Kritik

The Room

„The Room“ // Deutschland-Start: 13. November 2020 (DVD/Blu-ray)

Um den New Yorker Alltag hinter sich zu lassen, ziehen Kate (Olga Kurylenko) und Matt (Kevin Janssens) in das neu erworbene Prachtanwesen im ländlichen Westminster. Voller Freude soll hier ihr neues Leben beginnen. Als im Zuge der Renovierung dann jedoch ein verborgener Raum entdeckt wird, ist das Paar deutlich verwirrt. Fensterlos, mit einer massiven Tür ausgestattet und dem Anschein nach von der Außenwelt isoliert, zieht der geheimnisvolle Raum die beiden in seinen Bann. Nachdem Matt eines Abends einen simplen Wunsch äußert und dieser sich kurzerhand später im Raum manifestiert, ist die Überraschung groß. Der Wünsche erfüllende Raum – das verbirgt sich hinter dem Mysterium – bringt fortan jede Menge Geld, Kunstgemälde, Schmuck und allerhand Nützliches für das überglückliche Paar hervor. Als Kate eines Tages jedoch einen speziellen Wunsch äußert, gerät das Leben der zwei plötzlich aus den Fugen.

Die Illusion vom wunschlos glücklich sein
Nach dem anfänglichen Rausch von Luxusgütern aller Art wird das Leben von Kate und Matt von einer zunehmenden inneren Leere geprägt. Da The Room in erster Linie jedoch als Thriller und weniger als philosophisches Drama konzipiert ist, kristallisiert sich relativ zügig heraus, dass Christian Volckman (Renaissance) sich einem intellektuellen Beitrag zur Überflussgesellschaft und dem generellen Drang nach mehr verweigert. Dies mag aber auch an dem Twist liegen, der mit Kates speziellen Wunsch und den daraus resultierenden Konsequenzen zusammenhängt. Als Matt darüber hinaus den Haken des Mysteriums eines Tages herausfindet, bei dem der Luxus und damit auch die Illusion von dem wunschlos glücklichen Leben wortwörtlich verpufft, sieht sich das Paar nun mit den Problemen, die der Raum verursacht, konfrontiert. Da es kein Wunsch ohne ein psychologisches Dilemma vermag, diese Situation zu entschärfen, mündet Volckmans Werk bereits ab der Mitte in eine Abwärtsspirale, aus der es so leicht kein Entrinnen gibt. Besonders erwähnungswert in dieser Hinsicht der gelungene Spannungsbogen, der kleinere Patzer im Storyverlauf zwar nicht gänzlich, aber zumindest ansatzweise kompensiert.

Careful what you wish for
Denkt man an Andrei Tarkowskis Stalker zurück, zeigt sich, dass die Idee eines Wünsche erfüllenden Raums nicht neu ist, im Gegenteil. Während Tarkowski sich mit diesem Thema auf recht intellektuelle Weise auseinandergesetzt hat, so schlägt The Room dagegen einen leicht anderen Weg ein. Die Quintessenz ist dabei jedoch die gleiche – sei vorsichtig was du dir wünschst. Einmal mehr wiederholt The Room somit eine bereits längst abgearbeitete Erkenntnis, wirft man nur einmal einen Blick auf Horrorproduktionen wie The Monkey’s Paw (2013), Wish Upon (2017) oder The Final Wish (2018). Nicht sonderlich intellektuell, dafür aber mit einer durchaus sehenswerten Bildsprache und einem netten Twist ausgestattet, entpuppt sich Volckmans Werk somit als zumindest überzeugender Film, nicht zuletzt aufgrund des Verzichts auf stumpfe Horrorelemente.

Alles in allem ist The Room damit ein grundsolider Film, der durch seine einfache, aber dennoch bewegende Geschichte für Thriller- und Mystery-Fans besonders interessant sein könnte. Einzig und allein bei den Erwartungen sollte man vorsichtig sein. Abschließend könnte man jetzt Tarkowskis Worte zitieren „wir schauen nur, aber sehen nicht“, was auf The Room sicherlich zutreffen mag, es muss ja nicht immer hochkomplexes Wirrwarrkino sein.

Credits

OT: „The Room“
Land: Frankreich, Luxemburg, Belgien
Jahr: 2019
Regie: Christian Volckman
Drehbuch: Christian Volckman, Sabrina B. Karine, Eric Forestier
Musik: Raf Keunen
Kamera: Reynald Capurro
Besetzung: Olga Kurylenko, Kevin Janssens, Joshua Wilson, John Flanders, Francis Chapman

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The Room (2019)
Jeder Wunsch der in Erfüllung geht, mag sich zwar wunderbar anhören, „The Room“ zeigt jedoch, dass vollkommene Glückseligkeit unerreichbar bleibt. Das Portrait über die Freuden als auch das Leid, das ein Wünsche erfüllender Raum mit sich bringt, zeigt dabei, dass man mit ausgesprochenen Wünschen vorsichtig sein sollte.
7von 10

Über den Autor

Freier Autor

Ich bin freiberuflicher Autor und seit vielen Jahren leidenschaftlicher Filmfan, wobei mein Fokus den kleineren Filmperlen gilt.

2 Responses

  1. Eke

    Ja, aus diesem Thema hätte etwas wachsen können. Leider ist daraus ein strapazierend langatmiger Streifen geworden, bei dem es an allem mangelt: Spannung, Verve, schauspielerische Leistung, außer bei ein, zwei interessanten Twists muss man sich wegen den langen Kameraeinstellungen in leere Gesichter, Räume und Landschaften oft vom Einschlafen abhalten. Die beiden Hauptakteure – eigentliche gute Mimen – haben wohl in der Sauregurkenzeit der Pandemie zugreifen müssen, ihre Parts hätten auch Leute aus der örtlichen Theaterspielgruppe übernehmen können. Schade um die Zeit, die man beim Wachhalten vertrödelt hat.

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