Kritik

Um Klassen besser Wont back down

„Um Klassen besser“ // Deutschland-Start: 26. Juli 2013

Jamie Fitzpatrick (Maggie Gyllenhaal) hat es nicht einfach im Leben. Wenn sie nicht gerade einem ihrer verschiedenen Jobs nachgeht, versucht sie als alleinerziehende Mutter ihrer Tochter Malia (Emily Alyn Lind) alles zu ermöglichen. Und so kann sie es nicht einfach hinnehmen, als sie von deren schlechten Noten und den Zuständen an der Schule erfährt. Zusammen mit der Lehrerin Nona Alberts (Viola Davis) will sie das System ändern, mehr für die Kinder herauszuholen. Eine Zeit lang scheinen sie damit Erfolg zu haben, auch privat sieht es gut aus, als Jamie mit dem attraktiven Lehrer Michael Perry (Oscar Isaac) anbandelt. Doch der Widerstand ist groß: Lehrer-Gewerkschafts-Präsidentin Evelyn Riske (Holly Hunter) und Direktor Thompson (Ving Rhames) tun alles dafür, die Bewegung schon im Keim zu ersticken …

Bildung ist das A und O im Leben, nur wer früh alles Notwendige lernt, wird später einmal etwas erreichen können – darüber sind sich fast alle einig. Wenig einig ist man sich aber, was dieses Notwendige nun ist und wie man es schafft, dass die Kinder das auch wirklich lernen. In Deutschland war 2001 der Schock groß, als die Ergebnisse der PISA Studie veröffentlicht wurden. Aber auch in anderen Ländern ringt man immer wieder mit dem richtigen Weg. Denn irgendwie mangelt es immer an genügend Lehrern und Lehrerinnen, mangelt es an Materialien, manchmal auch an dem Willen, sich von den alten Vorgaben zu lösen und vielleicht einmal neue Wege auszuprobieren.

Einseitige Einteilung in gut und schlecht
Gerade der letzte Punkt war Daniel Barnz, der bei Um Klassen besser Regie führte und zusammen mit Brin Hill das Drehbuch schrieb, ganz offensichtlich auch eine echte Herzensangelegenheit. Basierend auf einer wahren Geschichte erzählen sie, wie Eltern schlechte Schulen nicht einfach hinnehmen müssen, sondern sich direkt einbringen konnten – bis hin zur Quasiübernahme. Das klingt erst einmal plausibel. Wenn eine Einrichtung nichts taugt und die Kinder nichts lernen, warum sollte man das alles dauerhaft hinnehmen? Und wie wenig die hier gezeigte Schule geeignet ist, jungen Menschen zu helfen, das macht der Film schon in den ersten Minuten klar. Malia, offensichtlich mit dem Lesen überfordert, erhält keinerlei Unterstützung durch die desinteressierte Lehrerin, auch der Spott der Mitschüler juckt sie nicht weiter.

Und besagte Lehrerin ist keine Ausnahme, ist nicht der einzige faule Apfel. Um Klassen besser versammelt einen ganzen Haufen von Figuren, deren einziger Sinn und Zweck der ist, das Projekt von Jamie und Nona zu rechtfertigen. Mal ist es Trägheit, die dazu beiträgt, dass an der Schule nichts klappt. Andere sind vielmehr stocksteif und halten sich an Paragrafen. Dann wiederum gibt es Leute, die mehr oder weniger als Bösewichte eingeführt werden und die schon aus Prinzip alles und jeden bekämpfen, die es gut meinen. Das hilft dem Publikum natürlich, sich für die „richtig“ Seite zu entscheiden. Die wenigen mahnenden Worte, dass gute Absichten nicht automatisch gute Ergebnisse mit sich bringen, die werden eher aus Pflichtgefühl eingebaut und danach schnell beiseite gewischt.

Tolle Schauspielerinnen zum Klassenerhalt
Ohnehin ist inhaltlich hier einiges fragwürdig. Die tragischen Vorgeschichten, welche gegen Ende aus dem Hut gezaubert werden, sind schon etwas billig und manipulativ. Oscar Isaac als nichtssagendes Love Interest einzuführen, mit einem Kommentar zu seinem Hintern auch noch, gehört ebenfalls dazu: Nur weil Hollywood eine lange sexistische Tradition hat, Frauen als hübsche Hintergrunddeko zu missbrauchen, muss man das nicht auch noch mit Männern anfangen – zumal die ansonsten in Um Klassen besser zum Feindbild degradiert werden. Wenigstens bei Malia gab man sich ein bisschen Mühe, machte aus ihr nicht allein ein niedliches Mädchen. Vielmehr darf die ihrem Alter entsprechend auch richtig anstrengend sein, gut verkörpert von der Jungschauspielerin Emily Alyn Lind.

Aber es sind vor allem die Leistungen ihrer älteren Kolleginnen, die Um Klassen besser dann doch noch die Versetzung in die Mittelstufe ermöglichen. Maggie Gyllenhaal (The Kindergarten Teacher) überzeugt als Mutter, die für ihr Kind Berge versetzt und das Unmögliche möglich macht. Auch Viola Davis (Widows – Tödliche Witwen) darf nach anfänglichem Zögern wieder vollen Einsatz zeigen, egal ob es nun gerade auf Konfrontationskurs geht oder wir im Persönlichen unterwegs sind. Aufgrund der eindeutig verteilten Sympathien wird der Film so zu einer Art Wohlfühldrama, das dem Publikum wieder Hoffnung gibt und etwas inspirieren möchte. Wer ein solches sehen möchte und keinen großen Wert auf Details legt oder eine tatsächliche inhaltliche Auseinandersetzung, der könnte hiermit glücklich werden. Um dem wichtigen Thema gerecht zu werden, ist es jedoch zu oberflächlich.

Credits

OT: „Won’t Back Down“
Land: USA
Jahr: 2012
Regie: Daniel Barnz
Drehbuch: Daniel Barnz, Brin Hill
Musik: Marcelo Zarvos
Kamera: Roman Osin
Besetzung: Maggie Gyllenhaal, Viola Davis, Holly Hunter, Oscar Isaac, Rosie Perez, Emily Alyn Lind, Ving Rhames

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Um Klassen besser
„Um Klassen besser“ erzählt von einer Mutter, die für ihre Tochter um eine bessere Erziehung kämpft. Der Film ist dabei als inspirierendes Wohlfühldrama angelegt, das es sich aufgrund einseitiger Figuren und mangelnder inhaltlicher Auseinandersetzung recht einfach macht. Die tolle Besetzung macht das zum Teil wieder wett, zur Aufmunterung reicht es, wirklich gerecht wird es dem Thema aufgrund der Oberflächlichkeit aber kaum.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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