Kritik

Scooby Voll verwedelt

„Scooby! Voll verwedelt“ // Deutschland-Start: 9. Juli 2020 (Kino)

Seitdem sie sich als Kinder über den Weg gelaufen sind, sind Shaggy und Scooby beste Freunde. Sie haben aber auch eine Menge gemeinsam: Sie lieben es zu essen! Außerdem haben sie vor allem Angst. Das macht die Zusammenarbeit mit Daphne, Fred und Velma nicht immer ganz einfach, als sie zusammen Mystery Inc. gründen, eine Detektei für übernatürliche Fälle. Aber man hält zusammen. Als eines Tages jedoch ein großer Sponsor einsteigt und die Gruppe richtig berühmt machen will, heißt es Abschied nehmen für die beiden, haben sie doch dem Unternehmen nicht wirklich etwas beizusteuern. Dabei ahnen sie nicht, dass Shaggy und Scooby im Anschluss gleich das nächste große Abenteuer erleben werden …

Bald jährt sich das Ende von Hanna-Barbera bereits zum 20. Mal. Sicher, als das Animationsstudio 2001 aufgelöst wurde und komplett in der Animationsabteilung von Warner Bros. aufging, lagen die besten Zeiten schon lange zurück. Von den 50ern bis 70ern gehörten die von William Hanna und Joseph Barber gegründeten Studios jedoch zu den Big Players des Zeichentricks bzw. der Kinderunterhaltung. Serien wie Familie Feuerstein, Die Jetsons und Yogi Bär waren ein fester Bestandteil der Samstagmorgen-Cartoon-Programmschiene, mit denen der Nachwuchs beschäftigt werden konnte, damit die Eltern mal einen Moment für sich haben.

Zurück zu den Anfängen
Auch Scooby-Doo entspringt diesem legendären Studio, 1969 begannen die sprechende Dogge und die vier menschlichen Freunde erstmals ihre Ermittlungen. In den folgenden 50 Jahren gab es unzählige Fassungen des Klassikers, zwischenzeitlich als Live-Action-Variante. Das war nicht unbedingt immer gelungen, anders als so viele andere Hanna-Barbera-Urgesteine verschwand Scooby aber nie so ganz von der Bildfläche. Zuletzt versuchte man sich beispielsweise mehrfach am beliebten Lego-Format (Lego Scooby-Doo! Spuk in Hollywood, Lego Scooby-Doo! Strandparty). Mit Scooby! Voll verwedelt soll es nun aber zurück zu den Ursprüngen gehen, ein klassischer Animationsfilm mit der beliebten Crew – nur dass es diesmal in Form von CGI-Animation geschieht statt des einstigen Zeichentricks.

Geschadet hat der Wechsel nicht. Sicher ist der hierzulande aufgrund der Pandemie mehrfach verschobene Film nicht der Gipfel der Animationskunst. Die ausführenden Reel FX Animation Studios (Manolo und das Buch des Lebens, UglyDolls) mögen es bei den Hintergründen etwas schlichter. Die Animationen sind – dem Slapstick angepasst – nur willkürliche Gummibandzuckungen, bei denen es mehr auf Tempo und Hektik ankommt, weniger auf geschmeidige Bewegungen. Die Designs der Figuren sind dem Studio aber ganz gut gelungen, trotz des Technikwechsels sehen die Mitglieder der Mystery Inc. so aus, wie Fans sie kennen und lieben. Die übertriebene Mimik der beiden Angsthasen ist 2020 noch so komisch wie eh und je.

Überall und nirgends
An den Inhalt sollte man hingegen keine besonderen Ansprüche stellen. Dass die Geschichte beispielsweise ein wilder Mix aus Science-Fiction und Fantasy ist, während es im Original meistens darum ging, vermeintliche Spukvorfälle auf reale Ursachen zurückzuführen, ist schon etwas schade. Zumal das immerhin vier Mann starke Drehbuchteam auch sonst wenig Wert auf Kohärenz legte, einfach alles zusammenwarf, was ihm irgendwie einfiel. Das bedeutet beispielsweise, dass man sich nicht mit den Figuren von Scooby-Doo begnügte, sondern auch andere Hanna-Barbera-Kreationen einbaute. Ziel soll es sein, ein weiteres Cinematic Universe aufzubauen à la Marvel oder Conjuring. Nur dass man hier schon mit der Zusammenführung anfängt, was zwangsläufig zu Verwirrungen führt – vor allem, wenn die Figuren in Vergessenheit geraten sind.

Dabei haben diese Figuren durchaus Potenzial. Wenn der hinzugefügte Crossover-Star Blue Falcon beispielsweise mit den Erwartungen hadert, der Sohn eines großen Helden zu sein, dann ist das schon ein netter Einfall. Aus ihm wie anderen Gästen lässt sich mit Sicherheit einiges herausholen. Scooby! Voll verwedelt ist aber der unpassende Rahmen, der Film verliert bei dem unbeholfenen Versuch, alles auf einmal zu sein und möglichst viel unterzukriegen, seine eigene Persönlichkeit. Bei den Witzen probierte man ebenfalls alles, ohne dabei auf Stimmigkeit zu achten. Kinder können mit dem Nonstop-Chaos natürlich trotzdem ihren Spaß haben, er erfordert aufgrund der ständigen Wechsel auch keine besonders hohe Aufmerksamkeitsspanne. Ein tatsächlich gelungenes Comeback ist das hier jedoch kaum.

Credits

OT: „Scoob!“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Tony Cervone
Drehbuch: Matt Lieberman, Adam Sztykiel, Jack Donaldson, Derek Elliott
Musik: Tom Holkenborg
Animation: Reel FX Animation Studios

Bilder

Trailer

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Scooby! Voll verwedelt
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Scooby! Voll verwedelt
In „Scooby! Voll verwedelt“ gibt es ein Wiedersehen mit den alten Zeichentrickhelden – aber nicht nur denen. Der Animationsfilm packt zahlreiche Hanna-Barbera-Figuren zusammen in ein Abenteuer und ist auch sonst ein wilder Mix, der sich wenig um Stimmigkeit kümmert. Vereinzelt gute Einfälle gibt es zwar, insgesamt wird jedoch in erster Linie auf Hektik und Slapstick gesetzt. Das funktioniert für das junge Zielpublikum, lässt jedoch jegliche Persönlichkeit vermissen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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