Kritik

Black 47

„Black ’47“ // Deutschland-Start: 14. Dezember 2018 (DVD/Blu-ray)

Nachdem er viele Jahre für die Briten gekämpft hat, kehrt der Soldat Martin Feeney (James Frecheville) wieder in seine irische Heimat zurück, doch das Irland, das er im Jahre 1847 vorfindet, ist ein Land, das er nicht mehr wiedererkennt. Tief geprägt durch die Große Hungersnot sind ganze Landstriche verlassen oder verelendet und die wenigen noch verbleibenden Einwohner werden von den Landbesitzern rücksichtslos ausgebeutet und mit Steuern belegt. Als nun auch noch seine Nichte Opfer eines solchen Landesherrn wird, schwört Feeney Rache zu nehmen an jenen Männern, die seine Familie auf dem Gewissen haben. Nach einer blutigen Auseinandersetzung mit der Royal Irish Constabulary, der königlich irischen Schutzpolizei, nimmt auch diese die Spur des ehemaligen Soldaten auf. Als Feeneys Rachefeldzug noch einige weitere Opfer nach sich zieht, wird dem in Ungnade gefallenen Kriegsveteran Hannah (Hugo Weaving), der mit Feeney zusammen in Afghanistan diente, die Mission gegeben, Feeney zu finden und unschädlich zu machen. Ihm zur Seite steht der arrogante Offizier Pope (Freddie Fox), der seinen Abscheu für die Iren zu jeder sich bietenden Gelegenheit zeigt und den Auftrag schnell über die Bühne bringen möchte. Während sich Pope seiner Sache sehr sicher ist, weiß Hannah, mit welch gefährlichem Gegner sie es bei Feeney zu tun haben, einem, der nicht zögert und der ihnen wahrscheinlich schon mehrere Schritte voraus ist.

Schwarzes Land
Jeder, der in Irland wohnt oder schon einmal für einige Zeit dort war, wird die Geschichte der Großen Hungersnot schon einmal gehört haben, der zwischen 1845 und 1849 nach Ausbleiben der Kartoffelernte tausende Menschenleben forderte und das Land nachhaltig prägte. Trotz der Bedeutung dieser Zeit für die Geschichte seines Heimatlandes wunderte es Regisseur Lance Daly (The Good Doctor – Tödliche Bedrohung), das vor Black 47 noch kein Film sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt hatte, auch wenn er sich der Schwierigkeit und der Verantwortung eines solchen Projekts durchaus bewusst war, wie er bei der Pressekonferenz zur Premiere des Films auf der Berlinale sagte. So funktioniert Black 47 als geradliniges Rachedrama auf der einen Seite, aber auch als ein Film über die tiefen Wunden, welche diese Zeit im Land und in den Menschen hinterlassen hat.

In der Geschichte des Großen Hungersnot gilt das Jahr 1847 als das schlimmste, was ihm im Volksmund den Beinamen „Black 47“ einbrachte. Schon nach wenigen Minuten, wenn Declan Quinns die karge winterliche Landschaft des Films einfängt, erhält man als Zuschauer einen bleibenden Eindruck von den Opfern, die diese Zeit forderte. Die noch verbleibenden Hütten sind teils ohne Dach und die wenigen Bewohner suchen alles ab, um an etwas Essbares zu kommen, während die Landesherren mit drakonischen Gesetzen und unter dem Schutzschirm der Regierung die Armen noch weiter ausbeuten, ihnen im wahrsten Sinne des Wortes noch das Dach ihres Hauses nehmen. In den Augen des Kriegsheimkehrers Feeney muss sich im Vergleich zu den Schlachten und Einsätzen, die er als Soldat mitmachte, wenig geändert haben, ist er doch von einem Krieg gleich in den nächsten gezogen. Man ist beinahe geneigt, diese Figur und ihre Geschichte mit der John Rambos gleichzusetzen, der bei seiner Rückkehr aus dem Vietnamkrieg auf ähnliche unwirtliche und ihm feindliche gesonnene Verhältnisse stieß.

Krieg, Hunger und Gerechtigkeit
Nicht nur anhand der Landschaft und der wenigen Bewohner lassen sich die Opfer von Krieg und Hunger ablesen. Blickt man in das Gesicht des von James Frecheville gespielten Feeney oder gar in die traurigen Augen Hugo Weavings als Hannah, erzählen alleine diese Bilder lange Geschichten über Elend, Tod und Gewalt, welche diese Männer wohl nie vergessen werden. Diese Erfahrungen machen beide zu Einzelgängern und Männern der Gewalt, die ihr Trauma gar nicht überwinden konnten, weil es sie in der Heimat einholt oder sie stets damit konfrontiert werden. Nun geht dieser Krieg weiter gegen einen neuen, schier unbesiegbaren Feind, der das Gesetz auf seiner Seite hat und gelassen zugibt, dass „die Sache mit der Kartoffelernte die Dinge bedeutend einfacher gemacht hat“, wie es einer der Landbesitzer sagt.

Credits

OT: „Black ’47“
Land: Irland
Jahr: 2018
Regie: Lance Daly
Drehbuch: PJ Dillon, Pierce Ryan, Eugene O’Brien, Lance Daly
Musik: Brian Byrne
Kamera: Declan Quinn
Besetzung: Hugo Weaving, James Frecheville, Stephen Rea, Freddie Fox, Barry Keoghan

Trailer

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Black 47
"Black 47" ist ein streckenweise sehr brutales, bedrückendes Rachedrama über eines der schlimmsten Jahre in der Geschichte Irlands. Neben den Bildern sind es vor allem Darsteller wie James Frecheville und Hugo Weaving, die nicht nur das Drama ihrer Figuren, sondern auch einer Zeit darstellen, die in Krieg und Gewalt zu ersticken droht und in der Menschlichkeit und Gnade seltene Güter sind.
8von 10

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Eine Antwort

  1. Martin Zopick

    1847 war wirklich ein schwarzes Jahr für Irland: Hungersnot und Zerstörung wüteten im Land, das unter der englischen Kolonialherrschaft besonders zu leiden hatte. Die englischen Großgrundbesitzer exportierten Weizen ins Mutterland. Die verarmte ländliche Bevölkerung verhungerte, weil aufgrund der Kartoffelfäule ein Grundnahrungsmittel weggefallen war. Die Landbesitzer richteten den Export hauptsächlich in Richtung England.
    In dieser äußerst prekären Situation kehrt Feeney (James Frecheville) in seine Heimat zurück. Er hatte in Afghanistan in der englischen Armee gedient, war desertiert und wollte zu Hause nach dem Rechten schauen. Seine Mutter war gestorben, sein Bruder gehängt, das Elternhaus unbewohnbar gemacht. Schwägerin Ellie (Sarah Green) und Neffe erfroren. Inspektor Hannah (Hugo Weaving) soll ihn finden und seiner Strafe zuführen. Im Dialog, der leider bei totaler Dunkelheit stattfindet, hören wir, dass beide Männer Kriegskameraden waren. Kameradschaft steht gegen Nationalität. Ob es an der Technik lag oder ob es Absicht war, weiß ich nicht. Nach einem gewaltsamen Auftritt bei Lord Kilmichael (Jim Broadbent) kämpfen beide auf derselben Seite gegen die Engländer. Das Verständnis der Handlung wird noch durch Lord Kilmichaels verbales Geschwurbel erschwert. Obwohl die Option nach Amerika auszuwandern im Raum steht, verweilen letztendlich einige Dörfler schweigend an einer Wegkreuzung. Sie leiden wohl total deprimiert vor sich hin, bis einer den erlösenden Satz sagt ‘Komm, gehen wir nach Haues!‘ Wo auch immer das sein soll.
    Gute Ansätze, technische Unzulänglichkeiten und ein offenes Ende. Bemerkenswert bleibt die Atmosphäre der trostlosen Armut, die den Zuschauer zwar optisch packt, aber emotional nicht weiter berührt.

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