Kritik

30 Days Left 30 jours max

„30 Days Left“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Es läuft gerade nicht so wirklich im Leben von Rayane (Tarek Boudali). Erst vermasselt der junge Polizist einen Einsatz kräftig und ermöglicht es einem gesuchten Verbrecher, das Weite zu suchen. Und dann erfährt er auch noch von seinem Arzt, dass er todkrank ist, er noch maximal 30 Tage hat. Und so beschließt er, diese Zeit so gut es geht zu nutzen und es allen zu zeigen. Was hat er schon zu verlieren? Vor allem seine Kollegin Stéphanie (Vanessa Guide), auf die er schon länger ein Auge geworfen hat, würde er ganz gern beeindrucken. Ganz so einfach wie gedacht, ist sein neues Leben als Draufgänger aber nicht, denn ausgerechnet der selbstverliebte neue Kollege Tony (Philippe Lacheau) hat in der Zwischenzeit seinen Fall übernommen …

Ein Erfolgsteam auf Abwegen
In Deutschland ist das Trio Philippe Lacheau, Tarek Boudali und Julien Arruti eher weniger bekannt. Daheim in Frankreich feiert das Comedy-Team mit dem putzigen Namen La Bande à Fifi seit einigen Jahren aber schon große Erfolge. Dabei stand in den ersten Jahren Lacheau im Vordergrund, der mit seinen Regie-Arbeiten Ab in den Dschungel und Alibi.com jeweils mehr als drei Millionen Besucher in die französischen Kinos lockte. Irgendwann war Boudali, der bislang nur als Darsteller in Erscheinung getreten war, aber nicht länger mit seiner kleinen Rolle zufrieden. Sein Einstand Heirate mich, Alter war 2017 tatsächlich ebenfalls ein großer Hit, auch wenn man über die Qualität der Komödie geteilter Meinung sein kann.

Gleiches gilt nun leider auch für seine zweite Regiearbeit 30 Days Left. Erneut übernimmt der Franzose mit marokkanischen Wurzeln die Hauptrolle und zeigt eine große Vorliebe für das Herumblödeln. Dieses Mal wechselt er aber die Seiten und versucht mal nicht, die Leute zu betrügen, sondern im Gegenteil als Polizist für Recht und Ordnung zu sorgen. Nur dass seine Figur so gar kein Talent dafür hat. Was sie auch tut, irgendwie geht alles schief. Da dürften manche an die früheren Polizeikomödien von einst denken, etwa die Hitreihen Police Academy und Die nackte Kanone aus den 80ern. Die besten Pointen sind auch die, wenn Rayane versucht, sich ganz clever anzustellen, und damit total ins Klo greift.

Suche nach den Gags
Ein anderer ebenfalls durchaus netter Running Gag betrifft seine Exfreundin, die genug von dem wenig durchsetzungskräftigen Rayane hatte, seit der Trennung aber dessen Zimmer belegt. Ein Zimmer, das in der Wohnung seiner Großmutter (Marie-Anne Chaze) ist, bei der er lebt. Eines muss man Boudali also lassen: Er hat so gar keine Hemmungen, sich selbst als absoluten Verlierer darzustellen. Das gilt auch für Lacheau, der dieses Mal einen eingebildeten, aber ebenfalls unfähigen Kollegen spielt. Leider gehören dessen Auftritte jedoch zu den Tiefpunkten des Films. Nur selten fiel dem Drehbuchteam tatsächlich mal etwas Lustiges ein, die meiste Zeit über werden ein paar wenige, von Anfang an mäßige Witze wieder und wieder aufgewärmt.

Das ist durchaus schade, da das eingespielte Team zuvor immer wieder bewiesen hat, dass es über komödiantisches Talent verfügt und die Chemie zwischen ihnen stimmt. Und es gibt sie ja, die Momente, in denen der Film zeigt, welches Potenzial er gehabt hätte. Momente, in denen man tatsächlich lachen darf. Doch das Drehbuch kitzelt zu wenig aus dem Ganzen heraus, ist beispielsweise bei dem Romanze-Teil sehr einfallslos. Obwohl die Figur und der Kampf um ein bisschen Respekt sympathisch ist, reicht es deshalb nur für das Mittelfeld. 30 Days Left ist eine schon gefällige Komödie, die bei dem Dauerbeschuss mit Gags einige Treffer landet. Die ganz große Begeisterung will aber nicht aufkommen, La Bande à Fifi dürfte der Durchbruch hierzulande wohl noch etwas länger verwehrt bleiben.

Credits

OT: „30 jours max“
Land: Frankreich
Jahr: 2020
Regie: Tarek Boudali
Drehbuch: Tarek Boudali, Pierre Dudan, Grégory Boutboul
Musik: Maxime Desprez, Michael Tordjman
Kamera: Vincent Richard
Besetzung: Tarek Boudali, Philippe Lacheau, Julien Arruti, Vanessa Guide, José Garcia, Marie-Anne Chaze, Reem Kherici

Bilder

Trailer

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

30 Days Left
In „30 Days Left“ erfährt ein unfähiger Polizist, dass er nur noch 30 Tage zu leben hat, und will in der ihm verbleibenden Zeit zum Helden werden. Die französische Komödie hat einige gute Einfälle und eine sympathische Hauptfigur. Aber es kommt doch zu oft zu Leerlauf, werden Witze, die schon beim ersten Mal nicht lustig waren, unnötig wiederholt.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.