Kritik

Wet Woman in the Wind

„Wet Woman in the Wind“ // Deutschland-Start: 16. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

Auch der Erfolg hat seine Kehrseiten, besonders, wenn man sich einfach nur auf seine Arbeit konzentrieren will, einen die Frauen aber einfach nicht in Ruhe lassen wollen. So zumindest sieht es der bekannte Bühnenautor Kosuke Takasuke (Tasuku Nagaoka), der sich deswegen seit geraumer Zeit in einer kleinen, selbstgebauten Hütte in einem kleinen Wald in der Nähe der japanischen Lüste aufhält. Seine Ruhe wird jedoch eines Tages empfindlich gestört mit dem Eintreffen von Shiori (Yuki Mamiya), der neuen Kellnerin des Dorfcafés, die es sich in den Kopf gesetzt hat, den abweisenden Autor zu verführen. Als Shiori mit ihren Annäherungsversuchen direkter wird und sich Kosuke förmlich an den Hals wirft, wird dieser gar handgreiflich und verscheucht die junge Frau, welche diese Niederlage aber keinesfalls gewillt ist hinzunehmen. Von Yuzawa (Takahiro Kato), einem Mechaniker, der Kosuke hin und wieder mit Lebensmitteln versorgt, erfährt der Autor, dass Shiori bereits andere Männer im Dorf verführt hat und dem Besitzer des Cafés bereits so weit hat, dass dieser bereits ist, seien Ehe für sie aufzugeben. Unbeeindruckt versucht Kosuke seine Ruhe wiederzufinden, doch Shiori lässt dies nicht zu, bringt Männer sogar in die Hütte des Autors, wo sie mit diesen Sex hat. Als dann auch noch Kosuke Ex-Frau aus der Stadt ihn ausfindig macht und ihm gesteht, sie empfinde immer noch etwas für ihn, ist es mit der Ruhe endgültig vorbei.

Die Frauen aufgeben
Zur Feier ihres 45-jährigen Bestehens wurde mit dem Roman Porno Reboot Projekt seitens der japanischen Produktionsfirma Nikkatsu eine Filmreihe wiederbelebt, welche in den 1970er Jahren dem Studio das wirtschaftliche Überleben sicherte. Hierbei wurde den Regisseuren ein hohes Maß künstlerischer Freiheit gewährt, sofern sie in ihrem Film eine gewisse Quote an Sexszenen einbauten, was zu einer ganzen Reihe sehr anspruchsvoller und interessanter Projekte geführt hat wie beispielsweise Sion Sonos Antiporno. Der vor allem in seiner japanischen Heimat bekannte Akihiko Shiota konnte bereits auf dem Locarno Film Festival 2016 mit seinem Beitrag für das Roman Porno Reboot Project Wet Woman in the Wind Publikum und Kritik überzeugen.

Zwar geizt auch Wet Woman in the Wind nicht in puncto Sexszenen, doch passt die Kategorie des Pornos nur bedingt zu der Geschichte, die Shiota in seinem Film erzählt. Sein Protagonist hat es sich vielmehr zur Aufgabe gemacht, enthaltsam und nur noch für die Kunst zu leben, was er jedem mitteilt, der sich in sein neues Leben wagt einzumischen, besonders Shiori, die mittels ihrer Verführungskünste, alles tut, um dieses ohnehin schon wacklige Konstrukt zum Einsturz zu bringen. Das selbst gewählte Einsiedlerleben des Autors wird bereits nach wenigen Minuten als eine Künstlerpose enttarnt, die dieser aus reinem Eigennutz aufrechterhält, denn im künstlerischen Sinne arbeiten tut er nicht. Vielmehr ist er ein Beobachter der Menschen um ihn herum geworden, der es sich in dieser Position sehr bequem gemacht hat und seien Verbindungen sowie die Beziehungen zu anderen Menschen völlig negiert.

Zwischen Heulen und Stöhnen
In diesem Lebensentwurf, der ähnlich einsturzgefährdet ist wie die Hütte, die sich Kosuke gebaut hat, tritt Shiori ein, mit dem bewussten Ziel, die marode Bauweise und Lächerlichkeit dieses Konzepts zu beweisen. Mit großer Spielfreude und viel Körpereinsatz (das kann man verstehen, wie man will) beginnt sie ein Spiel mit dem Literaten, bei dem Verführung das Ziel ist, aber zudem die Aufgabe der Pose und in gewisser Weise auch eine Form der Erniedrigung wichtige Etappen sind. Gerade die Dialoge der beiden stecken voller Anspielungen und so mancher Ironiespitze auf Kosten Kosukes, der nicht bereit ist, den Egoismus seiner Pose anzuerkennen.

Unterlegt ist dieses Gefecht der Geschlechter mit der Musik Shunsuke Kidas, die durch ihre Jazz-ähnliche Struktur den passenden Klangteppich zu dieser Geschichte zwischen Ironie, Verführung und Romanze bildet.

Credits

OT: „Kaze ni nureta onna“
Land: Japan
Jahr: 2016
Regie: Akihiko Shiota
Drehbuch: Akihiko Shiota
Musik: Shunsuke Kida
Kamera: Hidetoshi Shinomiya
Besetzung: Taskuku Nagaoka, Yuki Mamiya, Yumi Akagi, Masatoshi Ikemura, Ryushin Tei, Takahiro Kato

Bilder

Trailer

Filmfeste

Locarno Film Festival 2016
Nippon Connection 2017

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Wet Woman in the Wind
„Wet Woman in the Wind“ ist eine betörende Geschichte über Verführung. Dank der spielfreudigen Darsteller, cleverer Dialoge sowie einer passenden Musikuntermalung ist Akihiko Shiota ein durchaus gelungener Eintrag in das Roman Porno Reboot Project geglückt.
7von 10

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