Kritik

The Death of Cinema and My Father Too

„The Death of Cinema and My Father Too“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Seit langer Zeit schon will Regisseur Asaf (Roni Kuban) seinen Vater Yoel (Marek Rozenbaum) für ein letztes gemeinsames Projekt gewinnen, die Geschichte über einen Mann, der seine Familie in Sicherheit bringen will, weil er einen Militärschlag der iranischen Luftwaffe aus Israel fürchtet. Die ersten Einstellungen sind schon abgedreht und es läuft so weit alles nach Plan, jedoch geht es Yoel schon bald nicht mehr so gut. Asafs Vater leider nämlich an Krebs und die Anstrengungen des Drehs sind einfach zu viel für ihn, bis schließlich seine Frau (Noel Koler) einen Schlussstrich zieht und ihren Sohn darum bittet, den Film ohne Yoel weiterzudrehen. Dies kommt aber für Asaf gar nicht infrage, der von nun an mehr Zeit mit seinem Vater verbringt, ihn filmt, mit ihm Szenen durchspielt, sogar sein eigentliches Projekt vergisst und mit ihm über sein Kind spricht, welches bald geboren wird, und wie ihre Beziehung zueinander ist. Parallel wird aber noch ein anderer Film gedreht, denn Regisseur Dani Rosenberg plant gleichermaßen ein Projekt mit seinem echten Vater, Natan Rosenberg, der, ähnlich wie Yoel, an Krebs leidet. Während sich der Zustand seines Vaters verschlechtert, filmt Dani die Behandlungen wie auch die teils in Streitereien ausartenden Gespräche mit seinen Eltern. Nach einiger Zeit geht es auch ihm nicht mehr um das Projekt an sich, sondern darum, überhaupt einen letzten Film mit seinem Vater als Hauptdarsteller zu drehen.

Der Film ist vorbei
Eigentlich hatte Regisseur Dani Rosenberg mithilfe der Unterstützung des Israel Film Fund ein Projekt mit dem Titel The Night Escape realisieren wollen, welches um die Flucht einer Familie aus Israel geht, als sie das Gerücht über einen Angriff der iranischen Luftwaffe hören. In der Rolle des Familienvaters wollte Rosenberg seinen Vater besetzen, dessen Krebsdiagnose, kombiniert mit seinem sich verschlechternden Gesundheitszustand, ein solches Unterfangen nicht mehr zuließen. Stattdessen drehte Rosenberg The Death of Cinema and My Father Too, eine Mischung aus Familiendrama und Meta-Film, die nun auf dem Filmfestival Mannheim-Heidelberg zu sehen ist, ein interessantes Projekt, welches immer wieder Realität und Fiktion vermischt, doch im Kern eine Geschichte über den schmerzvollen Abschied vom Vater sowie dessen Erbe erzählt.

Es ist ein drastischer Beginn, den Rosenberg für seinen Film gewählt hat. Während die Kamera auf seinen Vater gerichtet ist, welcher, sichtlich erschöpft, auf der Couch der Familienwohnung liegt, erzählt ihm sein Sohn vom Projekt, von seinen Intentionen und der Relevanz der Geschichte in Form eines Monologes, der für seine Eltern zusehends zu einer Strapaze wird. Dennoch hält die Kamera, auch als Natan erklärt, er möchte nicht weiter gefilmt werden und sich in harschen Worten zu den Ideen seines Sohnes geäußert hat, an ihrem Standpunkt fest und es wird nicht weggeschnitten. Es sind solche Einstellungen, welche auf die gefährliche Balance hinweisen, die von der Tyrannei des Regisseurs ausgeht, der immer weiter machen will, immer mehr Material benötigt, und dem Sohn, welcher im Festhalten der Momente eine tiefer liegende Wahrheit sichten will, für ihre Beziehung zueinander und seinen eigenen Sohn. Auch wenn man den Vorwurf der mangelnden Sensibilität dieser Bilder durchaus anbringen kann und sollte, verweisen sie auf das zentrale Motiv des Films, nämlich, dass der Vater die eigentliche Geschichte, das Kino an sich ist, welches bei ihm bleibt und konsequenterweise mit ihm stirbt.

Vaters Land
Jedoch erzählt The Death of Cinema and My Father Too nicht nur von jenem Familiendrama, denn dieses kann als Spiegel für jenes eigentlich geplante, ambitionierte Projekt über Israel an sich gesehen werden. Weniger die Verarbeitung ist das Ziel des Projekts, sondern das wiederholende Aufreißen der Wunde sowie ein Gefühl der Paranoia, was in der obsessiven Begierde, alles festzuhalten, mündet. Immer wieder stellt sich dem Zuschauer die Frage, was dem Filmemacher – dem von Roni Kurban gespielten Asaf wie auch Dani Rosenberg selbst – eigentlich wichtiger ist, das Schicksal des Vaters oder aber die technischen Aspekte wie die Einstellungsgröße oder der Einsatz von Musik. In einer vielsagenden Sequenz wird der abendliche Spaziergang Yoels als Filmszene enttarnt, die von Asaf gestoppt wurde, da ihm die Musikuntermalung nicht gefällt und er eine andere, traurigere Melodie vorschlägt. Die Form bestimmt das Narrativ und damit die Wirkung, nicht unähnlich der Inszenierung einer Rede der politischen Elite des Landes.

Credits

OT: „The Death of Cinema and My Father Too“
Land: Israel
Jahr: 2020
Regie: Dani Rosenberg
Drehbuch: Itay Kohay
Kamera: David Stragmeister
Besetzung: Marek Rozenbaum, Roni Kuban, Ina Rosenberg

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The Death of Cinema and My Father Too
„The Death of Cinema and My Father Too“ ist fordernder Mix aus Familiendrama und Meta-Film. Inhaltlich wie auch formal provokant inszeniert gelingt Dani Rosenberg eins anspruchsvolles Drama, welches die individuelle Tragödie mit dem Narrativ einer Nation verknüpft, auch wenn dies in vielen Szenen unsensibel oder gar verletzend wirkt.
7von 10

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