Kritik

Adrenochrome

„Adrenochrome“ // Deutschland-Start: 28. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Gerade aus der Krieg in die Heimat zurückgekehrt, will sich West (Trevor Simms) eigentlich nur ein paar schöne Tage machen in Venice Beach, doch dann kommt alles anders als gedacht. Nachdem ihn eine schöne Blondine angesprochen hat, folgt er ihr in ein kleines Café, wo er wenig später einen schlimmen Drogenrausch erlebt, in dessen Verlauf er schreckliche Visionen hat von einer Bande dunkle maskierter Menschen, die einen Mann am Strand ermorden. Als er die Polizei verständigt, glaubt diese ihm kein Wort und verhaftet ihn stattdessen, sodass er am nächsten Morgen nicht nur auf einer Polizeistation aufwacht, sondern zudem noch ohne einen Cent in der Tasche. Am Strand zurück, will West eigentlich nur nach Hause, doch er trifft abermals auf die Frau vom vorherigen Abend, die ihn mit Charlie (Adam Huss), einem Drogendealer und Surfer, bekannt macht, der anbietet, West mit etwas Geld auszuhelfen, sofern dieser für ihn ein paar Lieferungen übernimmt. Zur gleichen Zeit lernt West Bonnie (Jordan Monaghan) kennen, die ihm noch mehr von den Drogengeschäften Charlies erzählt, sowie von einer Gang, die im Namen des Dealers Leute überfällt, umbringt und deren Nebennieren entfernt, um an das freigesetzte Adrenalin zu kommen, welches einen ganz besonderen Rausch verschafft. Nun, da er weiß, mit welcher Art von Mensch er es zu tun hat, will West nichts wie weg aus Venice Beach, doch nicht ohne vorher Charlie um eine gehörige Portion Geld erleichtert zu haben.

Im Rausch Amerikas
Adrenochrome oder Mirsirlou ist der erste Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Trevor Simms, die bereits auf dem Dracula Fest in Rumänien und vielen anderen internationalen Genre-Filmfestivals lief. Inspiriert wurde Simms von Terry Gilliams Fear and Loathing in Las Vegas sowie der gleichnamigen Pseudo-Reportage von Hunter S. Thompson, in deren Folge die beiden Protagonisten eine Substanz namens Adrenochrome zu sich nehmen, welche aus den Nebennieren eines Menschen gewonnen wird und dem Konsumenten einen unvergleichlichen Rausch gibt. Ähnlich wie die Werke, auf die sein Film anspielt, ist auch Adrenochrome eine Mischung aus verschiedenen Genreelementen, auf erzählerischer wie ästhetischer Ebene, und zeigt eine Version der USA in einem kontinuierlichen Rausch, einem albtraumhaften Trip aus Gewalt und Sex.

Schon im Werk Thompsons sowie dessen Verfilmung vermischen sich verschiedene Realitätsebenen, ausgelöst durch die diversen Substanzen und den Alkohol, welche sich die Hauptfiguren einverleiben. Die Expedition zum „Herzen des American Dream“, wie es der Protagonist an einer Stelle beschreibt, wird zu einem Trip in die moralische Verkommenheit der USA gegen Ende der 60er Jahre, nach dem die Utopie der Flower Power-Generation gescheitert ist. Ähnlich verhält es sich mit dem vom Regisseur gespielten Hauptcharakter in Adrenochrome, der zwar kein Reporter ist, aber genauso auf der Suche ist nach seinem Anteil an dem Amerikanischen Traum nach einem langen und traumatischen Einsatz in einem Kriegsgebiet. Venice Beach, dessen verrückte Charakter schon nüchtern wie Teile eines Drogentrips anmuten, wird zur Erfüllung dieses Traumes, der ihn gleichzeitig in ein neues Kriegsgebiet führt, weshalb West immer wieder unter Visionen leidet, die ihn zu einem besonders schlimmen Einsatz zurückbringen.

Ein wirklich schlechter Trip
Venice Beach, einer jener Orte, an dem die Reichen und Schönen verkehren, ist Bestandteil eines schlechten Trips, eines schlimmen Albtraums geworden, bei dem sich die Realität mit schrecklichen Visionen von Morden, Blut und Gewalt vermischt. Dieses Gefühl der tiefen Verstörung erhöht Simms Film durch die Wahl der Kameraperspektive, insbesondere die häufige Verwendung von Nahaufnahmen, sowie eine ganze Reihe von visuellen Effekten, die das Bild verfremden, Farben besonders hervorstechen lassen oder Geräusche und Musik verzerren. Die Orientierungslosigkeit und der Schock der Figur, besonders während seines ersten Trips auf Meskalin, überträgt sich so auf den Zuschauer in einer langen, verstörenden Sequenz, die in den Fluten des Pazifik endet.

Nach diesen ersten Minuten wird Adrenochrome dann zu einer ziemlich vorhersehbaren Räuberpistole, die nach wie vor mit jenen bereits erwähnten Effekten arbeitet, welche nach einer Zeit nicht mehr länger verstören, sondern einfach nur noch verwirren und nerven. Der Effekt der Übersättigung setzt schnell ein und offenbart die erzählerische Schlampigkeit des Plots, der seine Charaktere als Freaks sieht, nicht aber als Figuren und sich in diversen visuellen Spielereien verliert, die eine Tiefe vorgaukeln, die Adrenochrome zu keiner Zeit erreicht.

Credits

OT: „Adrenochrome“
Land: USA
Jahr: 2017
Regie: Trevor Simms
Drehbuch: Trevor Simms
Musik: Jesse Voccia
Kamera: Trevor Simms
Besetzung: Trevor Simms, Larry Bishop, Tom Sizemore, Adam Huss, Jacqui Holland, Jordan Monaghan, Lewis Smith

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Adrenochrome
„Adrenochrome“ ist eine Mischung aus Drogen- und Horrorfilm. Wirken vor allem die visuellen Elemente anfangs noch interessant sowie einige der Themen, verkommt Trevor Simms Film zu einer berechenbaren Geschichte um Geld, Loyalität und Drogen, deren Effekte einen minimalistischen und zudem schlampig erzählten Plot überdecken sollen, doch nach einiger Zeit nur noch nerven.
4von 10

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