Kritik

Sword of God Der letzte Kreuzzug

„Sword of God – Der letzte Kreuzzug“ // Deutschland-Start: 23. Juli 2020 (Kino) // 25. September 2020 (DVD/Blu-ray)

Der Auftrag von Willibrord (Krzysztof Pieczynski) ist klar: Als er die Insel betritt, ist er fest entschlossen, die dort lebenden Wilden zum christlichen Glauben zu bekehren. Das bringt sie nicht nur Gott näher und damit der eigenen Erlösung. Es wird sie auch schützen, wenn der König später mit seinen Soldaten kommt, um die Insel zu unterjochen. Doch der Auftrag ist schwer. Zwar trifft er einen jungen Landsmann (Karol Bernacki), der ihn daraufhin bis zum Dorf begleitet. Dort pflegt man jedoch einen ganz eigenen Glauben und ist nicht ohne Weiteres gewillt, diesen wieder aufzugeben – zumal auch der junge Mann nicht mit der Methode Willibrods einverstanden ist …

Die Suche nach dem richtigen Glauben, der einem auf den Weg durch die mitunter chaotische Welt hilft, ist eine sehr persönliche, geprägt oft von viel Gedankenarbeit, Zweifeln und innerer Einkehr. Es geht aber auch schneller, wenn man dir dabei eine Klinge an den Hals hält und dir ein Ultimatum aufzwängt: unser Gott oder dein Tod. Die Zeiten religiöser Zwangsmissionierung sind zumindest in weiten Teilen inzwischen vorbei, was umgekehrt Geschichtenerzählern die Möglichkeit eröffnet, aus dem Stoff etwas zu machen. Historische Filme erfreuen sich schließlich immer wieder großer Beliebtheit, geben sie doch Einblicke in unsere Vergangenheit, können erklären, wie sich die Menschheit so entwickelt hat.

Lasst Taten sprechen
Mit Erklärungen hat es der polnische Regisseur und Co-Autor Bartosz Konopka (Das Grab im Wald) jedoch nicht so wirklich. Er arbeitet bei Sword of God – Der letzte Kreuzzug vielmehr mit bewussten Lücken, die bis ins Rätselhafte hineinreichen. Das beginnt schon damit, dass er zu Beginn nur wenig über seine beiden Protagonisten verrät. Beim jüngeren der zwei wissen wir nicht einmal, wie er heißt. Während wir bei den beiden aber zumindest noch anhand der Dialoge erfahren dürfen, was genau sie sagen und denken, begegnen wir den Einheimischen nur aus größerer Distanz: Der Film verzichtet bei ihrer Sprache auf unterstützende Untertitel. Sofern nicht gerade jemand dolmetscht, können wir nur ahnen, worum es in ihren Dialogen geht.

Das erinnert an den Steinzeitthriller Der Mann aus dem Eis, damals war es eine archaische, nicht übersetzte Sprache, die uns in die Rolle des fernen Beobachters zwang. In beiden Fällen sorgt das zwar für leichte Irritationen plus die eine oder andere Frage. Es sorgt aber auch für jede Menge Atmosphäre, wenn einem auf diese Weise das Gefühl vermittelt wird, tatsächlich in einer weit zurückliegenden Zeit gelandet zu sein, anstatt einfach nur so zu tun. Im Fall von Sword of God – Der letzte Kreuzzug kommt noch hinzu, dass das Publikum die Perspektive des Eindringlings einnehmen soll, das mit dem Fremden konfrontiert wird. Wie gehen wir damit um, Menschen zu begegnen, die wir nicht verstehen, die sich eigenartig verhalten und eine potenzielle Bedrohung darstellen?

Die Angst vor der Eskalation
Daraus ließe sich einiges für die heutige Zeit ableiten, in der Fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig geworden ist und erneut Kulturkämpfe ausgetragen werden. Sword of God – Der letzte Kreuzzug ist dabei jedoch stärker im Genrekino verankert, nicht grundlos lief der Film 2019 beim Sitges Festival. Von Anfang setzt Konopka auf das Gefühl der Gefahr, arbeitet mit düsteren Bildern und einer unheilvollen Musik. Wenn die Einheimischen mit ihren bleich gefärbten Gesichtern die Neuzugänge umzingeln, dann spielt der Film mit der Angst des Publikums. Werden sie die zwei einfach töten? Ihrem heidnischen Gott opfern, den sie immer wieder herbeibeschwören? Gibt es im Fall der Fälle ein Entkommen, wenn die Situation eskalieren sollte? Dass es auf Letzteres hinauslaufen wird, daran bestehen nicht wirklich Zweifel, von Anfang an ist der Ton des Films von Konfrontationen bestimmt.

Und doch ist Sword of God – Der letzte Kreuzzug eben nicht das blutige Gemetzel, das die anfängliche Horrorstimmung vermuten ließe. Auch wenn die Dialoge teils eher spärlich sind, gesagt wird in dem Film, der irgendwo zwischen Drama und Thriller angesiedelt ist, auch ohne Sprache einiges. Das betrifft einerseits konkret den Umgang mit der Andersartigkeit und das Verhältnis zu Religion. Es betrifft aber auch das Verhältnis zwischen Wort und Tat, zwischen innerer Überzeugung und äußerer Erscheinung. Dass es hier zu Widersprüchen und Missverständnissen kommen kann, ist eine Erfahrung, die jeder schon mal gemacht haben dürfte. Kann man Menschen zu ihrem Glück zwingen? Sollte man es? Gerade Willibrord wird hierbei zu einer ambivalenten Figur, die durchaus um das Gute bemüht ist, dabei jedoch zu fragwürdigen Mitteln greift, die von jenseitiger Erfüllung spricht, gleichzeitig von irdischen Gefühlen und Ängsten getrieben ist.

Credits

OT: „Krew Boga“
Land: Polen, Belgien
Jahr: 2018
Regie: Bartosz Konopka
Drehbuch: Przemyslaw Nowakowski, Anna Wydra, Bartosz Konopka
Musik: Jerzy Rogiewicz
Kamera: Jacek Podgórski
Besetzung: Krzysztof Pieczynski, Karol Bernacki, Wiktoria Gorodecka

Bilder

Trailer

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Sitges 2019

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Sword of God – Der letzte Kreuzzug
„Sword of God – Der letzte Kreuzzug“ erzählt von einem Mann, der die einheimische Bevölkerung einer Insel zu seinem christlichen Glauben bekehren will. Das ist einerseits ein Drama über persönliche Überzeugungen und den Umgang mit dem Fremden, gleichzeitig aber auch ein Thriller, der von Anfang an mit dem Gefühl der Bedrohung arbeitet und einen verloren durch düstere Landschaften schickt.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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