Kritik

Ghosts of War

„Ghosts of Wars“ // Deutschland-Start: 23. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hörte sich der Auftrag gar nicht so schlecht an: Chris Goodson (Brenton Thwaites) und vier weitere US-amerikanische Soldaten (Theo Rossi, Skylar Astin, Kyle Gallner, Alan Ritchson) sollen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs ein altes französisches Schloss sichern, das bis vor Kurzem noch von Nazis besetzt war. Für die von den Entbehrungen des Krieges ausgelaugten Männer ist das eine willkommene Abwechslung von dem täglichen Horror des Kriegs, zudem deutlich komfortabler. So dachten sie zumindest. Doch bald machen sie die Bekanntschaft einer ganz anderen Form von Horror, als sie feststellen, dass etwas in diesem Schloss nicht mit rechten Dingen zugeht …

Das Horrorgenre ist inzwischen prinzipiell in allen möglichen und unmöglichen Genrekombinationen zu finden. Ob Action oder Komödie, Drama oder Science-Fiction, man hat praktisch alles schon gesehen. Eigenartigerweise ist die Verbindung von Horror und Krieg dafür eine relativ seltene, obwohl beide mit Schrecken arbeiten. Allenfalls Zombies dürfen hin und wieder mal ran, sei es in Operation: Overlord oder zahlreichen B- und C-Movies, wenn Nazis komisch überhöht zu einer wiederkehrenden Gefahr werden. Spannend ist das in den seltensten Fällen. Meist sind die Macher dahinter allein auf Splatter-Trash aus.

Haunted House trifft Weltkriegsalltag
Insofern durfte man schon recht neugierig sein, was Ghosts of Wars da mit seiner Prämisse anstellt. Haunted House Horror im Zweiten Weltkrieg? Das ist auf jeden Fall mal was anderes. Allerdings dauert es recht lange, bis der Film mal dort ankommt. Regisseur und Drehbuchautor Eric Bress – einer der beiden Kreativköpfe hinter Butterfly Effect – nimmt sich viel Zeit dafür, erst einmal den Kriegsalltag der fünf Männer zu zeigen. Das wird für ein Publikum, das in erster Linie wegen des Gruselaspekts reinschauen möchte, eventuell ein bisschen spät sein. Interessant ist dabei jedoch zumindest, dass der Film aus den fünf keine strahlenden Helden macht, wie man es bei solchen Werken oft sieht. Tatsächlich ist es erschreckend, welche grausamen Seiten diese Erfahrungen in ihren hervorholen.

Fängt der Hauptteil einmal an, ist das mit dem Schrecken aber so eine Sache. Dass Bress viele Horrorfilme gesehen hat, das glaubt man ihm gern, ist er doch offensichtlich fest entschlossen, bei all denen irgendwo abzukupfern. Da gibt es plötzlich auftauchende Gesichter, mysteriöse Fußspuren, trügerische Konturen, die wieder verschwinden. Das ist alles nichts Besonderes, nichts, was man nicht schon oft, zu oft, irgendwo anders gesehen hat. Vor allem die Jump Scares sind inzwischen so abgenutzt, dass man sich dabei insgeheim fragt, ob da draußen überhaupt noch Leute sind, auf die das einen Effekt hat. Für ein einigermaßen genreaffines Publikum ist das auf jeden Fall zu wenig.

Da stimmt was nicht …
Interessanter ist da schon, dass man – über die Anwesenheit von Geistern hinaus – immer wieder das Gefühl hat, dass da irgendwas nicht stimmt, ein entscheidendes Puzzleteil fehlt. Bress streut da durchaus geschickt Irritationen ein, wobei man sich im Einzelfall darüber streiten kann, was davon tatsächlich als solche gedacht war und was nur das Ergebnis eines genügsamen Drehbuchs. Ganz besonders werden sich die (irdischen) Geister aber an dem Ende scheiden, wenn Ghosts of Wars die Katze aus dem Sack lässt. Eine sehr kuriose Katze, die einen verblüfft zurücklässt.

Man sollte sich davon nicht erwarten, alle Antworten zu erhalten. Ein paar Sachen ergeben im Rückblick dann Sinn, andere weniger. Ghosts of Wars ist einer dieser Filme, die sehr viel cleverer sein wollen, als sie es letztendlich sind. Die auch nicht so tiefgründig sind, wie vermutlich beabsichtigt war. Das macht es etwas schwierig, den Horrorfilm weiterzuempfehlen, der sich als einziges Kuddelmuddel herausstellt, mal sehr konventionell ist, dann wieder grotesk, bei dem vieles irgendwie nicht so recht zusammenpasst. Gleichzeitig macht das die britische Produktion interessant. Auch wenn sich Bress an dem Versuch, die unterschiedlichsten Aspekte und Themen zusammenzubringen, am Ende überhebt und nicht dem entspricht, was man sich vom Szenario erhoffen durfte, so bleibt der seltsame Mix doch stärker in Erinnerung als die meisten Genrevertreter, denen man sonst so begegnet.

Credits

OT: „Ghosts of Wars“
Land: UK
Jahr: 2020
Regie: Eric Bress
Drehbuch: Eric Bress
Musik: Michael Suby
Kamera: Lorenzo Senatore
Besetzung: Brenton Thwaites, Theo Rossi, Skylar Astin, Kyle Gallner, Alan Ritchson

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Ghosts of War
„Ghosts of Wars“ beginnt als Einblick in den Krieg, wandelt sich dann in einen konventionellen Haunted House Horror, bevor es zu etwas ganz anderem wird. Richtig rund ist die Mischung nicht, der Film schwankt zwischen einfallslos und grotesk. Gleichzeitig macht ihn das auch wieder irgendwie interessant – zumal man sich über das Ende nach Herzenslust streiten darf.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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