Kritik

Olla

„Olla“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Für Pierre (Grégoire Tachnakian) geht ein echter Traum in Erfüllung. Immer wieder hat er mit Olla (Romanna Lobach) übers Internet kommuniziert, hat sich die Bilder angeschaut, wie sie in Unterwäsche tanzt. Jetzt ist sie da, ist seins, wird sich von nun an mit ihm und seiner Mutter (Jenny Bellay) die Wohnung teilen. Doch das klappt nicht alles so wie gedacht. Zum einen spricht die Ukrainerin kaum ein Wort Französisch. Und auch sonst ist man sich nicht immer einig darüber, wie das Zusammenleben aussehen soll …

Schauspieler und Schauspielerinnen, die plötzlich Lust darauf haben, selbst Filme zu inszenieren: Klar, das kommt immer mal wieder vor. Mal geschieht das aus bloßer Eitelkeit. In anderen Fällen sucht man eine Möglichkeit, aus den vorgefertigten Bahnen auszubrechen. Im Fall von Ariane Labed durfte man da schon neugierig sein, was sie wohl in ihrem Regiedebüt machen würde. Schließlich ist die griechisch-französische Schauspielerin mit Yorgos Lanthimos verheiratet und spielte in seinen Filmen Alpen und The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte mit. Eine gewisse Neigung zu ungewöhnlichen Werken durfte man ihr da doch unterstellen.

Die Frau als Haustier
Bei Olla ist diese auch zu spüren, selbst wenn ihr Regiedebüt doch weniger surreal ausfällt als die Filme ihres Mannes. Die Situation als solche, dass ein unscheinbarer Mann dank des Internets eine osteuropäische Frau zu sich nach Hause holt und damit ein maßgeschneidertes Glück, die kann man sich durchaus in der Realität da draußen vorstellen. Labed hat hierbei auch einiges zu sagen im Bereich des Zwischenmenschlichen, gerade das Verhältnis von Mann und Frau. Wenn eine der ersten Handlungen Pierres die ist, Olla in Lola umbenennen zu wollen, einem Haustier gleich, dann macht sie von vornherein klar: Gleichberechtigung ist hier nicht.

Es wird auch nicht wirklich besser im Laufe der Zeit, zumal Olla keine wirkliche Entwicklung aufzeigt. Der Kurzfilm, der 2019 in Cannes lief, besteht aus lauter Momentaufnahmen, welche die Erfahrungen der Titelfigur in der Fremde aufzeigen. Die können mal skurril sein, vielleicht sogar glücklich machen und sind doch alle zum Scheitern verurteilt. Die Unbeholfenheit beim Umgang zwischen Pierre und Olla, sie ist auch darauf zurückzuführen, dass beide nicht wirklich für dieses Arrangement geschaffen sind. Da sind oft schöne Bilder dabei, Labed arbeitet à la Roy Andersson (Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach) viel mit starren Einstellungen und Tableau-ähnlichen Aufmachungen – was ganz gut zu einem Film passt, der starre Rollenbilder, in welche Frauen gezwungen werden sollen, zum Thema hat.

Credits

OT: „Olla“
Land: Frankreich, UK
Jahr: 2019
Regie: Ariane Labed
Drehbuch: Ariane Labed
Musik: Coti K.
Kamera: Balthazar Lab
Besetzung: Romanna Lobach, Grégoire Tachnakian, Jenny Bellay

Trailer

Filmfeste

Cannes 2019
Telluride Film Festival 2019
Sundance 2020

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Olla
4.4 (88%) 5 Artikel bewerten

Olla
In ihrem Regiedebüt erzählt Ariane Labed von einem unscheinbaren Franzosen, der sich per Internet eine Ukrainerin nach Hause holt und vom kleinen Glück träumt. Der Kurzfilm „Olla“ hat trotz einer fehlenden Geschichte viel zum Thema starre Rollenbilder zu sagen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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