Kritik

Robo

„Robo“ // Deutschland-Start: 24. April 2020 (DVD/Blu-ray)

Freunde hat Mitya (Daniil Izotov) eher weniger, gerade an der Schule tut sich der 12-Jährige, der am liebsten Comics zeichnet, recht schwer. Aber auch das Verhältnis zu seinen Eltern könnte besser sein: Viktor (Vladimir Vdovichenkov) und Nadya (Mariya Mironova) arbeiten unentwegt an ihrem Roboter, der Menschen in Notsituationen helfen soll, und haben deswegen kein Ohr für die Wünsche und Sorgen ihres Sohnes. Zumal sie bald ganz eigene Sorgen haben. Nicht allein, dass ihr Roboter beim entscheidenden Test völlig versagt und das Projekt deshalb abgesagt werden soll. Er büxt auch noch aus dem Labor aus, um seine Familie zu finden, und trifft dabei ausgerechnet auf Mitya …

Ob das der Beginn eines neuen Space Race ist? Zumindest ist es auffällig, wie viele Science-Fiction-Filme in den letzten Jahren in Russland produziert wurden, die sich sehr offen an dem orientieren, was in Hollywood los ist. So unterschiedlich die einzelnen Titel auch waren, so deutlich sind doch die jeweiligen Vorbilder zu erkennen. Mit dem Außerirdischen-Drama Attraction stand zumindest visuell Independence Day Pate, auch wenn die eigentliche Invasion budgetbedingt gestrichen werden musste. Im Fall des surrealen Abenteuers Coma ist es nahezu unmöglich, keine Vergleiche zu Inception zu ziehen. Und auch Robo kommt einem an vielen Stellen doch sehr bekannt vor.

Man muss nicht den Robo neu erfinden
Bumblebee und Nummer 5 lebt! kommen einem natürlich in den Sinn, wenn von jungen Menschen und ihren Freundschaften zu einem Roboter die Rede ist. Im Film selbst wird auf Chappie und WALL·E – Der letzte räumt die Erde auf verwiesen, wenn es darum geht, einen Namen für den Roboter zu finden – bis man sich auf Robo einigt. Diese Namensgebung zeugt nicht unbedingt von einer größtmöglichen Kreativität, gerade auch von einem Jungen, der Comics zeichnen möchte und deshalb über mehr Fantasie verfügen sollte. Andererseits: Der gesamte Streifen sieht sich selbst nicht in der Pflicht, eine völlig neue Geschichte zu entwerfen und das Publikum irgendwie überraschen zu wollen.

Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass dieses besagte Publikum hier deutlich jünger angesetzt ist als bei den obigen Sci-Fi-Kollegen Russlands. Ein 12-Jähriger, der nicht viele Freunde hat, sich von seinen Eltern unverstanden fühlt und seinen Platz in dieser Welt sucht – das spricht natürlich einigen aus der Seele, denen es in dem Alter ganz ähnlich geht. Auch die Sehnsucht nach Abenteuern und Aufregung ist mehr als verständlich, die Hoffnung in irgendeiner Form aus dem derzeitigen wenig beglückenden Leben ausbrechen zu können. Und mal ehrlich: Wer hätte sich in dem Alter nicht darüber gefreut, mit einem großen Roboter befreundet zu sein, in dem Glauben, dass man selbst dadurch ein klein wenig cooler ist?

Süßer Film für ein junges Publikum
Wobei man daraus keinen Anspruch ableiten sollte, dass Robo tatsächlich etwas Cooles tut. Die eine oder andere Action-Szene gibt es zwar schon, zum Ende soll er als missverstandene Maschine auch zerstört werden, was für ein bisschen Zusatzdramatik sorgt. Ansonsten aber ist der russische Film in erster Linie darauf aus, ein bisschen die Herzen zu berühren. Das ist dann auch alles süß, die Geschichte einer Mensch-Maschine-Freundschaft mag alles andere als visionär sein, aber sie funktioniert. Ein einsamer Junge und ein zu Unrecht verfolgter Roboter finden zum ersten Mal in ihrem Leben einen Freund, da kann man kaum etwas Schlechtes darüber sagen.

Überraschend gut ist sogar die Optik, zumindest in Hinblick auf die Titelfigur. Natürlich sind auch hier die Ansprüche etwas geringer, der Roboter muss auch gar nicht so wahnsinnig viel tun. Aber das Design gefällt, das ist alles sauber umgesetzt. Man kann sich das Ergebnis daher gut anschauen, während beispielsweise der Nachwuchs daneben sitzt und sich über kleine Gags freut. Und natürlich darüber, dass am Ende die Kids Recht hatten und nicht die Erwachsenen, die vergessen haben, wie man anderen zuhört. Auch die eher pazifistische Grundaussage geht völlig in Ordnung. Es gibt dann zwar keinen zwingenden Grund, warum man sich unbedingt Robo anschauen sollte anstatt der ähnlich gestimmten Konkurrenz. Aber es gibt eben auch keinen Grund, das nicht tun zu können.

Credits

OT: „Robo“
Land: Russland
Jahr: 2019
Regie: Sarik Andreasyan
Drehbuch: Aleksey Gravitskiy, Sergey Volkov
Kamera: Kirill Zotkin
Besetzung: Daniil Izotov, Vladimir Vdovichenkov, Mariya Mironova, Konstantin Lavronenko

Bilder

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Robo
Ein einsamer, missverstandener Junge freundet sich mit einem Roboter an, der eine Familie sucht. „Robo“ steht bewusst in der Tradition anderer Familienfilme und versucht auch nicht so wirklich, sich von dieser zu lösen. Das Ergebnis ist deshalb etwas beliebig, aber doch auch irgendwie süß und gibt der jungen Zielgruppe genug, um sich darin wiederfinden zu können.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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