Geld zu haben, ist nie so wirklich verkehrt – oder vielleicht doch? In der von wahren Ereignissen inspirierten Serie Exit spielt Pål Sverre Hagen einen Unternehmer, der wie drei seiner Freunde früh zu sehr viel Reichtum gekommen ist, jetzt jedoch in einer Krise feststeckt. Denn auch wenn sie ihr Leben in Saus und Braus genießen, eine rauschende Party nach der anderen feiern, tauchen überall auf einmal Probleme auf. Wir haben uns mit dem norwegischen Schauspieler über seine Rolle, die Illusion des Geldes und die Notwendigkeit von Zielen unterhalten.

Könntest du uns etwas über die Rolle erzählen, die du in Exit spielst, und warum du diese angenommen hast?
William ist sehr schnell reich geworden und war schon mit dreißig ein sehr vermögender Mann. Dieses Geld gibt ihm und seinen Freunden Freiheit und die Möglichkeit, ihre eigene Welt zu erschaffen. Innerhalb dieser Welt legen sie die Regeln fest. Und diese lauten: Es gibt keine Regeln. Dieser Weg hat ihn bis an seine Grenzen gebracht und ihn zu seinem eigenen schlimmsten Feind gemacht. Die Entscheidung mitzuspielen war sehr einfach: Øystein Karlsen ist ein fantastischer Autor. Die Drehbücher waren so gut und seine offene Art beim Entstehungsprozess der Serie haben die ganze Sache zu einer großartigen Erfahrung gemacht.

Deine Figur sagt, dass Geld die eine Religion ist, an die alle glauben. Warum ist das so?
Er macht diesen Vergleich zwischen Religion und Geld, weil Geld nur dann real wird, wenn wir an es glauben. Wir müssen alle diesem Konzept zustimmen, damit es überhaupt funktionieren kann. Und das tun wir, wir glauben alle daran, dass Geld real ist. Dabei ist es das gar nicht. Öl, Fisch, Metall, Holz, Essen und so weiter, das sind alles reale Dinge. Geld ist hingegen ein System, das wir geschaffen haben. Der Aktienmarkt sagt nichts darüber aus, wie wertvoll eine Sache ist, sondern nur, was der Markt für dessen Wert hält.

Die Figuren der Serie tun einige wirklich grauenvolle Dinge, nachdem sie zu Geld gekommen sind. Verändern Reichtum und die damit verbundenen Möglichkeiten die Menschen oder enthüllen sie, wer sie wirklich sind?
Ich hoffe, dass der Kern der Persönlichkeit die Freiheit unendlicher Ressourcen überleben wird. Aber ich glaube nicht, dass Geld die Suche nach dem wahren Ich irgendwie einfacher macht.

Geld ist nicht genug, um glücklich zu sein, wie man in Exit sieht. Nicht genug Geld zu haben, macht aber ebenfalls unglücklich. Wann hat man genau genug Geld und woher weiß man, dass dieser Punkt erreicht ist?
Das hängt wie bei allem sehr von deiner eigenen Einstellung ab, oder? Du hast dann genug, wenn du das Gefühl hast, genug zu haben. Die Frage dabei ist natürlich, was der einzelne unter „genug“ versteht. Während manche Menschen der Ansicht sind, ein einziges Privatflugzeug sei nicht genug, finden andere ihren Frieden darin, sich jeden Tag ernähren zu können.

Was macht dich persönlich glücklich, wenn es nicht Geld ist?
Fischen.

Zu früh gefreut: Pål Sverre Hagen spielt in der Serie Exit einen Mann, der schnell zu Reichtum kam und die Kontrolle über sein Leben verliert (© Black Hill Pictures)

Ein Problem der vier Männer in Exit ist, dass sie so jung reich wurden, dass sie keine wirklichen Ziele mehr im Leben haben. Brauchen wir in unserem Leben Ziele?
Ich denke, dass ein Ziel dir zumindest das Gefühl eines Sinns gibt. Etwas, auf das du dich konzentrieren kannst. Wenn du all die Dinge aus dem Blick verlierst, die dir eine Richtung im Leben gegeben haben, dann kann das auf jeden Fall zu Ärger führen. Wie bei William, der auf dem besten Weg dorthin ist.

Was sind denn deine eigenen Ziele?
Ich lass mich da gerne treiben.

Wolltest du dabei schon immer Schauspieler werden?
Ursprünglich hatte ich eigentlich andere Pläne und ich weiß bis heute nicht, wie ich genau hier gelandet bin. Aber ich liebe diesen Job, der so abwechslungsreich ist, und bin dankbar für die vielen großartigen Erfahrungen, die er mir ermöglicht hat.

Und wie geht es jetzt weiter? Wird es eine zweite Staffel von Exit geben?
Wird es tatsächlich. Sie ist schon abgedreht und ich kann dir versprechen, dass es beim zweiten Mal nicht schöner wird.

Und sonstige Projekte? Woran arbeitest du?
Nach der ersten Welle des Corona-Virus habe ich nonstop weiter gearbeitet, um die Projekte abzuschließen, die davon betroffen waren. Drei Serien und ein Film sollen bis Ende des Jahres gedreht werden, sofern es der Virus erlaubt. Derzeit drehe ich in Berlin die deutsch-norwegische Serie Furia.

Pål Sverre Hagen

Zur Person
Pål Sverre Hagen wurde am 6. November 1980 in Stavanger, Norwegen geboren. Von 2000 bis 2003 studierte er an der Norwegian National Academy of Theater in Oslo. Anschließend war er vor allem im Theater zu sehen. Einem internationalen Publikum wurde er 2012 durch seine Rolle als Forschungsreisender Thor Heyerdahl in Kon-Tiki bekannt. Auch in Amundsen (2019) spielte er einen solchen, genauer den berühmten Polarforscher Roald Engelbregt Gravning Amundsen. Zu seinen weiteren Filmen zählen der schwarzhumorige Thriller Einer nach dem anderen (2014) und das Drama Pferde stehlen (2019).



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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