(„Adopte Un Veuf“ directed by François Desagnat, 2016)

„Gemeinsam wohnt man besser“ läuft ab 22. Dezember im Kino

Es war ein dummes Missverständnis, was Hubert Jacquin (André Dussollier) und Manuela (Bérengère Krief) zusammengeführt hat, mehr nicht. Eigentlich hatte der Witwer nur eine Haushaltskraft gesucht, stattdessen steht auf einmal die junge Studentin vor ihm und sucht ein Zimmer. Nach einigem Zögern willigt der 70-jährige Pariser ein, es einmal mit dieser Wohngemeinschaft zu probieren. Doch so richtig turbulent wird es erst, als auch die Krankenschwester Marion (Julia Piaton) und der geschiedene Anwalt Paul-Gérard (Arnaud Ducret) hinzustoßen und die vier versuchen müssen, ihre jeweiligen Persönlichkeiten und Lebensstile unter ein Dach zu bekommen.

Irgendwie scheint die prekäre Pariser Wohnungssituation die Filmemacher doch sehr zu beschäftigen. Zumindest ist es irgendwie auffällig, dass mit Frühstück bei Monsieur Henri und Gemeinsam wohnt man besser zwei inhaltlich so ähnliche Filme in kurzer Folge bei uns in die Kinos kommen. In beiden Fällen trifft ein mürrischer, verwitweter Rentner auf eine lebenshungrige, junge Frau, die dringend eine Wohnung braucht. In beiden Fällen kommen sich die ungleichen Protagonisten nach einem Rumpelstart näher, lernen ein bisschen voneinander, werden dabei zu der Familie, die alle beteiligten im wahren Leben vermissen.

In Nuancen unterscheiden sich die beiden französischen Komödien dann aber doch, was vor allem dadurch bedingt wird, dass das ursprüngliche Duo auf ein Quartett erweitert wird. Das hat zur Folge, dass für die Annäherung von Hubert und Manuela kaum Zeit bleibt, nach einigen kleineren Meinungsverschiedenheiten sind die zwei schon beste Freunde. Mehr noch, es ist ausgerechnet die Begeisterung für seine junge Mitbewohnerin, die den älteren Herren dazu veranlasst, nach weiteren „Menschen in Not“ zu suchen. Das kann man durchaus nachvollziehen, denn Bérengère Krief versprüht als quirliger Tausendsassa einen Charme, dem man sich kaum entziehen kann. Aber es raubt dem Film genau die Komik, die Frühstück bei Monsieur Henri auszeichnete. Dessen starken Kontraste fehlen hier, der bissige Humor, der sich immer wieder in bösartigen Kommentaren entlud. Statt eines grantigen vom Leben enttäuschten Mannes ist der Wohnungsbesitzer hier eher melancholisch, nach dem Tod seiner Frau in einer Sackgasse gelandet.

Dass er dort wieder rausgeholt wird, lässt auch Gemeinsam wohnt man besser in bekannte Wohlfühlgefilde abdriften, ein bisschen was fürs Herz muss ja immer dabei sein. Bis es so weit ist, wird aber vor allem das komödiantische Talent der Darsteller gefordert. Dabei zeigt Regisseur und Co-Autor François Desagnat ein größeres Faible fürs Alberne, lässt die Chaostruppe zum Ende hin in ein turbulentes, völlig überzogenes, dafür aber auch spaßiges Finale stolpern. Das gilt im Grunde auch für den Rest des Films, wenn auch mit qualitativen kleineren Abstrichen. Glaubwürdig ist die Geschichte einer etwas anderen WG so gut wie nie, dafür entsprechen die Charaktere zu sehr Klischees oder sind wie im Fall von Marion zu schwammig umrissen. Dafür oft aber amüsant, wie es nun mal so ist, wenn sich mehrere grundverschiedene Menschen auf engem Raum arrangieren müssen, ohne komische Reibung geht das selbst in der etwas verwässerten Variante nicht aus. Dass viele Szenen über den Comedy-Faktor hinaus keine wirkliche Funktion erfüllen, Handlung und Gags zwei separate Leben führen, ist dann auch nicht weiter tragisch, Grund zum Schmunzeln gibt einem die etwas andere WG auch so genug.

Gemeinsam wohnt man besser
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Gemeinsam wohnt man besser
Vier Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten – das bedeutet viel Chaos, aber eben auch Spaß. Die Figuren sind teils schwach ausgearbeitet, die Handlung zu vernachlässigen, dafür sind die albernen bis absurden Situationen komisch genug, dass man „Gemeinsam wohnt man besser“ seine Oberflächlichkeit nicht übel nimmt.
6von 10

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