Kritik

Solo für 2 All of me

„Solo für 2“ // Deutschland-Start: 5. April 1985 (Kino)

Roger Cobb (Steve Martin) ist es ernst: Er will jetzt richtig Karriere als Anwalt machen! Sein Chef Burton Schuyler (Dana Elcar) ist ganz angetan von soviel Ehrgeiz und stellt ihm tatsächlich eine größere Position in der Kanzlei in Aussicht. Dafür muss er jedoch erst noch einen Auftrag erledigen. So soll er zu Edwina Cutwater (Lily Tomlin) fahren, einer schwerreichen, aber auch schwerkranken Klientin, die ihren Nachlass regeln will. Das Testament sieht vor, dass der komplette Besitz an Terry Hoskins (Victoria Tennant) gehen soll. Und gleichzeitig wieder nicht. Als Roger verwundert fragt, was genau es damit auf sich hat, verrät ihm die Millionärin, dass sie mithilfe des Mystikers Prahka Lasa (Richard Libertini) ihren Geist in den Körper der jungen Frau verlegen will – was der Jurist mit Spott zur Kenntnis nimmt. Tatsächlich gelingt die Prozedur, aber nicht ganz so wie geplant: So findet sich Edwina statt im Körper von Terry in dem von Roger wieder und muss diesen nun mit ihm teilen …

Annäherung gezwungenermaßen
Zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, die sich dabei gegenseitig zunächst auch nicht unbedingt schätzen, werden aufgrund äußerer Umstände dazu gezwungen, Zeit miteinander zu verbringen, und nähern sich dabei nach und nach an. Das ist ein ausgesprochen beliebtes Szenario, kann entweder rein freundschaftlich gebraucht werden oder auch als direkte Liebesgeschichte. Wenn dies in Solo für 2 passiert, dann ist das einerseits nicht sonderlich überraschend. Prinzipiell ist die Komödie in der Hinsicht eine wie viele andere auch. Und doch ist sie alles andere als gewöhnlich, wie auch bei einem derart absurden Szenario?

Ausgedacht hat sich dieses der Autor Edwin Davis, dem eine Veröffentlichung seiner irrwitzigen Geschichte in Romanform nicht vergönnt war. Auf der einen Seite war dies für ihn natürlich sehr schade. Andererseits kann man sich kaum vorstellen, wie dieser geballte Unsinn in rein textlicher Form funktionieren würde, losgelöst von dem Ensemble, das diesem Leben einhauchte. So amüsant der Inhalt von Solo für 2 ist, der Witz liegt hier dann doch vorrangig in der Ausübung. Allen voran Steve Martin (L.A. Story) durfte mit seiner Quasi-Doppelrolle eindrucksvoll beweisen, warum er zu den bedeutendsten Comedy-Stars der 1980er zählte. Lily Tomlin (Zwei mal Zwei) hat konzeptionsbedingt eine weniger dankbare Rolle. Dennoch stimmt die Chemie zwischen den beiden Leinwandgrößen, was man erst einmal hinbekommen muss, wenn diese nur selten zusammen zu sehen sind.

Slapstick mit Einsatz
Das satirische Potenzial einer Geschlechterkomödie nutzt der Film dabei nur sehr begrenzt aus. Regisseur Carl Reiner, der seinerzeit mehrfach mit Martin zusammenarbeitete, inszeniert den Körpertausch stattdessen mit viel Liebe für den Slapstick. Gerade zu Beginn, wenn die beiden Hauptfiguren sich denselben Körper teilen müssen und dabei nicht so recht wissen, wie das zu bewerkstelligen ist, wird es recht albern – aber auch sehr lustig. Solo für 2 hält die Balance geschickt harmloser Blödelei und echtem Herzblut. Auch wenn vieles von dem, was hier geschieht, keinen Sinn ergibt, bedeutet die Komödie mehr als nur billig zusammengeschnittene Szenen.

Ist der erste Schock über das groteske Szenario verdaut, baut der Film aber schon etwas ab. Auch der absurdeste Einfall füllt nun einmal keine 90 Minuten. Der Witz wird deshalb später noch einmal etwas variiert, unter Einbezug der zwar unterhaltsamen, aber etwas verschenkten Nebenfiguren. Aber das dient dann doch mehr dazu, die Geschichte noch ein wenig zu strecken, bevor das Unvermeidliche eintritt. Das kann man dann schade finden. Irgendwie wird das Thema des Körpertausches auch nie wirklich dazu eingesetzt, um einen Erkenntnisgewinn in Gang zu setzen. 1984 gab man sich dann doch damit zufrieden, einfach nur unterhalten zu wollen.

Das gelingt Solo für 2 aber zweifelsfrei. Der Film ist eine typische 80er-Jahre Komödie, bei der man ohne Hemmungen ein bescheuertes Szenario nahm und es ganz ernst ausspielte. Von daher ist es etwas schade, dass das Werk heute etwas in Vergessenheit geraten ist. So gab es zwar immer mal wieder Überlegungen für eine Neuauflage, sei es als Film oder Serie, draus geworden ist aber bislang nichts. Und so bedauerlich es ist, dass man aus dem Stoff nicht noch mehr rausgeholt hat, so kann man sich das hier kaum ohne das Originalensemble vorstellen. Zumindest nicht in dieser humoristischen Qualität.

Credits

OT: „All of Me“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Carl Reiner
Drehbuch: Phil Alden Robinson
Vorlage: Edwin Davis
Musik: Patrick Williams
Kamera: Richard H. Kline
Besetzung: Steve Martin, Lily Tomlin, Richard Libertini, Victoria Tennant, Dana Elcar, Jason Bernard

Trailer

Filmfeste

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Golden Globe Awards 1985 Bester Hauptdarsteller – Komödie oder Musical Steve Martin Nominierung
Bester Hauptdarstellerin – Komödie oder Musical Lily Tomlin Nominierung

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Solo für 2
In „Solo für 2“ will eine schwerkranke Frau ihren Geist in den Körper einer Jüngeren verlegen, landet dabei aber versehentlich in dem eines Mannes, den sie sich mit dem Besitzer teilen muss. Das Ergebnis ist eine typische 80er-Jahre Komödie mit viel Slapstick, brillant von Steve Martin gespielt, auch wenn außerhalb des absurden Szenarios inhaltlich nicht viel Nennenswertes passiert.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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