Kritik

The Equalizer 2

„The Equalizer 2“ // Deutschland-Start: 16. August 2018 (Kino) // 17. Dezember 2018 (DVD/Blu-ray)

Nach den Ereignissen vor ein paar Jahren in Boston ist Robert McCall (Denzel Washington), ehemals Agent der Defense Intelligence Agency, nach Massachusetts gezogen. Durch seine tägliche Routine sowie seinen Job als Taxifahrer kommt er regelmäßig mit Menschen zusammen, denen er helfen kann durch seine Fähigkeiten, die er einst im Dienste der Regierung sich angeeignet hat. Eine große Hilfe stellt dabei seine ehemalige Kollegin und gute Freundin Susan (Melissa Leo) dar, die ihm immer wieder Information zuspielt und ihn ab und zu besucht. Als jedoch Susan bei der Ermittlung in einem Mordfall nach Belgien beordert wird und dort selbst ermordet wird, erschüttert dies Robert wie auch Susans Mann Brian (Bill Pullman) zutiefst. Mithilfe von Susans Kollegen Dave York (Pedro Pascal), mit dem Robert vor vielen Jahren zusammen in der Armee diente, will Robert den Fall aufklären. Schnell findet er heraus, dass es sich keinesfalls nur um einen einfachen Raubüberfall gehandelt hat und kommt einer Verschwörung auf die Spur, die Robert mit seiner Vergangenheit in Berührung bringt, mit seiner verstorbenen Frau und einem seiner besten Freunde, der nun wahrscheinlich zu seinem Feind geworden ist.

Die verlorene Zeit des Robert McCall
Eine der vielen Eigenschaften, für die Denzel Washington bekannt ist, ist die Tatsache, dass er keine Rolle zweimal spielt. Nach eigener Aussage war es vor allem das Drehbuch Richard Wenks, das ihn überzeugte, noch einmal unter der Regie Antoine Fuquas, mit dem er schon für seine Oscar-Rolle in Training Day zusammenarbeitete, in die Rolle des Robert McCall zu schlüpfen. Die Fortsetzung, so Washington, zeigte die Figur von einer anderen Seite, gab ihr mehr Tiefe, sodass man The Equalizer 2 auch als eine Charakterstudie verstehen kann. Am Ende ist The Equalizer 2 ein solider Actionfilm, der besonders von seinem Darsteller lebt, weniger aber durch seine zerfahrene Handlung.

Einer der Hauptaspekte des Sequels ist, dass McCall mit seiner Vergangenheit abschließen muss. Wenig subtil wird dies verbunden mit dem Kauf eines Buches, nämlich Marcel Prousts Die Suche nach der verlorenen Zeit, was am Ende der Liste der 100 Bücher steht, die McCall schon im ersten Film begonnen hatte. Die Literatur ist für McCall ein Berührungspunkt mit einem Leben, das einmal war und mit dem er noch nicht abgeschlossen hat, mit einer Zeit und einem Ich, dessen Restbestände ihn noch immer bestimmen, sodass er im Prinzip eine Schattenexistenz lebt, immer im Dienste anderer, nie aber wirklich für sich.

Gerade mit einem Darsteller vom Format eines Denzel Washington klappt diese Mischung aus Drama und Action. Spätestens seit dem bereits erwähnten Training Day ist Washington zu einem Schauspieler geworden, der die Wendungen eines Drehbuchs annehmen kann und wie ein Chamäleon in eine Rolle schlüpft. Die Rolle des Robert McCall ist da keine Ausnahme, wird von Washington mit großer Menschlichkeit und Wärme gespielt, welche blitzschnell ins Gegenteil umschlagen kann, wenn es die Situation erfordert. Auch wenn dies nicht unbedingt neu ist im Vergleich zum ersten Teil, wird es einem als Zuschauer dennoch kaum viel ausmachen, gerade weil Washingtons Routine immer noch für eine ziemlich gute Darstellung steht.

Die Welt und ich
Als Beispiel für einen Aspekt, der weniger gut funktioniert, kann man wohl die anderen Beziehungen anführen, die McCall mit seiner Nachbarn in dem Apartmentkomplex, in dem er haust, führt. Gerade der Konflikt mit dem jungen Miles (Ashton Sanders), einem talentierten Zeichner, der droht in den Sumpf der Drogenkriminalität abzurutschen, wirkt übertrieben didaktisch und im Allgemeinen redundant für die Handlung. In Anspielung auf das in diesem Zusammenhang thematisierte Between the World and Me von Ta-Nehesi Coates, das McCall natürlich auch liest und später an Miles weitergibt, scheint das Drehbuch einen Punkt machen zu wollen in Bezug darauf, wie man selbst für sich verantwortlich ist in einer Welt, die von Drogen und Verbrechen regiert wird. In einem Film wie The Equalizer 2 sind solche Aspekte, speziell, wenn sie derartig holprig in die Handlung integriert sind, eher störend.

Wenn sich Fuqua und Washington hingegen auf die Mischung aus Thriller und Actionfilm besinnen, die schon im Vorgänger gut funktionierte, lebt The Equalizer 2 richtig auf. Abermals sind die Choreografien der Kampfszenen schnell und brutal, ein Spiegelbild des disziplinierten sowie kontrollierten McCall, der natürlich stets auf seine Stoppuhr schaut und die Zeit misst, wenn der Kampf vorüber ist.

Credits

OT: „The Equalizer 2“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Richard Wenk
Musik: Harry Gregson-Williams
Kamera: Oliver Wood
Besetzung: Denzel Washington, Pedro Pascal, Melissa Leo, Bill Pullman, Ashton Sanders, Sakina Jaffrey

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The Equalizer 2
„The Equalizer 2“ von Antoine Fuqua ist eine solide Fortsetzung des ersten Films, deren guter Eindruck durch viele unnötige und teils didaktisch wirkende Nebenschauplätze gestört wird. Abermals ist dieser Film aber auch ein Beispiel für das Talent Denzel Washingtons, dessen Spiel, Ausstrahlung und Charisma selbst die holprige Handlung tragen kann.
6von 10

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