Kritik

Above Suspicion

„Above Suspicion“ // Deutschland-Start: 25. September 2020 (DVD/Blu-ray)

Für Susan Smith (Emilia Clarke) gibt es schon länger keine wirkliche Perspektive mehr. Mit ihren Kindern lebt sie in einer kleinen schäbigen Hütte, die Ehe zum Drogendealer Cash (Johnny Knoxville) ist gescheitert. Als sie den FBI-Agenten Mark Putnam (Jack Huston) trifft, könnte das endlich der ersehnte Ausweg sein, als Informantin für die Drogenszene findet sie endlich etwas Sinn und Aufregung in ihrem Leben. Aber sie findet noch mehr, denn mit der Zeit kommen die beiden sich näher, es dauert nicht lang bis aus der Zusammenarbeit eine heiße Affäre wird. Doch da gibt es ein Problem: Mark ist mit Kathy (Sophie Lowe) verheiratet und hat auch gar nicht vor, etwas daran zu ändern. Das wiederum ist Susan nicht genug, die sich zunehmend als Frau an seiner Seite sieht …

Es ist eines dieser Klischees, die man Mädchen gerne nachsagt: Sie träumen alle davon, eines Tages von einem gutaussehenden Prinzen auf seinem stattlichen Pferd gerettet werden, mit dem sie glücklich bis ans Ende aller Tage ist. Dieser Traum ist wohl auch in Susan sehr präsent, wenn sie in dem FBI-Agenten die Möglichkeit sieht, ihrer traurigen Existenz zu entfliehen. Die Sache hat nur ein paar Haken. Mark ist kein Prinz. Er lebt auch nicht in einem schönen Schloss, sondern in einer heruntergekommenen Kleinstadt, in der es zwar jede Menge Drogen, aber keine Zukunft gibt. Susan selbst ist ebenfalls kaum für ein Leben an Hofe geeignet, sondern eine den Drogen nicht abgeneigte, alleinerziehende Mutter, die für ihre Ziele auch über Leichen gehen würde.

Rein in den Morast
Nein, eine Sympathieträgerin ist sie nicht. Solche sind in Above Suspicion aber allgemein sehr rar gesät. Stattdessen versammelt der auf einer wahren Geschichte basierende Thriller so viele furchtbare Menschen, dass sich das Konzept von gut und böse erledigt hat. Während Filme über fatale Begegnungen normalerweise wenigstens eine Seite haben, der man die Daumen drücken möchte, findet man hier keinen echten Anlass dazu. Susan, die sich immer mehr in ihren Wahn hineinsteigert und Mark seiner Frau ausspannend will, ist dafür ebenso wenig geeignet wie das schamlos manipulierende Objekt der Begierde. Bringt man anfangs der Informantin zumindest noch Mitleid entgegen, hat das sich bald erledigt.

Bemerkenswert ist das vor allem durch die Besetzung: Eigentlich ist Emilia Clarke auf Rollen der Heldin gebucht, wie etwa Last Christmas oder Solo: A Star Wars Story. Sie mal als jemand zu sehen, die eigentlich mehr Antagonistin als Protagonistin zu sehen, das ist erfrischend. Die Schauspielerin schlägt sich prinzipiell da auch wacker. Es ist eher das Drehbuch, das zu einem zu großen Hindernis für sie wird. Vor allem die Dialoge sind grauenvoll, wollen sich ganz tragisch und tiefgründig geben, furchtbar ernst sein, sind aber in erster Linie unfreiwillig komisch. Im besten Fall. Im schlimmsten Fall darf man sich darüber ärgern, was manche Leute als tatsächliche zwischenmenschliche Kommunikation ansehen.

Die vorhersehbare Langeweile
Befremdlich in dem Zusammenhang ist auch die Entscheidung, so viel über Voice over erzählen lassen zu wollen, die zudem schon eine Menge von dem vorwegnimmt, was später noch geschehen wird. Da ist dann zwar von Hölle die Rede, vielleicht wollte man hierdurch eine fatalistische Stimmung erzeugen, wenn der hoffnungsvolle Ausweg immer mehr in den Abgrund führt. Es führt aber vor allem dazu, dass Above Suspicion sehr langweilig ist. Eigentlich weiß man schon am Anfang an, was es zu wissen braucht, man wartet nur rund 100 Minuten darauf, dass das Ereignis dann auch mal eintritt.

Dabei ist das Problem nicht einmal unbedingt, dass der Film seine Karten zu früh auf den Tisch legt. Schließlich ist nicht allein das „was“ einer Tat interessant, sondern auch das „warum“. Regisseur Phillip Noyce (Salt, Hüter der Erinnerung – The Giver) gelingt es aber nicht, diese Entwicklung wirklich plausibel aufzuzeigen. Der Blick auf das ländliche, abgehängte Amerika verzichtet auf jede Form von Authentizität, sondern versucht durch Farbfilter, aufdringliche Musik und besagte Voice overs auf eine derart plumpe Weise zu manipulieren, dass man dem Übel ein schnelles Ende wünscht, um es hinter sich zu bringen. Das ist so überzogen, ohne jegliches Gespür, dass Above Suspicion oft einer Karikatur von Noir-Schundwerken gleicht.

Credits

OT: „Above Suspicion“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Phillip Noyce
Drehbuch: Chris Gerolmo
Vorlage: Joe Sharkey
Musik: Dickon Hinchliffe
Kamera: Elliot Davis
Besetzung: Emilia Clarke, Jack Huston, Sophie Lowe, Johnny Knoxville

Bilder

Trailer

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Above Suspicion
In „Above Suspicion“ wird eine alleinerziehende Mutter Informantin des FBI, was für sie der Ausstieg aus einem erbärmlichen Leben sein soll, aber in einer verhängnisvollen Affäre mit dem Agenten endet. Die auf einer wahren Begebenheit basierende Geschichte ist eigentlich tragisch, ist aber auf verschiedene Weisen derart überzogen umgesetzt, dass der Thriller bestenfalls unfreiwillig komisch ist.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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