Kritik

Das Geheimnis des gelben Grabes

„Das Geheimnis des gelben Grabes“ // Deutschland-Start: 31. Dezember 1972 (Kino) // 30. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

Der Archäologe Jason Porter (Alex Cord) stößt bei seinen Ausgrabungen zusammen mit seinem Team auf einen Jahrhundertfund, denn auf dem Grundstück des Dirigenten Nikos Samarakis (John Marley) sind nicht nur Ruinen aus der Zeit der Etrusker, sondern zudem eine gut erhaltene Grabkammer verborgen. Auf den Wänden befinden sich Zeichnungen eines Totengottes, wie er Menschen grausam ermordet und verstümmelt, eine Darstellung, die Porter und sein Team gleichzeitig fasziniert, wie auch abstößt. Jedoch findet das Bildnis bald schon Eingang in ihre Wirklichkeit, denn ein junges Paar wird wenig später grausam ermordet in den Ruinen vorgefunden und die einzige Spur der Polizei sind die roten Ballettschuhe, die der Täter einem seiner Opfer angezogen hat. Aufgrund der Schuhe verdächtigt die Polizei jemanden aus dem Theater, welches gerade einen Auftritt mit Samarakis übt und in dem eine ganze Reihe dieser Schuhe gebraucht werden. Auch Porter gerät unter Verdacht wegen seiner gewalttätigen Vergangenheit mit Myra Shelton (Samantha Eggar), seiner Ex-Frau, die nun mit dem Dirigenten verheiratet ist. Immer mehr gerät der Wissenschaftler in ein Netz aus Intrigen und Erpressung, bei dem er sich am Ende gar nicht mehr so sicher ist, dass er selbst unschuldig an den Morden ist.

Gespaltenes Selbst
Immer im Schatten seines Vaters Edgar Wallace stehend fanden die Werke Bryan Edgar Wallace dennoch vor allem im italienischen Thrillerkino Anklang und lieferten die Grundlage für Filme wie Das Geheimnis der schwarzen Handschuhee oder Die neunschwänzige Katze. Auch der von Armando Crispino inszenierte Das Geheimnis des gelben Grabes basiert auf einem Werk des Autors, nimmt sich aber, wie schon Dario Argento zuvor, einige Freiheiten bei der Adaption. Entstanden ist dabei ein Streifen, der sich dem italienischen Kino der Zeit verschreibt und sich in einer Mischung aus Drama, Horror und Thriller bisweilen etwas verliert.

Essenziell für die Handlung ist eben jenes Bild des etruskischen Gottes und die Wirkung, die von ihm ausgeht. Die etwas undeutliche, dämonische Fratze wird dominiert von den Betrachter durchdringenden Augen, ein unheimliches Bild, wie Porter und sein Team bereits bei der ersten Sichtung der Fotos aus der unheilvollen Grabkammer bemerken. Wenig später scheinen die Morde zu bestätigen, was alle bereits ahnen, aber noch nicht auszusprechen wagen, nämlich, dass jener Dämon zurück in die Gegenwart bekommen hat oder vielmehr Besitz von jemandem genommen hat, der nun in seinem Namen weitere Bluttaten vollbringt.

Crispinos Inszenierung und das Drehbuch, an welchem er mitschrieb, versuchen sich hier an dem im Thrillerkino sehr populären Ansatz des gespaltenen Selbst. Lange hält der Film aufrecht, ob es sich hier tatsächlich um eine Auferstehung des Dämons handelt oder ob sich der Mörder von den Bildern inspiriert gefühlt hat. Wie dem auch sei, verweisen die durchdringen Augen auf die Existenz des Bösen in einem selbst, weshalb der dem Alkoholismus verfallene Porter sich gar selbst verdächtigt, erhält er doch immer mehr Indizien dafür, dass er nicht immer Herr seiner Handlungen war in der Vergangenheit. Als ihn Myra mit einer Wunde konfrontiert, die er ihr einst zufügte, zerstört dies die Bilder der glücklichen Beziehung, die in Porters Gedanken bis dahin noch existierten.

Dämon der Vergangenheit
Generell wirft die Vergangenheit einen unheilvollen Schatten auf die Gegenwart. Von Beruf her schon der Offenlegung dieser verpflichtet, zeigen sich bei einem Charakter wie Porter die fatalen Folgen dieser Arbeit immer mehr, bis er sich selbst fragt, ob nicht gar ein Dämon von ihm Besitz ergriffen hat. Unter der Oberfläche zeigt sich das ganze Ausmaß des Bösen, nicht nur bei Porter, auch bei dem herrischen Samarakis, der seine Untergebenen, zu denen er auch seine Frau zählt, mit einer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche an sich bindet.

Insgesamt erscheinen viele Aspekte von Das Geheimnis des gelben Grabes ganz reizvoll, doch leider mangelt es der Umsetzung an jenem dunklen erzählerischen Sog wie auch dem formalen Anspruch, den beispielsweise die Filme eines Dario Argento auszeichnet. Der schablonenhafte Schnitt, gepaart mit einer teils fragmentarischen Handlung, die lange Zeit nicht so recht weiß, wo sie hin will, bis es dann im Finale noch einmal spannend wird, macht den Streifen bisweilen sehr tranig und verliert sich in Nebenschauplätzen wie der Erpressung Porters durch einen seiner Angestellten.

Credits

OT: „L’etrusco uccide ancora“
Land: Italien, Deutschland, Jugoslawien
Jahr: 1972
Regie: Armando Crispino
Drehbuch: Armando Crispino, Lucio Battistrada
Vorlage: Bryan Edgar Wallace
Musik: Riz Ortolani
Kamera: Erico Menczer
Besetzung: Alex Cord, Samantha Eggar, John Marley, Nadja Tiller, Horst Frank

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Das Geheimnis des gelben Grabes
„Das Geheimnis des gelben Grabes“ ist ein durchwachsener Mix aus Thriller, Gruselfilm und Drama. Von einer guten Idee mit vielen reizvollen Aspekten entwickelt sich Armando Crispinos Film gerade im Mittelteil zu einem zähen Einerlei, welches erzählerisch und formal zwar immer noch solide ist, aber wahrscheinlich mehr aus seiner Vorlage hätte machen können.
5von 10

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