Last Christmas

„Last Christmas“ // Deutschland-Start: 14. November 2019 (Kino)

Was hatte Kate (Emilia Clarke) nicht mal für Träume gehabt, Sängerin wollte sie werden! Statt der großen Karriere wartet jedoch ein wenig beglückender Alltag auf sie. Sie hat keine Bleibe, hält sich mit ihrem Aushilfsjob in dem von Santa (Michelle Yeoh) geleiteten Weihnachtsladen nur mühselig über Wasser, das Verhältnis zu ihrer Familie ist auch nicht das Beste. Doch dann läuft sie zufällig Tom (Henry Golding) über den Weg. Der ist ein bisschen seltsam, aber irgendwie auch ganz nett, schafft es tatsächlich, dass sie wieder mit etwas mehr Zuversicht in die Zukunft blickt. Aber wird das Glück dieses Mal tatsächlich halten?

Schon die bloße Vorstellung dürfte bei so manchem Angstschweiß verursachte haben, alternativ Übelkeit. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass man jedes Weihnachten kaum Möglichkeiten hat, dem allgegenwärtigen Wham!-Gassenhauer Last Christmas zu entkommen, der einen bis in die dunkelste Gasse verfolgt. Der auch regelmäßig zu Weihnachten rauf und runter gespielt wird, mehr als 30 Jahre später regelmäßig zum Ende des Jahres wieder in Richtung Chartsspitze hüpft. Nein, sie müssen auch noch einen Film draus machen. So wie Mariah Careys All I Want For Christmas Is You, das 2017 schon „verfilmt“ wurde, um das letzte bisschen Geld und Nerven aus dem Publikum zu quetschen.

Große Namen im festlichen Gewand
Ganz so schlimm ist es hier dann aber doch nicht. Dafür ist das Ganze mit zu viel Aufwand verbunden, mit zu großen Namen auch. Regie führt immerhin Komödienspezialist Paul Feig (Nur ein kleiner Gefallen). Das Drehbuch schrieb Oscar-Preisträgerin Emma Thompson (Late Night – Die Show ihres Lebens) zusammen mit der Künstlerin Bryony Kimmings, übernahm zudem selbst ein Rolle. Und auch sonst trifft man in dem Ensemble das eine oder andere bekannte Gesicht. Bei der Musik wiederum gibt es eine Reihe von Lieder von Wham! bzw. George Michael, niemand muss hier also befürchten, die ganzen 100 Minuten mit ein und demselben Lied gequält zu werden. Wobei es natürlich schon von Vorteil ist, Fan der musikalischen Vorlage zu sein, da der Film doch immer Gelegenheiten findet, die bekannten Lieder einzubauen – wenn auch zuweilen mit Biegen und Brechen.

Auf den Inhalt hat die musikalische Untermalung so oder so keinen Einfluss. Kate selbst ist zwar eine talentierte Sängerin, weshalb sie immer wieder die Stimme erhebt, in der Hoffnung, dass ihr jemand zuhört. Doch die eigentliche Geschichte dreht sich darum, wie sie den mysteriösen Fremden kennenlernt und mit seiner Hilfe langsam versteht, wer sie ist und worauf es im Leben ankommt. Dafür eignen sich Weihnachtsfilme bekanntermaßen sehr gut, Chris Dickens’ Die Weihnachtsgeschichte lieferte die Vorlage für zahlreiche Werke, auch filmische, in denen verkorkste Leute sich läutern, vielleicht ein wenig Hoffnung schöpfen und das Glück finden.

Besinnlich und spaßig
Wenn Last Christmas das nun ebenfalls tut, klingt das ein wenig berechnend, gar langweilig. Ganz falsch ist der Vorwurf nicht. Aber eben auch nicht ganz richtig: Das Drehbuchduo begnügte sich nicht mit den erwartbaren romantischen Verwicklungen, sondern versucht diese Hauptgeschichte mit diversen sozialen Themen zu verbinden. So spielen beispielsweise Obdachlose eine größere Rolle bei Kates allmählicher Besinnung. Außerdem ist der Film eine Abrechnung mit Brexit und Fremdenfeindlichkeit. Hier sollen, ganz im Sinn der festlichen Wohltätigkeit, die Arme ganz weit geöffnet werden. Ob Mann oder Frau, hetero oder queer, in England geboren oder aus einem anderen Land kommend – willkommen ist jeder.

Das hat etwas Märchenhaftes, schämt sich dafür auch nicht, etwas moralisch zu werden. Zu ernst wird der Film dadurch jedoch glücklicherweise nicht. Im Gegenteil, Last Christmas ist im Umfeld der Weihnachtskomödien tatsächlich einer der witzigsten Vertreter der letzten Zeit. Das ist zu einem großen Teil ein Verdienst des spielfreudigen Ensembles, das völlig in den Rollen aufgeht, obwohl – oder weil – einige davon schon sehr nahe an einer Karikatur sind. Aber egal ob nun Michelle Yeoh als strenge Weihnachtsverrückte oder Thompson als Kates traditionsbewusste Mutter, es macht Spaß ihnen zuzusehen. Und das gilt auch für das eigentliche Paar, das mit so viel Charme und Persönlichkeit auftritt, dass man hier selbst als wenig weihnachtsbegeisterter Zuschauer auf seine Kosten kommen kann.

Last Christmas
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Last Christmas
Auch wenn „Last Christmas“ natürlich mit der musikalischen Vorlage Werbung macht, die Komödie um eine verkorkste Möchtegernsängerin macht auch ohne Spaß. Vor allem das spielfreudige Ensemble trägt dazu bei, dass trotz der zahlreichen Klischees die Unterhaltung stimmt, zudem gibt es sympathische Appelle für mehr Offenheit für Fremde und Schwächere.
6von 10

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