Kritik

Upload Amazon Prime Video

„Upload“ // Deutschland-Start: 1. Mai 2020 (Amazon Prime Video)

Nathan Brown (Robbie Amell) galt als einer der kommenden Programmierer-Stars – bis er aufgrund einer fehlerhaften Technik in einen schweren Autounfall verwickelt wurde. Aber alles halb so wild. Anstatt sich auf die Operierkünste der Ärzte zu verlassen, überredet ihn seine Freundin Ingrid Kannerman (Allegra Edwards) dazu, sein Bewusstsein in die virtuelle Welt von Lake View hochzuladen, wo er sorgenfrei weiterleben kann, bis sie ihm dann ein paar Jahrzehnte später nachfolgt. Doch der Anfang ist schwer, immer wieder hadert Nathan mit den Grenzen und Willkürlichkeiten dieser neuen Welt. Glücklicherweise steht ihm aber Nora Antony (Andy Allo) von Kundendienst zur Seite, die ihm und anderen Bewohnern hilft, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden – was im Fall von Nathan jedoch zu neuen Schwierigkeiten führt …

Unser Leben ist heute komplett von der Technik bestimmt: Vom Einkauf über die Arbeitswelt bis hin zu Kommunikation oder anderen Formen des sozialen Miteinanders, es gibt fast keinen Bereich, der noch ohne auskommt. Da ist es nur allzu naheliegend, dass irgendwann auch der Tod dem folgen wird. Greg Daniels, der zuvor schon die Serie The Office mitentwickelt hatte und Stammautor bei Saturday Night Life und Die Simpsons war, kam auf die Idee, dieses Jenseits in Upload als eine Computersimulation anzulegen. Ein bisschen wie Die Sims damals also, nur dass hier eben niemand am Rechner sitzt, sondern als eine Art Virtual Reality direkt in Avatare schlüpft, die – mehr oder weniger – dem Bild der Verblichenen entsprechen.

Zwischen Leben und Tod
Ein weiterer Unterschied: Die Verstorbenen können nach wie vor mit den Lebenden interagieren, sei es über Nachrichten oder Projektionen. Wer noch mehr will, schlüpft in einen bestimmten Anzug, eine Weiterentwicklung der derzeitigen Virtual Reality Ausrüstung, die noch mehr Gefühl und Immersion erlaubt. Upload ist jedoch kein bewunderndes Gedankenspiel, der Traum von einer idealen Zukunft, in der die Grenzen zwischen Leben und Tod aufgehoben sind, jeder unsterblich werden kann. Vielmehr geht die Serie durchaus kritisch mit dem Thema um, erzählt von einer zunehmenden Kommerzialisierung. Und auch die Schere zwischen Arm und Reich wird noch kräftig weiter aufgehen: Nur wer genügend Geld hat, kann sich dieses Jenseits leisten. Und selbst innerhalb der Gruppe der Überlebenden gibt es große Klassenunterschiede.

Daniels macht daraus aber keine düstere Dystopie, nutzt stattdessen Humor, um auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Teilweise ist das schön satirisch, etwa wenn es um In-Game-Käufe geht, um aufdringliche Werbung oder auch minderwertige Unterhaltungsformen, die erst per Upgrade wirklich nutzbar sind. Manchmal zieht er eher alberne Witze vor, sei es bei der Veränderbarkeit des Aussehens oder einer künstlichen Intelligenz, die als Running Gag überall auftaucht. Nicht jeder Einfall davon zündet, aber es sind doch genügend vorhanden, um sich davon gut unterhalten lassen zu können – auch weil das Ensemble mitspielt: Die Nebenfiguren sind bewusst als Stereotypen angelegt und dürfen diese nach Herzenslust ausleben.

Oberflächlicher, aber spaßiger Blick in die Zukunft
Allerdings wollte Daniels mehr mit seiner Serie erreichen und machte aus Upload eine Mischung aus Komödie, Science-Fiction, Romanze und Mystery. Das ist recht viel, zumal die zehn Folgen der ersten Staffel meist etwa dreißig Minuten lang sind. Entwicklungen werden deshalb abgekürzt, gerade die aufkommenden Gefühle zwischen Nathan und Nora werden im Schnelldurchlauf etabliert, anstatt etwas zu vertiefen. So ungewöhnlich die Geschichte und das Szenario teilweise sind, an anderen Stellen wird es umso konventioneller. Und umso kommerzieller, was bei einer Serie, die eben diese Kommerzialität und Oberflächlichkeit anprangert, ein wenig verlogen wirkt.

Spaß macht die Amazon Studios Produktion aber durchaus, bietet zwischendurch auch einiges an Stoff, über den es sich nachzudenken lohnt. Die ethischen Dimensionen einer solchen Unsterblichkeit werden gestreift, die Frage nach einem religiösen Jenseits gestellt, das kaum mit dem technologischen zu vereinen ist. Gegen Ende darf man auch darüber nachgrübeln, inwiefern Erinnerungen einen Menschen definieren. Zusammen mit den schönen Bildern gibt es also genügend Gründe, hier einmal hineinzuschauen, zumal Daniels einen recht unerwarteten Cliffhanger einbaut, der Lust auf eine zweite Staffel macht. Upload ist gleichzeitig willkommene Zerstreuung und doch auch ein hübsch polierter Spiegel für aktuelle Entwicklungen.

Credits

OT: „Upload“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Greg Daniels, Jonathan van Tulleken, Kacie Anning, David Rogers, Jeffrey Blitz, Daina Reid
Drehbuch: Greg Daniels, Mary Gulino, Aasia Lashay Bullock, Mike Lawrence, Shepard Boucher, Owen Daniels, Alex Sherman, Alyssa Lane
Idee: Greg Daniels
Musik: Joseph Stephens
Kamera: Simon Chapman, Amy Vincent
Besetzung: Robbie Amell, Andy Allo, Allegra Edwards, Zainab Johnson, Kevin Bigley

Bilder

Trailer

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Upload – Staffel 1
Der Tod ist das Ende? Nicht in „Upload“: Die Serie erzählt von einer Zukunft, in der Menschen ihr Bewusstsein in spezielle virtuelle Welten übertragen können, um dort weiterzuleben. Schön ist die neue Welt aber nur nach außen hin, die Geschichte macht sich vielmehr über aktuelle Entwicklungen der Technikabhängig lustig – mal satirisch, mal albern. Hinzu kommen Mysteryelemente und eine Romanze, was etwas zu viel ist für die kurze Laufzeit.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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