Kritik

LA Story

„L.A. Story“ // Deutschland-Start: 20. Juni 1991 (Kino) // 11. Juni 2020 (Blu-ray)

Irgendwie hatte sich Harris K. Telemacher (Steve Martin) das alles anders vorgestellt. Beruflich ist der studierte Philosoph beim Fernsehen gelandet, wo er sich bei der Wettervorhersage regelmäßig zum Idioten macht. Und auch seine Beziehung zu Trudi (Marilu Henner) ist inzwischen in einer Sackgasse gelandet. Ersatz hätte er schon, hat es ihm doch Sara (Victoria Tennant) angetan, eine Journalistin, der er bei einem gemeinsamen Essen mit Freunden über den Weg gelaufen ist. Nur ist die noch nicht so ganz von ihrem Ex-Mann Roland (Richard E. Grant) los. Also vertreibt sich Harris erst einmal die Zeit mit der Verkäuferin SanDeE* (Sarah Jessica Parker) und einer Anzeigentafel, die zu allem etwas zu sagen hat …

Porträts amerikanischer Großstädte, die bevölkert sind von skurrilen Figuren, da denkt natürlich jeder erst einmal an Woody Allen, der wieder und wieder seiner großen Liebe New York City filmische Denkmäler errichtet hat, in denen träumende Neurotiker das große Glück suchen. Etwas in Vergessenheit geraten ist Steve Martins Los-Angeles-Pendant L.A. Story, bei dem er 1991 nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch das Drehbuch geschrieben hatte. Ein Drehbuch, das an manchen Stellen tatsächlich an die Werke seines Kollegen erinnert, an anderen dafür aber deutlich erkennbare eigene Wege sucht.

Die Erkenntnis liegt neben der Straße
Gleich zu Beginn zeigt Martin einen Sinn fürs Absurde, wenn er mit einem geradezu dreist erlogenen Zitat in die Geschichte einführt und einen ganz besonderen Parkabschnitt zur körperlichen Ertüchtigung demonstriert. Doch der verrückteste Einfall ist sicherlich der der Anzeigentafel, die dem Film von früh an eine leicht märchenhafte Atmosphäre verleiht und als besonders schöner Running Gag immer wieder als Straßenorakel auftritt. Das ergibt dann zwar nicht zwangsweise alles wirklich Sinn, muss es aber auch nicht. Schließlich sind die Menschen in L.A. Story ebenfalls oft grotesk. Da ist es nur gerecht, wenn deren Erfindungen sich die eine oder andere Eigenschaft abgeschaut haben.

Diese absurden Umwege sind ein Grund, weshalb der Film mehr ist als eine bloße Kopie der New-York-Schrulligkeiten. Außerdem zeigt Martin zuweilen eine Vorliebe fürs Satirische. Gerade der Mikrokosmos Fernsehen, welcher dem Komiker dank seiner zahlreichen Auftritte in den 70ern bestens vertraut ist, bekommt die eine oder andere Spitze ab. Außerdem macht er sich ganz gern über die Eigenheiten der Stadt und ihrer Bewohner lustig: L.A. Story ist einerseits Abrechnung mit der Glitzermetropole an der Westküste der USA, in der versnobte Köche darüber bestimmen, wer was zu essen bekommt, gleichzeitig eine Liebeserklärung. Ein Film über einen überfälligen Aufbruch eines gestrandeten Mannes in seiner Midlife-Crisis und doch einer, der sich gar nicht so wirklich von allem trennen mag.

Spaß kann man mit allem haben
Das ist ebenso widersprüchlich wie der Humor, der in Sekundenschnelle von scharfsinnig zu albern wechseln kann, der sich mal in Fantastereien ergibt, dann wieder dem schlichten Klamauk frönt. Nicht jeder dieser Gags sitzt dabei gleich gut, der wilde Mix verschiedener Richtungen dürfte auch nicht jedem gefallen. Er macht aber doch den Charme einer Komödie aus, die gleichzeitig ein Best of und doch was eigenes ist. Die beispielsweise in Bezug auf die Liebesgeschichte weitestgehend konventionell ausfällt und sich ihre Überraschungen für andere Bereiche aufhält – etwa die vielen Gastauftritte von Hollywood- und Musik-Stars, die sich nicht für ein paar Sekunden zu schade sind.

Das Ensemble selbst ist ohnehin das beste Argument, sich bald 30 Jahre später immer noch in die skurrile Fassung der Stadt der Engel zu verfahren. Wobei Martin zwangsläufig stärker in Erinnerung bleibt als das solide Umfeld, das sich tendenziell eher als Stichwortgeber für den Komiker sieht. Wer mit Letzterem nichts anfangen kann, der kann sich diese Quasi-One-Man-Show natürlich sparen. Fans finden hier hingegen einen der schöneren Filme im Gesamtwerk des Urgesteins, wenn er sich um Kopf und Kragen redet, mit Anzeigentafeln zofft und dabei doch nur von der großen Liebe träumt.

Credits

OT: „L.A. Story“
Land: USA
Jahr: 1991
Regie: Mick Jackson
Drehbuch: Steve Martin
Musik: Peter Melnick
Kamera: Andrew Dunn
Besetzung: Steve Martin, Victoria Tennant, Richard E. Grant, Marilu Henner, Sarah Jessica Parker

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L.A. Story
In „L.A. Story“ spielt Steve Martin einen Wetterfrosch, der beruflich und privat in der Krise befindet. Die Liebesgeschichte wird dabei schnell zur Nebensache, wenn die eigentliche Liebe der Metropole gilt, die hier immer mal wieder satirisch aufs Korn genommen wird. Gleichzeitig blickt der Film voller Wärme auf die vielen Chaoten, die durch die mal alberne, dann wieder absurde Komödie torkeln.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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