aus moralischen Gründen gegen eine Beziehung aus. Jacques ist eben nicht das Raubtier, das sich eine hübsche Beute aufgerissen hat.

Die Suche nach dem Funken

Man muss es Laura wirbelt Staub auf daher schon zugutehalten, wie hier eben abseits der Klischees gesucht wird und wie das Verhältnis der Figuren komplexer ist, als man es in dem Bereich oft zu sehen bekommt. Und auch an den schauspielerischen Leistungen ist nichts auszusetzen: Jean-Pierre Bacri (Das Familienfoto) überzeugt als Mann in der Krise ebenso wie Emilie Dequenne (Love Affair(s)) in der Rolle der lebenslustigen und zugleich unsicheren Putzkraft. Doch auch wenn da eigentlich alles da ist für einen guten Abend vorm Fernseher, so ganz will der Funke dabei nicht überspringen. Es gelingt dem Film nicht, einen wirklich für die Figuren zu gewinnen, die da ihrem Leben nachgehen und beide auf ihre Weise nicht genau wissen, was sie damit anfangen sollen. Da mag dann am Ende einiges an Staub aufgewirbelt worden sein. Geändert hat sich dadurch aber nicht viel.

Credits

OT: „Une femme de ménage“
Land: Frankreich
Jahr: 2002
Regie: Claude Berri
Drehbuch: Claude Berri
Vorlage: Christian Oster
Musik: Frédéric Botton
Kamera: Eric Gautier
Besetzung: Jean-Pierre Bacri, Emilie Dequenne, Brigitte Catillon, Catherine Breillat, Jacques Frantz, Amalric Gérard, Axelle Abbadie

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
César 2003 Beste Nachwuchsdarstellerin Emilie Dequenne Nominierung

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Laura wirbelt Staub auf 
„Laura wirbelt Staub auf“ zeigt einen Mann mittleren Alters, der eine deutlich jüngere Frau als Putzkraft engagiert. Die Tragikomödie erzählt von Distanz, von der Suche nach Glück, der Sehnsucht nach Geborgenheit, zeigt dabei aber auch die Selbstlügen. Das ist zwar durchaus komplex und gut gespielt, aber auch ein bisschen langweilig.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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