Kritik

End of Watch

„End of Watch“ // Deutschland-Start: 20. Dezember 2012 (Kino) // 11. April 2013 (DVD/Blu-ray)

Im Rahmen eines Studienprojekts beschließt der Streifenpolizist Brian Taylor (Jake Gyllenhaal), seinen Alltag sowie den seines Kollegen und besten Freundes Miguel Zavala (Michael Peña) zu filmen. Schon seit langer Zeit sind die beiden Partner und ihr Revier ist South Central Los Angeles, ein sozialer Brennpunkt, in dem Drogenkriminalität und die Banden das Sagen haben, sodass beide schon einmal ihre Waffen zücken mussten. So begleitet Brians Kamera, sehr zum Missmut seiner Kollegen, nicht nur die alltägliche Streife, sondern auch die morgendliche Dienstbesprechung sowie die sporadischen Streiche, die sie ihren Kollegen spielen. Neben diesen Aspekten und ihren Unterhaltungen über Frauen, die Ehe und Sex, fängt die Kamera auch ein, wie die beiden Polizisten zunächst über die Überprüfung einer Ruhestörung und dann wieder bei einer Routinekontrolle eines Wagens nicht nur den Pfad einer Gang kreuzen, sondern bald im Fadenkreuz eines Kartells landen.

Mein Partner und ich
Durch seine Arbeit als Drehbuchautor für Filme wie Training Day sowie seine Projekte als Regisseur gilt der US-Amerikaner David Ayer als Spezialist für modernes Actionkino, welches einen bisweilen überdeutlichen Bezug zur Realität der ärmeren Regionen seiner Heimat aufweist. Im Falle von End of Watch, dessen Skript Ayer nach eigenen Angaben binnen weniger Tage schrieb, wollte er sich vor allem auf die Freundschaft der beiden Hauptcharaktere konzentrieren und so eine persönlichere Geschichte erzählen, weshalb Teile des Films im Stile des „found footage“-Formats gedreht wurden. Entstanden ist dabei ein Film, der gerade über seine beiden Hauptcharaktere eine packende Geschichte über jene Menschen erzählt, die sich tagtäglich mit Verbrechen befassen und wie sie zwischen dem Beruf und ihrem Privatleben zu trennen versuchen.

Im Gegensatz zu jenen Gesetzeshütern, die Ayer in Filmen wie Street Kings oder seinen Drehbüchern zu Dark Blue thematisiert, sind die von Michael Peña und Jake Gyllenhaal gespielten Figuren von ganz anderer Natur. End of Watch ist über weite Strecken ein „buddy movie“, eine Geschichte, die besonders durch die überzeugend gespielte Chemie der beiden Hauptfiguren zu unterhalten weiß. Die Kaskaden infantiler Sprüche wie auch die Streiche, die sie ihren Kollegen spielen oder das Getratsche über den überkorrekten Van Hauser (David Harbour) geben ihnen eine gewisse Unschuld oder zumindest den Anschein einer solchen. Andererseits können beide auch blitzschnell umschalten, Absprachen treffen und eine Festnahme koordinieren, was ihrer Partnerschaft eine vertrauensvolle Ebene gibt.

Neben den fast episodenhaft erzählten Einsätzen erhält man einen Einblick in ihr Privatleben, ihre Beziehungen und ihre Gedanken zur Partnerschaft, die gleichzeitig ernst ist und immer wieder durchbrochen wird von lockeren Sprüchen. Über seine Laufzeit kreiert Ayer für den Zuschauer einen Bezug zu diesen beiden Figuren, sodass man zugleich immer mehr mitfiebert und sich um das Wohlergehen der beiden sympathischen Figuren sorgt.

Der Alltag eines Polizisten
Nur die Fensterscheiben ihres Autos trennen die beiden Polizisten von der „Welt da draußen“, auf welche die Kamera hin und wieder einen Blick wirft. Wie in seinen vorherigen Filmen beweist Ayer ein sicheres Gefühl für die Orte, in denen sich die Handlung abspielt, was sich nicht zuletzt in der Gestaltung der Innenräume, der dreckig-düsteren Absteigen oder der Helligkeit des Polizeireviers, zeigt. Das Innere des Streifenwagens ist jener letzte Ort, an dem man sich sicher wähnt, wobei der Blick immer wieder nach draußen schweift in eine Art Parallelwelt, die von der Kamera als undurchsichtig, wild und brutal dargestellt wird. Wie im Dschungel regieren hier die Starken, die mit den Waffen und den Drogen, wobei die Schwachen, jene, für die Taylor und Zavala einstehen, meistens die Opfer sind.

Indem Ayer und Kameramann Roman Vasaynov wiederholt auf tragbare Kamera setzen, wird die Authentizität des Geschehens nochmals betont, wirkt bisweilen wie ein Mitschnitt aus jenen „Reality TV“-Formaten, in denen Polizisten auf Streife gehen. Gerade in den Actionszenen wie den Verfolgungsjagden unterstreicht dieser Aspekt jene Unmittelbarkeit der Ereignisse, die Idee, das zu jeder Zeit etwas passieren kann und man trotz einer Dienstmarke sich nicht sicher sein kann und darf.

Credits

OT: „End of Watch“
Land: USA
Jahr: 2012
Regie: David Ayer
Drehbuch: David Ayer
Musik: David Sardy
Kamera: Roman Vasyanov
Besetzung: Jake Gyllenhaal, Michael Peña, Anna Kendrick, Natalie Martinez, America Ferrera, Frank Grillo, David Harbour

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Film Independent Spirit Awards 2013 Beste Nebenrolle Michael Peña Nominierung
Beste Kamera Roman Vasyanov Nominierung

Filmfeste

Toronto International Film Festival 2012
Zurich Film Festival 2012

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End of Watch
„End of Watch“ ist ein packend erzählter Polizeithriller über den Kampf gegen das Verbrechen, wie dieses eine Stadt kontrolliert und darüber, wie jene Gesetzeshüter ihre Menschlichkeit bewahren. Auch wenn David Ayers Streifen gewisse Längen hat, überzeugt er insbesondere durch das Spiel seiner zwei Hauptdarsteller sowie ihrer glaubhaften Chemie, welche den Film angenehm erdet.
8von 10

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