Kritik

Hes Out There

„He’s Out There“ // Deutschland-Start: 28. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Einen schönen kleinen Urlaub am See verbringen, mehr hatte Laura (Yvonne Strahovski) gar nicht vor, als sie sich mit ihren Töchtern Maddie (Abigail Pniowsky) und Kayla (Anna Pniowsky) auf den Weg zu dem abgelegenen Häuschen machte. Doch noch bevor sie dort ankommt, mehren sich die Zeichen, dass dort etwas Unheimliches vor sich geht. Zuerst sind da ominöse Warnungen, danach kommt es zu einem schrecklichen Zwischenfall, der ihnen klar macht, dass sie möglichst schnell das Weite suchen sollten. Aber dafür ist es bereits zu spät: Ein maskierter Mann (Ryan McDonald) treibt draußen sein Unwesen und hat es auf die Familie abgesehen, die weit ab von der Zivilisation auf sich allein gestellt ist …

Gefangen im Nirgendwo
Abgelegene Gegenden? Einsame Häuser? Wald und See? Das hört sich eigentlich meist ganz gut an, um ein bisschen runterzukommen, den Alltag zu vergessen und die Seele baumeln zu lassen. Außer man befindet sich gerade in einem Horrorfilm, denn dort wird mit Vorliebe ein Platz ausgesucht, der ganz weit weg von anderen Menschen ist – und damit von der Möglichkeit, irgendwie Hilfe zu erhalten. Das wissen dann auch die Gegner, welche die oft fremde, unübersichtliche Landschaft dazu nutzen, die nichtsahnenden Protagonisten und Protagonistinnen zu terrorisieren, das Leben mindestens schwer zu machen, sofern sie es nicht gleich ganz rauben.

Das funktioniert, hat sich bewährt. Sonst würden nicht Hunderte von Filmen auf ein solches Setting zurückgreifen. Allerdings kann ein solches Setting natürlich nur der Anfang sein, ein Wald alleine erzeugt schließlich noch keine Spannung. Viel wichtiger ist es, was ein Film daraus macht, um in dieser Flut ähnlicher Werke irgendwie bestehen zu können. Möglichkeiten der Abwandlung gibt es genug, sei es inszenatorisch oder inhaltlich, auf die Figuren bezogen oder die Form der Bedrohung. Im Fall von He’s Out There versuchte man offensichtlich, über den Antagonisten etwas zu erreichen. Der ist nicht nur sadistisch veranlagt, sondern trägt auch eine ulkige Maske.

Der Mörder, das (un-)bekannte Wesen
Das ist dann aber leider auch schon das Beste, was man über den Film sagen kann. Ein grundlegendes Problem von He’s Out There ist, dass man sich wohl nicht entscheiden konnte oder wollte, ob man aus dem Bösewicht eine konkrete Person machen oder doch lieber à la Halloween ein Symbol auf Menschenjagd schicken wollte, das unfassbare, universelle Böse, nur eben in Menschengestalt. Also lässt man ihn praktisch überall auftauchen, was oftmals keinen Sinn ergibt, dichtet ihm später aber noch eine Motivation an, die genauso wenig überzeugt. Sicher muss ein Horrorfilm nicht immer plausibel sein, das erwartet keiner. Zumindest etwas Mühe könnte man sich aber schon geben.

Allerdings tat man das bei den designierten Opfern ebenso wenig. Wie so oft in dem Genre hat man hier ein bisschen hübsche Wegwerfware zusammengekehrt, die sich immer im passenden – oder unpassenden – Moment richtig doof verhalten darf, damit der maskierte Mörder auch seine Chance erhält. Vielleicht könnte man auch das noch ignorieren, wenn es denn wenigstens irgendwie nervenaufreibende Szenen geben würde. He’s Out There bietet aber nur den üblichen Fastfood, der höchstens vereinzelt mal tatsächlich so etwas wie einen Eigengeschmack hat – darunter eine unappetitliche Situation zu Beginn. Das ist in der Summe vielleicht keine Katastrophe, dafür sorgt dann eben doch das Setting. Dafür allein muss man sich den Film aber kaum anschauen, dessen größte Bedrohung noch die ist, dass man vor dem Fernseher einschläft.

Credits

OT: „He’s Out There“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Quinn Lasher
Drehbuch: Mike Scannell
Musik: Nathan Whitehead
Kamera: Ed Wild
Besetzung: Yvonne Strahovski, Abigail Pniowsky, Anna Pniowsky, Justin Breuning, Ryan McDonald

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Trailer

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He’s Out There
„He’s Out There“ ist ein wenig bemerkenswerter Horrorfilm über eine Frau und ihre beiden Kinder, die in einem abgelegenen Haus von einem maskierten Mörder gejagt werden. Das bewährte Setting und vereinzelt gemeine Einfälle sind dabei nicht genug, um gegen die Langeweile anzukommen, die in dem unentschlossenen Wegwerfstreifen tödlicher ist als der Antagonist.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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