Kritik

The Big Wedding

„The Big Wedding“ // Deutschland-Start: 30. Mai 2013 (Kino) // 17. Oktober 2013 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich ist der Anlass ja sehr schön: Alejandro (Ben Barnes) und seine Freundin Missy (Amanda Seyfried) wollen heiraten! Es gibt da nur ein Problem. Alejandros Adoptiveltern Don (Robert De Niro) und Ellie (Diane Keaton) haben sich schon vor Jahren scheiden lassen, was für seine streng gläubige, leibliche Mutter Madonna (Patricia Rae) völlig inakzeptabel wäre. Also müssen die beiden wohl oder übel während der Hochzeitsfeier so tun, als wären sie noch zusammen – zum großen Ärger von Dons derzeitiger Freundin Bebe (Susan Sarandon). Und als wäre das nicht alles schon chaotisch genug, haben die beiden leiblichen Kinder des Ex-Paares, Lyla (Katherine Heigl) und Jared (Topher Grace), noch ganz eigene Probleme …

Wenn man in einem Film möglichst viele Stars gleichzeitig vor die Kamera zwängen will, dann bieten sich eigentlich immer Geschichten über Familienfeiern an. Weihnachten steht für so etwas hoch im Kurs. Beerdigungen, wenn es etwas tragischer sein soll. Und eben Hochzeiten, quasi das Ereignis schlechthin, bei dem alle zusammenkommen, die zusammenkommen sollen – und auch solche, die eigentlich niemand sehen mag, die man aber nicht wirklich ausladen kann. Denn eine Hochzeit ist nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch einer der familiären Pflichten.

Wenig Feuer
Im Fall von The Big Wedding hält sich das mit den eigentlich ungeliebten Gästen dabei noch ziemlich in Grenzen. Eigentlich gibt es nur zwei nennenswerte Konflikte, die von Anfang an als solche etabliert werden. Der eine betrifft das ehemalige Paar, das sich des religiösen Friedens willens wieder als Paar ausgibt. Beim anderen geht es darum, dass der Mann aus diesem Ex-Paar seine Frau verlassen hat, um ausgerechnet mit deren besten Freundin zusammen zu sein – das birgt schon einen gewissen Sprengstoff. Relativ überraschend ist dabei, wie wenig der Film aus beiden Themen herausholt. Während es im Dreiergespann zumindest noch ein bisschen krachen darf, ist die Begegnung mit der Mutter des Adoptivsohns irgendwie ohne Folgen.

Noch irritierender ist, dass das kommende Brautpaar, von dem man eigentlich ausgehen sollte, dass es auch die Hauptfiguren ausmacht, niemanden wirklich interessiert – am wenigsten Regisseur und Drehbuchautor Justin Zackham. Alejandro ist nur ein Mittel zum Zweck, damit die US-amerikanische Familie und die kolumbianische Familie auf Tuchfühlung gehen. Missy wiederum ist nur da, weil es zum Heiraten nun mal eine zweite Person braucht. Wer sie ist, was sie ausmacht, was sie vom Leben will, The Big Wedding verrät kein Wort darüber. Stattdessen gibt es eine vermutlich witzig gemeinte, aber vollkommen charmelose Annäherung zwischen Jared und Alejandros Schwester Nuria (Ana Ayora).

Zu wenig Witz und Herz
Das gilt aber nicht nur für die beiden. Eine Komödie über diverse zwischenmenschliche Verstrickungen sollte im Idealfall komisch und romantisch sein. The Big Wedding ist jedoch weder das eine, noch das andere. Weder amüsiert das Sammelsurium an wahlweise überzogenen oder nichtssagenden Figuren, noch lässt es einen an den Charakteren teilhaben. Dabei ist das Problem gar nicht mal, dass es hier keine echten Höhepunkte gibt. Andere Ensemble-Filme wie Familientreffen mit Hindernissen haben vorgemacht, dass man durch parallel laufende, an und für sich unspektakuläre Geschichten etwas Schönes auf die Beine stellen kann. Die US-Variante versucht jedoch mehr, gerne auch mit etwas derberem Humor, erreicht dabei aber irgendwie nichts, das hängenbleibt, läuft ein bisschen durch die Gegend, ohne jemals irgendwo anzukommen.

Das ist auch deshalb eine ziemliche Enttäuschung, weil Zackham ein hochkarätiges Ensemble zur Verfügung stand. Immerhin, das Veteranen-Trio De Niro, Keaton und Sarandon macht das Beste aus der Situation, bringt zumindest genug Eigenleben mit, um die dünnen Papiervorlagen irgendwie ausfüllen zu können. Die jüngeren Kollegen und Kolleginnen scheitern an dieser Aufgabe, der Auftritt von Robin Williams als Priester ist zu kurz und zu undankbar, um sein Talent ausspielen zu können. Schlimmere Komödien gibt es natürlich noch reichlich, The Big Wedding ist nicht die absolute Katastrophe, als die der Film manchmal hingestellt wird. Er ist nur ziemlich langweilig.

Credits

OT: „The Big Wedding“
Land: USA
Jahr: 2013
Regie: Justin Zackham
Drehbuch: Justin Zackham
Musik: Nathan Barr
Kamera: Jonathan Brown
Besetzung: Robert De Niro, Diane Keaton, Katherine Heigl, Topher Grace, Ben Barnes, Susan Sarandon, Amanda Seyfried, Ana Ayora, Patricia Rae, Robin Williams

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Goldene Himbeere 2014 Schlechteste Nebendarstellerin Katherine Heigl Nominierung

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The Big Wedding
3.8 (76%) 5 Artikel bewerten

The Big Wedding
„The Big Wedding“ versammelt jede Menge Stars. Spaß macht die Komödie um eine Hochzeit jedoch kaum. Der Film interessiert sich zu wenig für seine Figuren, will an der einen Stelle zu viel, macht an der anderen nicht genug. Insgesamt plätschert das hier größtenteils vor sich hin, von ein paar lebendigeren Auftritten der Altstars einmal abgesehen.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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