Kritik

Amityville Horror 2005

„The Amityville Horror“ // Deutschland-Start: 21. April 2005 (Kino) // 2. Oktober 2006 (DVD)

Ein Jahr nachdem Ronald DeFeo seine ganze Familie in deren Haus in Amityville, New York hingerichtet hat, haben sich mit George und Kathy Lutz (Ryan Reynolds und Melissa George) Interessenten für das Anwesen gefunden. Auch wenn ihnen die Vorgeschichte des Hauses ein mulmiges Gefühl gibt, sieht doch vor allem George den Umzug als eine Chance für sie als Familie zusammenzuwachsen. So ziehen sie mit Kathys drei Kindern in das Anwesen, doch was noch in der ersten Zeit vielversprechend zu sein schien, entpuppt sich langsam aber sicher als Albtraum, denn neben vielen unheimlichen Vorkommnissen und Geräuschen im Haus bemerkt Kathy, wie sich vor allem ihr Mann immer mehr verändert, aggressiver wird und nicht mehr er selbst ist. Besonders sein Verhalten gegenüber ihrem ältesten Sohn Billy (Jesse James) wird immer strenger und schlägt bisweilen gar in unverhohlenen Hass um. Als Kathy beschließt, die Geschichte des Hauses und die der DeFeos, der vorherigen Besitzer, zu recherchieren, macht sie beunruhigende Funde, welche die Veränderungen ihres Mannes sowie die unheimlichen Ereignisse in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Die Familie als Monster
Im Zuge einer ganzen Reihe von Neuverfilmungen von Horrorproduktionen aus dem gleichen Jahrzehnt war es wohl nicht zuletzt die Chefetage von Dimension Films, die sich dazu entschloss, einer Neuverfilmung des Originals von Stuart Rosenberg aus dem Jahre 1979, grünes Licht zu geben. Für die Regie entschied man sich mit Andrew Douglas für einen noch unerfahrenen Regisseur, der sich bis zu diesem Zeitpunkt eher durch Kurzfilme oder Dokumentation einen Namen gemacht hatte. Ähnlich wie schon die Neuverfilmungen von The Last House on the Left oder Michael Bay’s The Texas Chainsaw Massacre ist auch die Neuauflage von Amityville Horror über weite Strecken eine rein optische Aufpolierung des Originals, die sich nicht zuletzt durch eine Zunahme der Schockeffekte auszeichnet.

Was zunächst wie eine Mischung aus True Crime-Thriller und Horrorfilm anmutet, wird schnell zu einem Streifen, der viele der mittlerweile hinlänglich bekannten Stereotypen des Genres bedient. Auffällig ist nicht nur die polierte Optik, die bisweilen, bedenkt man den Kontext der Geschichte, etwas unpassend wirkt, sondern auch die deutliche Zunahme von Schock- und Bluteffekten, was sich nicht unbedingt positiv auf die für die Geschichte so wichtige Atmosphäre auswirkt. Mögen die stilisierten Bilder, die Blutfontänen und die verzerrten Dämonenfratzen, auch einen gewissen Reiz haben, so nutzt sich dieser schnell ab, erinnert bisweilen eher an eine etwas repetitive, leicht alberne Geisterbahn.

Eine weitere Ungereimtheit ist die Besetzung von Ryan Reynolds als George Lutz. Betonte die Darstellung James Brolins noch den körperlichen wie mentalen Verfall der Figur, ist davon nur noch wenig zu spüren bei Reynolds’ Interpretation der Rolle. Der gestählte Oberkörper, der nicht selten mit einem gewissen Hang zum Fetisch inszeniert wird, steht im scharfen Kontrast zum Verfallsprozess eines Mannes, dessen Familie ihm als Monster erscheinen, die ihn heimsuchen und aussaugen.

Das Leben, das wir verdienen
Jedoch ist die alleinige Schuld für das Versagen dieser Neuauflage nicht nur bei den Darstellern zu suchen, von denen vor allem die unterschätzte Melissa George als Kathy Lutz viele gute Momente hat. Auch das Drehbuch aus der Feder Scott Kosars, der bereits das Skript zu Michael Bay’s The Texas Chainsaw Massacre schrieb, trägt einen nicht geringen Anteil dazu bei, dass die Figuren teils eindimensional oder reichlich dämlich wirken. So ist beispielsweise die Besichtigung des Hauses durch die Lutz gespickt mit allerlei Phrasendrescherei wie „Das ist das Leben, das wir verdienen“ oder „Häuser töten keine Menschen, Menschen töten Menschen“. Ähnlich hohl verlaufen viele der Dialoge, an die man sich, kaum hat man sie vernommen, schon nicht mehr erinnert. In Grunde lässt sich dies auch über diesen Film im Allgemeinen sagen.

Credits

OT: „The Amityville Horror“
Land: USA
Jahr: 2005
Regie: Andrew Douglas
Drehbuch: Scott Kosar
Musik: Steve Jablonsky
Kamera: Peter Lyons Collister
Besetzung: Ryan Reynolds, Melissa George, Philip Baker Hall, Jesse James, Jimmy Bennett, Chloë Grace Moretz

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Amityville Horror (2005)
„Amityville Horror – Eine wahre Geschichte“ ist eine misslungene Neuauflage des Originals aus dem Jahre 1979. Vergessenswerte, hohle Dialoge sowie Fehlbesetzungen sind nur zwei Aspekte eines Films, der sich lediglich über seine recht billigen Effekte definiert.
4von 10

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