Kritik

The Great Green Wall

„The Great Green Wall“ // Deutschland-Start: 22. Oktober 2020 (Kino) // 26. März 2021 (DVD)

Die Sahelzone, ein Gebiet südlich der Sahara, welches sich vom Senegal im Westen Afrikas bis nach Djibouti im Osten erstreckt, ist von der Austrocknung bedroht. Der Klimawandel zwingt die von Landwirtschaft geprägte Region im Norden Afrikas zum Umdenken. Eine Idee ist die „Great Green Wall“, eine 7.000 Kilometer lange Linie der Aufforstung entlang der Sahelzone. Die malische Aktivistin und Musikerin Inna Modja ist von dem Projekt überzeugt und schreibt an einem Album über die Great Green Wall. Auf ihrer Reise von Dakar bis ans Rote Meer trifft sie auf die unterschiedlichsten Menschen und lernt über ihren persönlichen Bezug zum ambitionierten Klimaschutzprojekt.

Wer nun einen wissenschaftlichen Film über den Klimawandel und Aufforstung in der Sahelzone erwartet, wird von The Great Green Wall enttäuscht. Die Dokumentation beschäftigt sich nur oberflächlich mit der Desertifikation und hält sich nicht lange mit geologischen Details auf. Das Mosaik der Aufforstung, als dass die Great Green Wall im Film immer wieder bezeichnet wird, ist nur der Aufhänger für ein Mosaik individueller Geschichten der Menschen in der Sahel-Region. Sie berichten über Arbeitslosigkeit, Fluchterfahrungen, Krieg, das Patriarchat und den Terror der islamistischen Gruppierung Boko Haram.

Eine Vielzahl wichtiger Themen
Während die Dürre eine Mitschuld an den Problemen der Menschen in der Region trägt, wird schnell deutlich, dass andere Faktoren für die Bevölkerung eine weit größere Rolle spielen. Das Klimaschutzprojekt fungiert hierbei auf Inna Modjas Reise immer wieder als gemeinsamer Lösungsansatz. Zum einen sind die Berichte der Menschen ein beeindruckender Teil eines panafrikanischen Projekts, die einen seltenen Einblick in das Leben der Menschen in der Sahel-Zone geben. Zum anderen sorgt die Vielzahl an Geschichten dafür, dass die Dokumentation oftmals ihren Fokus verliert. In kürzester Zeit werden sensible und emotionale Themen wie Flucht- und Terrorerfahrungen, weibliche Genitalverstümmelung oder Hunger und Arbeitslosigkeit diskutiert. 

Dabei verpasst es The Great Green Wall, eine Auswahl vorzunehmen. Letztendlich wird somit keinem Thema die Zeit eingeräumt, die es verdient hätte. Auch die journalistische Präzision kommt in der Dokumentation teilweise zu kurz. Immer wieder bezieht sich die Protagonistin positiv auf den ehemaligen burkinabischen Präsidenten und Panafrikanisten Thomas Sankara. Die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, sowie die Inhaftierung und Hinrichtung unliebsamer politischer Gegner in seiner kurzen Amtszeit werden im Film jedoch nicht thematisiert. 

Gleichzeitig brilliert The Great Green Wall, das 2019 in Venedig Premiere hatte, mit seiner Bildsprache. Auch die verschiedenen beeindruckenden Landschaftsaufnahmen fügen sich wie ein Mosaikstück zusammen. Aufnahmen von Oasen inmitten der Wüste unterstreichen die Wichtigkeit des Aufforstungsprojekts. Ein weiteres überzeugendes Mosaikstück der Dokumentation ist die Musik. Indem die Protagonistin Inna Modja auf ihrer Reise mit Künstlerinnen und Künstlern  kooperiert und ihre Geschichten in ihrer Musik verarbeitet, entsteht ein starkes Plädoyer für Zusammenarbeit angesichts einer Vielzahl an komplexer Herausforderungen, vor denen die Sahel-Zone steht. 

Trotz einiger Ungenauigkeiten fungiert The Great Green Wall als ein Lautsprecher für ein afrikanisches  Narrativ vom Klimawandel und zeigt einen unabhängigen, afrikanischen Weg aus der Krise auf. 

Credits

OT:The Great Green Wall“
Land: UK
Jahr: 2019
Regie: Jared P. Scott
Drehbuch: Jared P. Scott
Musik: Inna Modja, Charlie Mole
Kamera: Tim Cragg

Bilder

Trailer

Filmfeste

Venedig 2019

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The Great Green Wall
„The Great Green Wall“ ist ein Plädoyer für panafrikanische Unabhängigkeit und Zusammenarbeit. Auch wenn es der Dokumentation stellenweise an Fokus und Präzision fehlt, ist ein mit wunderschönen Bildern untermaltes Portrait der Sahelzone inmitten der Klimakrise entstanden.
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