Kritik

Charlie Chaplin Farbe Vol 3

„His New Job“ // Deutschland-Start: 17. Juli 2020 (DVD)

Im Jahre 1907 gründeten George K. Spoor und GM „Broncho Billy“ Anderson die Essanay Film Manufacturing Company, deren Name ein Wortspiel mit den Initialen der beiden Gründer ist. Zu einer Zeit, als das Filmgeschäft zu einem sehr lukrativen Geschäft wurde, landeten Spoor und Anderson die wohl beste Abmachung, als sie einen Vertrag mit Charles Chaplin aushandelten, der seine Zusammenarbeit mit den Keystone Studios beendet hatte. Auch wenn es hinter den Kulissen nicht immer harmonisch lief, wurden die Filme, welche Charles Chaplin inszenierte und in denen er die Hauptrolle spielte, große Erfolge in der kurzen Geschichte der Firma, die bereits 1918 ihre Tore schließen musste. Zu diesem Zeitpunkt war Charles Chaplin allerdings schon bei der Mutual Film Corporation unter Vertrag.

Bereits His New Job, die erste Arbeit, die Chaplin ablieferte, ist nicht nur eine humorvolle Abrechnung mit dem Filmgeschäft, sondern ein erster Versuch Chaplins sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Im Zentrum steht der Tramp (Chaplin), der sich bei den Lockstone Studios um einen neuen Job bemüht, wo er zunächst eher auf Ablehnung stößt. Jedoch wird er, weil ein Schauspieler nicht am Set erscheint, kurzerhand in einer Rolle in einem Historienfilm besetzt, wo er sich allerdings als so tollpatschig erweist, dass er vom Regisseur zum Bühnenbildner degradiert wird. Doch auch hier schafft es der Tramp, seinen Mitmenschen gehörig auf die Nerven zu gehen und jede Menge Chaos am Set zu stiften.

Stars und die Konkurrenz
Als er den Film 1915 dreht, kann Chaplin bereits auf eine lange Karriere im Showgeschäft zurückblicken, hat Erfahrungen gemacht, wie es ist, sich gegenüber anderen zu behaupten und sich am besten zu verkaufen. Mit den Mitteln der Übertreibung und des Slapsticks erzählt His New Job von eben diesem Geschäft sowie seinen Mitstreitern, jenen hinter und denen vor der Kamera. Bereits ein Jahr später, in Hinter der Leinwand, den er schon für Mutual drehte, sollte Chaplin noch einmal diese Erfahrungen im Filmgeschäft als Fundament für eine Geschichte nutzen.

Im Falle von His New Job ist der Film ein Wettbewerb, in dem es vor allem um die Wehrhaftigkeit und die Fähigkeit des Ausstechens anderer geht. Während seiner Zeit bei Keystone wurde der Charakter des Tramp immer wieder für seine Boshaftigkeit und die offen zur Schau getragene Schadenfreude kritisiert, Charakterzüge also, die der Figur im Kontext der Handlung in His New Job in gewisser Weise helfen können. Figuren wie der von Robert Bolder gespielte Vorstand des Studios oder der übergewichtige, kapriziöse Regisseur, den Charles J. Stine spielt, sind offensichtlich Stereotypen, große Selbstdarsteller, die um ihre Machtposition wissen und diese auch auszunutzen wissen.

In dieser strengen Hierarchie, die keinesfalls Fiktion war, sondern fester Bestandteil vieler Studios bis in die heutige Zeit hinein, ist der Tramp gleichzeitig Störfaktor wie auch willkommenes Mitglied. Auf der einen Seite beherrscht er das Talent sich zu präsentieren und sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, wie das amüsante Geplänkel mit dem von Ben Turpin gespielten Mitbewerber zeigt. Doch steht ihm seine Schusseligkeit sowie seine Überheblichkeit – zwei Charakterzüge, die sich ganz und gar nicht vertragen – immer im Wege und sorgt für das nötige Chaos am Set.

Credits

OT: „His New Job“
AT: „Charlie gegen alle“
Land: USA
Jahr: 1915
Regie: Charlie Chaplin
Drehbuch: Charlie Chaplin, Louella Parsons
Kamera: Harry Ensign
Besetzung: Charlie Chaplin, Leo White, Ben Turpin, Charlotte Mineau, Robert Bolder, Charles J. Stine

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His New Job
„His New Job“ ist eine amüsante Abrechnung mit dem Filmgeschäft, wie es Charlie Chaplin erfahren hat. Auch wenn Chaplins Talente, was die Inszenierung angeht, sich noch entwickeln, finden sich in diesem sehr frühen Werk doch schon viele sehr gelungene Bilder und Szenen, die den Film sehenswert machen.
6von 10

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