Kritik

Hello again ein Tag für immer

„Hello Again – Ein Tag für immer“ // Deutschland-Start: 17. September 2020 (Kino)

Glücklich war das Familienleben von Zazie (Alicia von Rittberg) eigentlich nie, so lange sie sich zurückerinnern kann, gab es bei ihnen immer nur heftige Streitigkeiten. So heftig, dass sie selbst schon früh den Glauben an die Liebe abgelegt hat. Als sie dann mit großem Entsetzen erfährt, dass ihr Jugendfreund Philipp (Tim Oliver Schultz) heiraten will, und das auch noch die fiese Franziska (Emilia Schüle), welche sie als Kind terrorisiert hat, steht fest: Das muss sie verhindern! Also überredet sie ihren Mitbewohner Anton (Edin Hasanović), gemeinsam zur Hochzeit zu fahren und Philipp zu retten, bevor es zu spät ist. So der Plan. Aber es hilft nichts, ihr Auftritt wird zu einem absoluten Desaster, der Tag zu einem absoluten Albtraum. Doch dann wacht Zazie auf und stellt fest, dass es wieder der Morgen der Hochzeit ist und sie eine zweite Chance erhält, es diesmal richtig zu machen …

Und täglich grüßt das Murmeltier und seine Folgen: 27 Jahre alt ist die Komödie um einen Mann inzwischen, der dazu verdammt ist, ein und denselben Tag wieder und wieder zu erleben. Aber irgendwie scheint es zuletzt erst einen regelrechten Run auf diese Zeitschleifen-Thematik gegeben zu haben. Während das Prinzip meistens sehr ähnlich ist – eine Figur stellt fest, dass sich eine bestimmte Zeitspanne unentwegt wiederholt, und versucht im Anschluss wieder hinauszufinden –, gab es bei den drumherum geschriebenen Geschichten erfreulich viel Abwechslung. In The Fare muss ein Taxifahrer immer wieder dieselbe Fahrt durchführen, in Happy Deathday wird eine Studentin jeden Tag aufs Neue ermordet, in A Day soll eine Katastrophe verhindert werden – was einfach nicht klappen will.

Pro oder contra?
Im Fall von Hello Again – Ein Tag für immer ist das ganz ähnlich. Nur dass hier diese Katastrophe eben eine Hochzeit ist. Für eine romantische Komödie ist das doch mal ein erfrischendes Statement. Schließlich gilt dort die Hochzeit meist als das Ziel, das es unbedingt zu erreichen gilt. Warum die Vorstellung einer ewigen Vermählung hier überhaupt als Albtraum in Frage kommt, das macht Regisseurin und Drehbuchautorin Maggie Peren gleich zu Beginn klar: Traumatisiert von den endlosen Streitereien ihrer Eltern, die ohne es gemerkt zu haben, das Leben ihrer Kinder nachhaltig zerstören, will Zazie nicht, dass Philipp dasselbe Schicksal durchmachen muss. Das ist verständlich, wenn auch sehr übergriffig: Ein bisschen schlingert der Film herum, ob man Zazie nun die Daumen drücken oder aufhalten soll.

Wobei sie als Person natürlich schon sympathisch ist und auch sein soll. Alicia von Rittberg (Rate Your Date) verkörpert eine verkorkste, dafür aber wohlmeinende junge Frau, die das genaue Gegenteil von der durch Emilia Schüle (High Society) gespielten Rivalin ist. Denn die entpuppt sich bald als verschlagenes Biest, welches seine inneren Abgründe hinter einer aufgesetzten Freundlichkeit verbirgt. Also alles klar? Nicht so ganz. Während man durchaus schon früher ahnt, worauf hier vieles hinauslaufen wird, so hält Peren doch die eine oder andere überraschende Wendung bereit, sowohl in Bezug auf die Handlung wie auch die Figuren. Ihr Film nimmt durchaus Klischees und Konventionen auf, so viele, dass man als Zuschauer selbst diverse Déjà-vus erlebt. Aber sie spielt eben auch damit.

Jeder hat das Recht auf eine kaputte Beziehung!
Eine der schönsten Abwandlungen ist die, dass Liebe und Beziehung hier nicht auf vollkommen unrealistische Weise idealisiert wird. Hello Again – Ein Tag für immer zeigt auf, dass es Zwischenpositionen gibt, die weder dem einen Extrem der strahlenden Traumhochzeit entsprechen, noch dem anderen der täglichen Hölle, wie sie in Zazies Familie vorkam. Bei Peren dürfen Romanzen und Partnerschaften schwierig sein, Ballast mit sich herumschleppen, ohne deswegen gleich automatisch schlecht sein zu müssen. Hier heißt es, jeden Morgen aufs Neue sich den Problemen und hässlichen Aspekten zuzuwenden, egal ob nun innerhalb oder außerhalb einer Zeitschleife. Denn jeder hat das Recht auf eine etwas kaputte Beziehung.

Ganz kann sich zwar auch Peren nicht diesem Druck der Idealisierung und der normierten Happy Ends entziehen. Hello Again – Ein Tag für immer ist aber sicher eines der unterhaltsameren und charmanteren Beispiele, die es zuletzt gegeben hat. Der Film ist zudem gut besetzt, macht auch wegen der sympathischen Chaoten Spaß. Am Ende der Dauerschleife wartet sicherlich nicht die ganz große Erkenntnis, die Ratschläge, welche sich die Figuren erkämpfen müssen, sind so offensichtlich und universell, dass man sie gleich zu Beginn hätte geben können. Aber nicht jede Wiederholung ist schlecht, manchmal darf man einfach eine gute Zeit damit haben, wie Leute wieder und wieder in Fettnäpfchen treten, alles Mögliche ausprobieren, nur um dann festzustellen, dass irgendwie doch alles anders war.

Credits

OT: „Hello Again – Ein Tag für immer“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Maggie Peren
Drehbuch: Maggie Peren
Musik: Superstrings
Kamera: Marc Achenbach
Besetzung: Alicia von Rittberg, Edin Hasanović, Tim Oliver Schultz, Emilia Schüle, Samuel Schneider, Jule Ronstedt, Sebastian Rudolph, Nina Gummich

Bilder

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Hello Again – Ein Tag für immer
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Hello Again – Ein Tag für immer
„Hello Again – Ein Tag für immer“ nimmt das immer wieder beliebte Zeitschleifenprinzip und wendet es auf eine junge, traumatisierte Frau an, die um jeden Preis die Hochzeit ihres besten Freundes verhindern will. Der Film folgt dabei zwar grundsätzlich bekannten Pfaden, hält aber auch diverse Überraschungen bereit und ist ein sympathisch-unterhaltsames Plädoyer dafür, dass Liebesbeziehungen nicht immer ideal sein können oder müssen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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