Kritik

Kase San and Morning Glories

„Kase-san and Morning Glories“ // Deutschland-Start: 25. August 2020 (Kino) // 1. Oktober 2020 (DVD/Blu-ray)

Auf den ersten Blick würde wohl keiner vermuten, dass die Schülerinnen Yui Yamada und Tomoka Kase so wahnsinnig viel gemeinsam hätten. Und doch entwickeln die schüchterne Yui, die sich sonst mehr um Pflanzen kümmert, und das Sport-Ass Gefühle füreinander. Ein paar Dates haben sie schon hinter sich, so langsam wird die Geschichte für die beiden ernst. Doch das bedeutet auch jede Menge Unsicherheiten, da beide nicht viel Erfahrung haben. Immer wieder wird die junge Beziehung auf eine Probe gestellt, gerade auch im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft …

Wie geht Beziehung?
So eine Beziehung kann schon richtig kompliziert sein, gerade am Anfang, wenn man noch in der Kennenlernphase ist. Wie viel von mir gebe ich preis? Wie soll ich mich präsentieren? Wie sehen die Gefühle beim Gegenüber aus? Da darf man schon mal ein bisschen unsicher sein und etwas unbeholfen durch die Gegend stolpern. Kase-san and Morning Glories erzählt von einer solchen jungen Beziehung, die noch so frisch ist, dass keiner von beiden seine Position darin gefunden hat. Jeder Blick des anderen gibt Anlass zur Sorge, dass man nicht genug ist, dass vielleicht alles schon vorbei sein könnte, noch bevor es richtig angefangen hat.

Im speziellen Fall von Yui und Tomoka kommt noch hinzu, dass es sich eben um zwei Mädchen handelt. Das bringt noch ein wenig mehr Unsicherheit mit, gibt es da doch weniger Möglichkeiten, Vergleiche zu ziehen oder sich vielleicht einmal Rat irgendwo zu holen. Es darf ja schließlich niemand etwas von der Beziehung wissen. Anders als man vielleicht erwarten könnte, ist Kase-san and Morning Glories jedoch kein Problemdrama, welches die Homosexualität oder ein Coming-out zu einem großen Hindernis macht. Dass die beiden Jugendlichen nicht mit ihren Gefühlen an die Öffentlichkeit gehen können oder wollen, ist natürlich schon tragisch. Aber sie haben so viel mit sich selbst und einander zu tun, dass die Außenwelt ohnehin keine große Rolle spielt.

Ruhig, episodenhaft und süß
Über weite Strecken ist die Adaption einer Mangareihe von Hiromi Takashima dann auch angenehm zurückhaltend. Es gibt eine lose Aneinanderreihung von Alltagssituationen, wie sie praktisch jedem irgendwie passieren könnten – unabhängig vom Geschlecht oder einer sexuellen Orientierung. Eine wirkliche Entwicklung gibt es darin nicht, ähnlich zu Fragtime, welches ebenfalls von Takuya Satô inszeniert wurde, behält der Anime eine episodenhafte Struktur bei. Wirklich dramatische Ausbrüche finden dabei ebenfalls nicht statt, wobei sich die beiden da zuweilen etwas selbst im Wege stehen. Erst auf den letzten Metern kippt der Film leider unnötig ins Melodram, was nicht so recht zu der ansonsten sehr ruhigen Atmosphäre passt, die er zuvor ausstrahlte.

Wer sich an dieser Entgleisung nicht stört, für den ist der auch visuell angenehme Anime durchaus ein Blick wert – ein Interesse an dieser Art Film vorausgesetzt. Hier darf man sich noch mal an die ersten unbeholfenen Schritte einer Liebe erinnern, ein bisschen träumen und seufzen, wenn zwei Menschen ihren eigenen und gemeinsamen Weg suchen. Das ist süß und vergleichsweise authentisch in der bewussten Banalität der Ereignisse, einfühlsam und doch irgendwie wohltuend. Dass innerhalb der nicht mal sechzig Minuten keine großen Ergebnisse oder Antworten rausspringen, ist klar, muss auch nicht wirklich sein. Das hier ist nicht mehr als eine Zwischenstation auf einer Reise mit ungewissem Ausgang.

Credits

OT: „Asagao to Kase-san“
Land: Japan
Jahr: 2018
Regie: Takuya Satō
Drehbuch: Takeshi Kuchiba
Vorlage: Hiromi Takashima
Musik: rionos
Animation: Zexcs

Bilder

Trailer

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Kase-san and Morning Glories
„Kase-san and Morning Glories“ erzählt von zwei Schülerinnen, die sich ineinander verlieben, und den ersten unbeholfenen Momenten der jungen Beziehung. Das ist weitgehend angenehm zurückhaltend, an der Grenze zur Banalität. Erst zum Schluss wird der süße Anime unnötig dramatisch.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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