(„Out of the Dark“ directed by Lluis Quilez, 2014)

Out of the Dark

„Out of the Dark“ erscheint am 26. Juni auf DVD und Blu-ray

Wer heute Karriere machen will, der muss flexibel sein und notfalls auch schon mal dafür in ein fremdes Land ziehen. Und so ist es dann bei Familie Harriman auch recht üblich, regelmäßig die Sachen zu packen und woanders das Glück zu suchen. Damit soll jetzt aber Schluss sein: Sarah (Julia Stiles), ihr Ehemann Paul (Scott Speedman) sowie Töchterchen Hannah (Pixie Davies) beziehen ein altes, luxuriöses Landhaus in Kolumbien, da Sarah die örtliche Papierfabrik ihres Vaters Jordan (Stephen Rea) übernehmen wird. Die drei sind glücklich darüber, endlich sesshaft werden zu können, zumal das in einem Dschungel gelegene Haus ein absoluter Traum ist. Bald müssen sie jedoch feststellen, dass etwas mit dem Haus nicht stimmt, dass es da ein Geheimnis gibt, von denen ihnen keiner etwas erzählt hatte.

Üblicherweise sind es die Schauspieler, die einen auf einen Film aufmerksam machen und deren wegen man ihn sich anschauen will, vereinzelt auch mal der Regisseur. Bei Out of the Dark ist das nicht der Fall, die Darsteller sind eher solche aus der zweiten Reihe, Regisseur Lluis Quilez gibt hier sogar sein Langfilmdebüt. Dafür tauchen in der Drehbuchrubrik zwei Namen auf, die einen zumindest aufhorchen lassen: Àlex und David Pastor, das spanische Brüderpaar, das bei Carriers und The Last Days schon unter Beweis stellte, dass sie Händchen darin habe, für die Protagonisten unangenehme Situationen zu ersinnen. Und so ist dann auch ihre Fremdarbeit Out of the Dark ein äußerst routinierter Ausflug ins Horrorgenre. Ein wenig zu routiniert jedoch.

Abgelegene Häuser sind ja prädestiniert dafür, düstere Geschichten zu erzählen, so prädestiniert, dass man sich insgeheim fragt, weshalb es Leute in Filmen nach wie vor dorthin zieht. In Out of the Dark ist das besonders fragwürdig, denn mit einem kleinen Mädchen mitten in den Dschungel ziehen zu wollen und dort nachts alle Türen und Fenster offen stehen zu lassen, entspricht jetzt nicht unbedingt dem, was uns der gesunde Menschenverstand vorgeben würde. Aber für eine übermäßig große Glaubwürdigkeit ist das Horrorgenre ja ohnehin nicht gedacht, so lange die Geschichte funktioniert und Anlass für viel Grusel gibt.

Das tut sie hier dann auch, aber nicht wirklich mehr als das. Während man über diverse nicht nachvollziehbare Handlungen hinwegsehen kann, ist die völlige Vorhersehbarkeit ein größeres Problem. Wer nicht gerade erst seit gestern Haunted-House-Filme schaut, wird hier schnell durchschauen, was eigentlich gespielt wird, aber auch den Gruseleffekten mangelt es an Überraschungsmomenten. Vielmehr hat man das Gefühl, die Pastor-Brüder hätten beim Tippen des Drehbuchs das kleine Einmaleins-Handbuch des Horrorfilms neben den Computer gelegt und die dortigen Mechanismen direkt übernommen.

Effektiv ist das mitunter schon, denn von kleinen Kindern heimgesucht zu werden ist immer etwas gruselig, Schatten im Hintergrund und eigenwilliges Spielzeug sind es auch. Da zudem die Musik atmosphärisch ist, es ein paar schöne folkloristische Elemente gibt und das Haus, vor allem aber die dunkle, abgründige Natur eine wunderbare Kulisse abgeben, ist der Beitrag vom Fantasy Filmfest 2014 für Genrefans nicht die schlechteste Wahl. Dennoch bleibt zu hoffen, dass bei dem im August startenden Sci-Fi-Thriller Self/less, der ebenfalls aus der Pastor-Feder stammt, die Geschichte wieder etwas origineller ist.



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Out of the Dark
4.14 (82.86%) 7 Artikel bewerten

Out of the Dark
Wie mag ein Haunted-House-Film in Kolumbien wohl aussehen? Nicht viel anders als hier, die Gruselstimmung funktioniert, der düstere Dschungel liefert eine wunderbare Kulisse ab. Insgesamt hält sich „Out of the Dark“ jedoch zu sehr an die bekannten Genremechanismen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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