Kritik

„Ashfall“ // Deutschland-Start: 5. Juni 2020 (DVD/Blu-ray)

Nach einem verheerenden Ausbruch des Vulkans Baekdusan sind weite Teile Nord- und Südkoreas zerstört. Zum Aufatmen nach der Katastrophe bleibt kaum Zeit, denn Seismologen, wie der einst wegen seiner Theorien verspottete Bong-rae Kang (Dong-seok Ma ), prophezeien noch weitere Beben, von denen eines, nämlich das letzte, über 40 Prozent beider Länder zerstören wird. Die südkoreanische Regierung plant daraufhin eine Geheimoperation, die im Norden die letzten sechs Atomsprengköpfe stehlen soll und durch eine gezielte Explosion in den Minen um den Vulkan die Katastrophe im letzten Moment abwenden soll. Leiter des Einsatzteams ist Sprengstoffexperte In-chang Jo (Jung-woo Ha), der eigentlich froh war, seine letzten Tage im Job zu verleben und sich bald ganz seiner Familie widmen zu können. Als Jos Team in der Nähe der Grenze landet, ist ihre erste Aufgabe den inhaftierten Spion Joon-pyeong Lee (Byung-hun Lee) aus einem Militärgefängnis zu befreien, da er wichtige Informationen zum genauen Standort der Bomben hat. Lee hat allerdings ganz eigene Pläne und Motive, womit er sich für Jos Teams als unberechenbarer Mitstreiter beweist, bei dem sie sich nie sicher sind, ob er für sie oder gegen sie ist. Doch dies ist nur ein weiteres Problem für das Team, denn neben den Nachbarn aus Nordkorea hat auch die US-Armee vom Plan der Südkoreaner erfahren und möchte um alles in der Welt eine Atomexplosion, welche die Beziehungen zu China gefährden könnte, verhindern.

Im Wettlauf gegen den Vulkan
Alleine aus kommerzieller Sicht dürften die Regisseure und Drehbuchautoren Hae-jun Lee und Byung-seo Kim mit ihrer Kollaboration Ashfall sehr zufrieden sein. Nach nur vier Tagen konnte der Film in ihrem Heimatland vier Millionen Besucher verzeichnen, was nicht zuletzt an der Besetzung liegen dürfte, die mit Byung-hun Lee (Inside Men – Die Rache der Gerechtigkeit, I Saw the Devil), Jung-woo Ha (Chaser, Die Taschendiebin) und Dong-seok Ma (The Gangster, the Cop, the Devil) einige auch international sehr bekannte Darsteller vereint. Herausgekommen ist dabei ein waschechter Blockbuster, der nicht nur schauspielerisch, sondern auch auf technischer Ebene problemlos den Vergleich mit Hollywood suchen darf.

Dass das südkoreanische Kino mit seinen herausragenden Genrebeiträgen auch im Westen auf dem Vormarsch ist, dürfte jedem Filmfan ein Begriff sein. Doch spätestens seit dem Oscargewinn von Joon-ho Bongs Parasite zeigt sich, auch welche teils kritischen Blick das Kino des Landes auf die sozio-politische Landschaft der Heimat wirft, auf Klassenunterschiede sowie die problematischen Beziehungen zu Nordkorea. Diese liefern auch das Fundament für die Geschichte zur Ashfall, der den Prozess der Denuklearisierung des Nordens an den Anfang setzt und der international naturgemäß als positives Signal gedeutet wird. Jedoch bringt die Katastrophe wieder jene Spannungen zum Tragen, welche die Beziehungen der beiden Länder schon immer problematisch machte. Metaphorisch hierfür steht der Konflikt der von Byung-hun Lee und Jung-woo Ha gespielten Figuren, die es nicht schaffen, für eine gemeinsame Sache zu kämpfen und deren Beziehung von Misstrauen und Verrat geprägt ist. Doch auch im größeren Rahmen, durch die Einmischung der USA sowie China, deutet Hae-juns Lee und Byung-seo Kims Skript die Verstrickungen der Katastrophe an, wobei sich das erwähnte Verhältnis und dessen Eigenschaften spiegeln.

Nur Taten gelten, Worte verhallen
Während sich das Drehbuch in den bereits genannten Verstrickungen bisweilen etwas verheddert, ist es gerade das Ensemble, welches Ashfall eine angenehme, immer wieder nötige Erdung gibt. Die bereits erwähnten Byung-hun Lee und Jung-woo Ha funktionieren nicht nur als Gegenpole, als Vertreter einer Ideologie, sondern haben auch eine menschliche Seite, welche das Drehbuch in ihrer Familie verankert und in Lees Obsession mit einer südkoreanischen Fernsehserie, deren Ende er wegen seiner Inhaftierung nicht mehr sehen konnte. Jedoch ist es gerade Jung-woo Has Charakter, der die wohl größte Entwicklung durchmacht und der anfangs angesichts der Dimensionen seiner Aufgabe völlig überfordert ist. In gewisser Weise wirkt er wie das südkoreanische Pendant zu Kristoffer Joners Figur in Roar Uthaugs The Wave – Die Todeswelle. Beide werden in eine Heldenposition gedrängt, die sie eigentlich gar nicht ausfüllen wollen.

Wie um die Dimensionen dieser Aufgabe zu betonen, geizt Ashfall nicht mit eindrucksvollen Efekten, wobei vor allem die Anfangssequenz, in welcher In-chang Jo vom ersten Erdbeben überrascht wird und sich einen Weg durch die Zerstörung bahnen muss, besonders lobend zu erwähnen ist.

Credits

OT: „Baekdusan“
Land: Südkorea
Jahr: 2019
Regie: Hae-jun Lee, Byung-seo Kim
Drehbuch: Hae-jun Lee, Byung-seo Kim
Kamera: Ji-yong Kim
Besetzung: Byung-hun Lee, Jung-woo Ha, Dong-seok Ma, Suzy Bae, Hye-jin Jeon

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Ashfall
3.8 (76%) 15 Artikel bewerten

Ashfall
"Ashfall" ist ein sehr gelungener Blockbuster aus Südkorea. Neben seinem namhaften Ensemble und den tollen Effekten gelingt Hae-jun Lee und Byung-seo Kim vor allem die Erdung der Handlung ihres Films, der keinesfalls zum bloßen Effektgewitter verkommt, sondern im Gegenteil auch einiges über die Beziehungen zwischen Südkorea und seinem Nachbarn im Norden zu sagen weiß.
8von 10

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