Kritik

„Cencoroll Connect“

„Cencoroll Connect“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Gut Ding will Weile haben. Und das gilt bei Cencoroll Connect gleich doppelt. Zum einen haben wir hierzulande mehr als zehn Jahre warten müssen, bis wir den gefeierten Anime-Kurzfilm Cencoroll auch mal sehen dürfen. Dafür gibt es ihn gleich im Doppelpack mit der Fortsetzung Cencoroll 2, welche letztes Jahr erschien, einem weiteren Kurzfilm. Um einen tatsächlichen Spielfilm handelt es sich bei Connect daher nicht, auch wenn die Laufzeit das vermuten lässt, sondern um zwei separate Geschichten, die jedoch aufeinander aufbauen.

In beiden Fällen stehen der High Scholl Schüler Tetsu und um die Jugendliche Yuki, die hinter sein Geheimnis gekommen ist. Tetsu kontrolliert mittels Telepathie ein großes, weißes Monster namens Cenco. Dieses ist im Normalzustand ein wenig unförmig, kann aber auf Befehl zahlreiche andere Formen annehmen, von einem Fortbewegungsmittel bis zu einer Waffe. Letzterer braucht Tetsu, um sich gegen Shû zur Wehr zu setzen, der ebenfalls Monster kontrollieren kann und nun auch das von Tetsu will. Im zweiten Teil kommen noch weitere Figuren hinzu, die alle mit diesen Wesen zu tun haben, von denen es offensichtlich deutlich mehr gibt, als man meinen könnte.

Jeder macht, was er will
Der Reiz der Geschichten basiert einerseits auf diesen Monstern und den unterschiedlichen Fähigkeiten, welche diese haben. Vor allem die skurrilen Verwandlungen von Tetsus Cenco sind immer wieder Anlass zur Erheiterung, gerade wenn sie keinen klar ersichtlichen Nutzen haben. Das ist ein bisschen wie in Pokémon, mit dem Unterschied, dass es hier auch noch zu Streitigkeiten kommt, wer wen genau kontrolliert. Regeln sind in Cencoroll Connect dann auch weniger stark ausgeprägt. Woher die Wesen kommen, warum manche diese kontrollieren können, all das wird nicht thematisiert. Dafür ist der Umfang wohl auch zu gering, beide Kurzfilme zusammen kommen auf eine Laufzeit von 75 Minuten. Und die nutzt Regisseur und Autor Atsuya Uki, der zuvor schon einen Manga rund um Cencoroll veröffentlich hat, dann doch lieber anderweitig.

Beeindruckend ist dabei, dass die Kurzfilme eine reine Solonummer Ukis sind. Anstatt mit einem größeren Animationsstudio zusammenzuarbeiten, setzte er seine Vision eigenständig um. Das Ergebnis ist natürlich schlichter als bei „echten“ Anime-Filmen, vor allem bei den Hintergründen, kann sich aber absolut sehen lassen. Cencoroll Connect behält auch in der Hinsicht seine humorvolle Art bei, arbeitet mit einer Reihe visueller Gags, etwa die „Antenne“ der Telepathie. Erzählerisch ist das Ganze eher etwas dünn, Spaß macht es aber, zumal das Szenario viel Potenzial für noch mehr Unsinn mitbringt. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser im bereits angekündigten dritten Teil ausgeschöpft wird – und wir nicht wieder zehn Jahre warten müssen.

Credits

OT: „Cencoroll Connect“
Land: Japan
Jahr: 2009/2019
Regie: Atsuya Uki
Drehbuch: Atsuya Uki
Musik: Supercell

Bilder

Trailer

Filmfeste

Fantasia Film Festival 2019
Akiba Pass Festival 2020
Japan-Filmfest Hamburg 2020



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Cencoroll Connect
„Cencoroll Connect“ umfasst die ersten beiden Anime-Kurzfilme rund um Menschen, die unförmige Monster kontrollieren. Das ist inhaltlich etwas dünn, dafür aber schön skurril, zumal nicht mal versucht wird, in dem Chaos so etwas wie eine Regel zu finden.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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