Kritik

Beasts Clawing at Straws

„Beasts Clawing at Straws“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Als Joong-man (Seong-woo Bae) in dem Spint der Sauna eine Tasche findet, die jemand dort vergessen haben muss, staunt er nicht schlecht, ist sie doch vollgestopft mit Geldbündeln. Aber es ist ein Geschenk des Himmels, schließlich ist das Geld bei ihm knapp, zumal er sich um seine demente Mutter kümmern muss. Und so beschließt er, das Fundstück nicht zur Polizei zu bringen, sondern lieber einzustecken. Andere haben dafür nicht ganz so viel Glück. So ist der Zollbeamte Tae-young (Woo-sung Jung) bei den falschen Leuten verschuldet. Die Prostituierte Mi-ran (Hyun-been Shin), die in der Bar von Madame Yeon-hee (Do-yeon Jeon) arbeitet, leidet dafür unter ihrem gewalttätigen Mann und bräuchte dringend Geld, um ihn aus dem Weg zu räumen …

Acht Protagonisten und Protagonistinnen, sechs Kapitel und jede Menge offene Fragen: Man kann Yong-hoon Kim sicher nicht vorwerfen, mit geringen Ambitionen oder falscher Bescheidenheit an den Start zu gehen. Immer wenn man bei dem Debüt des Regisseurs und Drehbuchautoren meint, endlich zu wissen, was Sache ist, wird man eines Besseren belehrt. Sein Film Beasts Clawing at Straws hat nicht nur Spaß dabei, seine Figuren durch die Hölle zu schicken und dabei das eine oder andere Verbrechen zu verüben. Er gefällt sich zudem dabei, das Publikum beständig an der Nase herumzuführen, Hypothesen aufstellen zu lassen, die dann blutig über den Haufen gefahren werden. Manchmal werden sie auch in Stücke zerhackt, je nachdem.

Zwischen Gier und Gewalt
Nein, man sollte kein Problem mit Gewalt haben, wenn man sich Beasts Clawing at Straws anschauen möchte. Zwar kommen hier keine echten Klauen zum Einsatz, doch die acht Figuren des Films zeigen sich – die einen mehr, die anderen weniger – bereit, für die Erfüllung ihrer Ziele über Leichen zu gehen. Dabei geht es praktisch immer um Geld. Die Motivation, was mit diesem Geld anzufangen ist, die schwankt jedoch sehr stark. Mal geht es um das Bezahlen von Schulden, in anderen Fällen ist es die Möglichkeit, einem Leben zu entfliehen. Pure Gier ist natürlich auch dabei. Und auch die Personen selbst sind sehr unterschiedlich angelegt, haben die verschiedensten Hintergründe.

Diesen bunten Haufen aufeinander loszulassen, führt zwangsläufig zu viel Chaos. Gerade zu Beginn ist dann aucg die Verwirrung groß, wenn Beasts Clawing at Straws im Minutentakt neue Figuren hinzufügt, bei denen nicht klar ist, ob sie in irgendeiner Beziehung zueinander stehen, und wenn ja in welcher. Hinzu kommt: Die Adaption eines Romans von Keisuke Sone ist weniger gradlinig, als man zunächst annehmen würde. Einiges, was man zunächst für gegeben hält, stellt sich bald als etwas anderes heraus. Yong-hoon Kim spielt da schon ganz geschickt mit den Erwartungen des Publikums, das erst nach und nach erkennt, was genau da eigentlich gespielt wird. Das mag jetzt nicht den Mindfuck-Faktor eines Die üblichen Verdächtigen haben, ein paar schöne Twists gibt es trotzdem.

Ein unterhaltsames Puzzlespiel
Ein Teil des Spaßes bei dem Film liegt dann auch in der Spekulation, wie diese einzelnen Handlungsstränge wohl zueinanderfinden werden, wer denn da eigentlich mit wem warum in einer Beziehung steht. Man kann sich aber auch einfach zurücklehnen und die Schlachtplatte genießen. Gerade weil hier praktisch jeder gegen jeden kämpft, ohne sich dessen immer bewusst zu sein, kommt es immer häufiger zu Konfrontationen, die zudem von steigender Intensität sind. Begleitet wird das von einem schön schwarzen Humor, der sich geradezu in den Abgründen der Beteiligten suhlt und in den unpassendsten Momenten eine Duell-Situation heraufbeschwört. Selbst die grausamsten Momente haben eine humorvolle Note, vor allem wenn mal wieder ein Plan nicht so aufgeht wie gedacht.

Das funktioniert auch deshalb so gut, weil der Film, der beim International Film Festival Rotterdam 2020 Weltpremiere hatte, mit einem spielfreudigen Ensemble gesegnet ist. Vor allem Do-yeon Jeon in der Rolle der verführerisch-verschlagenen, dabei absolut skrupellosen Madame sorgt für gute Unterhaltung. Aber auch beim Rest gibt es jede Menge Glanzpunkte, selbst wenn manche Figuren etwas zu sehr am Rand stehen. Das Ergebnis ist ein echter Crowdpleaser, der aufgrund des hohen Bodycounts eigentlich für diverse Genre-Festivals prädestiniert wäre, sofern man damit leben kann, dass es eine ganze Weile dauert, bis es mal richtig zur Sache geht.

Credits

OT: „Jipuragirado Jabgo Sipeun Jibseungdeul“
Land: Südkorea
Jahr: 2020
Regie: Yong-hoon Kim
Drehbuch: Yong-hoon Kim
Vorlage: Keisuke Sone
Musik: Nene Kang
Kamera: Tae-sung Kim
Besetzung: Do-yeon Jeon, Woo-sung Jung, Yuh-jung Youn, Seong-woo Bae, Hyun-bin Shin, Man-sik Jung, Kyung Jin, Ga-ram Jung

Bilder

Trailer

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Beasts Clawing at Straws
„Beasts Clawing at Straws“ ist ein unterhaltsamer Krimithriller um acht Personen, die jeweils versuchen, an eine Tasche voller Geld zu kommen. Es dauert eine Weile, bis die zahlreichen Handlungsstränge zusammenfinden und man die Zusammenhänge erkennt. Doch schon vorher ist der Film spaßig, wenn Brutalität und Komik durch ein spielfreudiges Publikum zusammengehalten wird.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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