Kritik

Dirty Rotten Scoundrels Zwei hinreißend verdorbene Schurken

„Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ // Deutschland-Start: 24. August 1989 (Kino) // 13. Februar 2020 (Blu-ray)

Hier mal eine kleine Lüge, dort eine Betrügerei – dem amerikanische Charmeur Freddy Benson (Steve Martin) ist so ziemlich jedes Mittel recht, wenn es darum geht, Frauen um ihr Geld zu erleichtern. Dabei lernt er eines Tages während einer Zugfahrt nach Südfrankreich den Briten Lawrence Jamieson (Michael Caine) kennen, der seinerseits ganz gut davon lebt, Frauen übers Ohr zu hauen. Zwei solcher Schwindler an einem Ort, das kann natürlich nicht gut gehen. Anfangs versuchen sich die beiden noch zu arrangieren, geraten dabei jedoch schnell aneinander. Und so einigen sie sich auf einen Deal: Wem es als erstes gelingt, Janet Colgate (Glenne Headly) 50.000 Euro abzuknöpfen, dem soll das Jagdgebiet von Beaumont-sur-Mer an der französischen Riviera gehören. Der andere hingegen muss den Ort verlassen und woanders sein Glück versuchen …

Manche Geschichten sind so gut, dass man sie gerne mehrfach erzählen kann – mit einem gewissen zeitlichen Abstand wohlgemerkt. Der erste Auftritt der beiden wetteifernden Betrüger war bereits im Jahr 1964 in Zwei erfolgreiche Verführer, damals mit Marlon Brando und David Niven in den Hauptrollen. Die neueste Variante stammt aus dem Jahr 2019, arbeitete jedoch mit vertauschten Geschlechterrollen: In Glam Girls waren es Anne Hathaway und Rebel Wilson, die konkurrierende Schwindlerinnen gaben. Dazwischen lag die 1988 veröffentlichte Komödie Zwei hinreißend verdorbene Schurken. Und auch hier gab es mit Steve Martin und Michael Cain eine überaus prominente Besetzung.

Der komische Kampf zweier Gauner-Egos
Das zeigt natürlich, wie zeitlos ein solches Konzept ist und wie leicht es sich anpassen lässt. Betrügerische Menschen gibt es schließlich immer, leichtgläubige Menschen ebenfalls. Es braucht nur das notwendige Auftreten, dazu eine gute Masche, die entweder an das Mitgefühl der anderen appelliert, an deren Pflichtgefühl oder auch deren Gier. Wer die Schwächen der anderen kennt, der kann sie auch ausnutzen. Dass Freddy und Lawrence auf diese Weise zu Konkurrenten werden, ist verständlich. Schließlich ist der Pool an Frauen und damit der an Geld begrenzt. Da kommt es unweigerlich zu Verteilungskämpfen, die in Zwei hinreißend verdorbene Schurken aber auch mit dem Kampf von zwei Egos einhergehen. Schließlich wollen beide beweisen, dass sie besser sind.

Es ist aber nicht allein das gemeinsame Ziel, das zu Reibungen führt. Vielmehr besteht der Humor in Zwei hinreißend verdorbene Schurken auch darin, dass die beiden Titel-Gauner sehr unterschiedlich sind. Während Lawrence sehr vornehm auftritt, sich als Prinz im Exil ausgibt, teure Anzüge trägt und in einer luxuriösen Villa lebt, ist Freddy der eher bodenständige Typ, der mehr mit seinem guten Aussehen hausieren geht, sich gerne locker gibt und von einem Tag zum nächsten lebt, ohne größere Ambitionen zu verfolgen. Und natürlich wird hierbei genüsslich mit Klischees gespielt: Der Brite ist ein vornehmer Snob, der Ami ein billiges Großmaul.

Gleich und doch nicht gleich
Die Komödie lebt dann auch maßgeblich von dem Wechselspiel der beiden Figuren bzw. der jeweiligen Darsteller. Und es macht auch tatsächlich Spaß mitanzusehen, wie Caine und Martin sich gegenseitig bekriegen, versuchen einander Fallen zu stellen und selbst in die blödesten Rollen schlüpfen, so lange sie am Ende nur ihr Geld erhalten. Das ist dann mitunter ziemlich albern, an manchen Stellen auch etwas anstrengend, etwa wenn Freddy von Lawrence in eine sehr undankbare Position gezwungen wird. Dabei wird eher auf einen visuellen Humor gesetzt, auf der sprachlichen Ebene funktioniert in Zwei hinreißend verdorbene Schurken wenig. Die Geschichte selbst ist ohnehin sehr simpel, muss ohne die ausgeklügelten Pläne auskommen, die man im Heist-Movie-Bereich so findet.

Aber so etwas darf zwischendurch ja auch mal sein. Frank Oz, der als Puppenspieler/Sprecher bei den Muppets bzw. als Yoda von Star Wars berühmt wurde und später mehrfach Regie führte – etwa bei Bowfingers große Nummer – hat hier eine wenig anspruchsvolle, aber unbeschwerte Komödie abgeliefert. Dabei sind nicht nur die besagten Schauspielerleistungen Stärken des Films, auch das reizvolle Südfrankreich-Setting und die nostalgische Stimmung tragen dazu bei, dass man den Film über dreißig Jahre später immer noch gut anschauen kann. Selbst wenn beide natürlich Verbrecher sind, so ist die Komödie doch das Überbleibsel aus irgendwie unschuldigeren, weniger zynischen Zeiten.

Credits

OT: „Dirty Rotten Scoundrels“
Land: USA
Jahr: 1988
Regie: Frank Oz
Drehbuch: Dale Launer, Stanley Shapiro, Paul Henning
Musik: Miles Goodman
Kamera: Michael Ballhaus
Besetzung: Steve Martin, Michael Caine, Glenne Headly, Anton Rodgers

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Golden Globe Awards 1989 Bester Hauptdarsteller – Musical oder Komödie Michael Caine Nominierung

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Zwei hinreißend verdorbene Schurken
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Zwei hinreißend verdorbene Schurken
In „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ treffen zwei Gauner aufeinander, die dasselbe Ziel verfolgen, dabei jedoch unterschiedlicher nicht sein könnten. Das macht viel Spaß, auch der prominenten Besetzung wegen, wenn sich die beiden gegenseitig austricksen wollen. Der Humor und die Geschichte sind dabei jedoch relativ simpel, die Komödie lebt von visuellen Gags und idiotischen Rollen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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