Kritik

Klassentreffen 1.0 DVD

„Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken“ // Deutschland-Start: 20. September 2018 (Kino) // 7. März 2019 (DVD/Blu-ray)

30 Jahre ist es mittlerweile her, dass Nils (Samuel Finzi), Andreas (Milan Peschel) und Thomas (Til Schweiger) gemeinsam Abitur gemacht haben. Dreißig Jahre, die an dem Trio nicht ganz spurlos vorübergegangen sind. So steckt Familienvater Nils beispielsweise in einer heftigen Midlife-Crisis und wird von körperlichen Wehwehchen geplagt, womit er seine Frau Jette (Katharina Schüttler) in den Wahnsinn treibt. Andreas wiederum leidet darunter, dass seine Jugendliebe Tanja (Jeanette Hain) ihn für einen deutlich jüngeren Mann verlassen hat. Nur bei Thomas läuft es: Er verdient als DJ gut Geld, ist zudem frisch in Linda (Stefanie Stappenbeck) verliebt. Dafür hat er deren Tochter Lilli (Lilli Schweiger) an der Backe, die auf ihn aufpassen soll, dass er auch ja keinen Blödsinn macht. Gelegenheit dafür gibt es genug, sind die drei doch auf dem Weg zu einem Klassentreffen …

Ein Wiedersehen mit Schrecken

Es gibt Beziehungen, die sind so kaputt, dass nichts auf der Welt sie wohl noch einmal retten kann. Das betrifft jetzt weniger die Figuren in Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken, die zwar alle kräftig eins auf die Nase bekommen, aber doch weiter machen dürfen. Vielmehr ist es das Verhältnis zwischen Til Schweiger und Filmkritikern und Filmkritikerinnen, welches keine Chance auf eine gemeinsame Zukunft hat. Zumindest nicht, wenn die Betreffenden den Anspruch einer Kritik in irgendeiner Form ernstnehmen. Und da Schweiger durch seine diversen von ihm inszenierten Werke entsprechend im Bilde ist, lädt er schon seit einer geraumen Weile keine reguläre Presse mehr zu seinen Filmen ein, um so die Möglichkeit schlechter Besprechungen zu minimieren.

Das ist sicher schlau, seine langjährigen Fans rennen sowieso ins Kino, egal was Schweiger da nun genau macht. So auch bei Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken, das 2018 immerhin 1,1 Millionen Menschen in die Kinos lockte. Ihnen von dem Film abraten zu wollen, bringt daher relativ wenig. Und wer sich nicht zu den Fans zählt, dürfte durch die Kritiken ebenfalls nichts erfahren, was er oder sie nicht schon vorher wusste. Ein Meister des feinen Humors war der Schauspieler, der später auch zunehmend als Regisseur und Drehbuchautor auftrat, nie gewesen. Warum also jenseits der 50 noch damit anfangen, wenn sich das Erfolgsrezept bewährt hat?

Humor aus der Kloschüssel

Dieses besteht einerseits in der Aneinanderreihung möglichst peinlicher Witze, die sich abwechselnd an Frauen, Homosexuellen oder Dicken abarbeiten, sprich allen, die nicht Schweiger sind. Neu ist lediglich, dass er auch die Peinlichkeit des Alterns für sich entdeckt hat, weswegen jetzt Gags über Hämorrhoiden oder schmerzhafte Enthaarungen im Intimbereich gibt. Das betrifft aber in erster Linie die bemitleidenswerten Kollegen Milan Peschel (Männertag) und Samuel Finzi (HERRliche Zeiten), die einen unwürdigen Kalauer nach dem anderen über sich ergehen lassen müssen. Für sich selbst hat der Regisseur hingegen die Rosinen übrig gelassen: der Erfolgsmensch, dem alles, inklusive der Frauen, einfach so zufliegt.

Das darf man dann schon etwas erbärmlich finden. Schlimmer aber als die ungleiche Verteilung der komödiantischen Lasten ist, dass die meisten Witze einfach nicht witzig sind. Es ist nicht einmal so, dass die diversen Geschmacklosigkeiten als Tabubrüche durchgehen würden, dafür sind sie nicht intelligent genug. Vielmehr frönt Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken einem Humor, der schon vor 30 Jahren nicht ganz frisch gewesen wäre, eine nostalgische Erinnerung an die eigene Pubertät. Dann und wann ist zwar noch ein Einfall dabei, den man sich gefallen lassen kann. Außerdem schart Schweiger ein durchaus talentiertes Ensemble um sich, welches manche Katastrophe zwar nicht verhindern, dafür zumindest abmildern kann. Aber das reicht nicht aus, um die humoristische Eintönigkeit und Langeweile zu durchbrechen, welche allenfalls durch die kalkulierten Versuche von Gefühligkeit gnädigerweise pausieren dürfen.

Credits

OT: „Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken“
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Regie: Til Schweiger
Drehbuch: Til Schweiger, Lo Malinke
Musik: Martin Todsharow
Kamera: Adrian Cranage
Besetzung: Til Schweiger, Milan Peschel, Samuel Finzi, Lilli Schweiger, Katharina Schüttler, Stefanie Stappenbeck, Jeanette Hain

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Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken
In „Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken“ rücken drei Freunde 30 Jahre nach dem Abitur noch einmal zusammen und erleben dabei zahlreiche peinliche Abenteuer. Der Film richtet sich ausschließlich an die Fans von Til Schweiger, die Jahre später noch immer den ewig gleichen pubertären Witzen folgen. Der Rest sollte sich die zwei Stunden Lebenszeit für Sinnvolleres aufheben.
2von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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