Kritik

Tank Girl

„Tank Girl“ // Deutschland-Start: 22. Juni 1995 (Kino) // 27. Februar 2020 (DVD/Blu-ray)

Im Jahr 2033 ist von der Menschheit, wie wir sie kannten, nicht so wahnsinnig viel übrig geblieben. Schuld daran ist ein Meteor, der einige Jahre zuvor auf die Erde einschlug und damit eine Trockenheit auslöste, die noch immer andauert. Wasser ist ein wertvolles Gut geworden, um das auch schon mal mit Waffengewalt gekämpft wird. Aber es bedeutet eben auch eine große Chance für denjenigen, der es kontrolliert. Und das ist Kesslee (Malcolm MacDowell), der mit seiner Firma ein fast vollständiges Monopol hat. Lediglich das „Tank Girl“ Rebecca (Lori Petty) hält noch unbeirrt dagegen, weshalb der Unternehmer sie gefangen nimmt und dazu zwingen will, für ihn zu arbeiten. Doch gemeinsam mit der Pilotin Jet Girl (Naomi Watts) gelingt es ihr, während eines Angriffs zu entkommen und den Kampf gegen den Unterdrücker wiederaufzunehmen …

Nachdem in den letzten Jahre, Marvel und DC sei Dank, Comic-Adaptionen die Kinolandschaft dominieren, suchen die Filmstudios verzweifelt nach dem nächsten großen Franchise, um vom Kuchen ein saftiges Stück abzubekommen. Insofern ist es wenig verwunderlich, als letzten Herbst bekannt wurde, dass an einem Reboot von Tank Girl gearbeitet wird. Superheldinnen hatten schließlich, allen Unkenrufen zum Trotz, mächtig Kasse gemacht, Wonder Woman und Captain Marvel haben so manchen männlichen Kollegen ziemlich alt aussehen lassen. Und auch das Setting einer von Wassermangel geprägten Welt ist in den vergangenen 25 Jahren nicht gerade weniger aktuell geworden.

Weniger Geld für die Mädels
Außerdem hat man ein bisschen was gut zu machen: Tank Girl war seinerzeit bereits eine Marke mit abnehmender Popularität gewesen. Dazu zudem die an dem Filmprojekt beteiligten Künstlerinnen nicht die ganz großen Namen hatten, war das Budget vergleichsweise klein gewesen. 25 Millionen war zwar nicht wenig, das zeitgleich produzierte Batman Forever bekam aber die vierfache Summe. Vieles in der hier dargestellten dystopischen Welt sieht daher recht billig aus. Auch wenn zwischendurch mal größere Geschütze aufgefahren werden, die Titelheldin trägt ihren Namen nicht ohne Grund, man hat hier nicht das Gefühl, eine große Welt der Zukunft zu Gesicht zu bekommen.

Andererseits machte das auch immer ein bisschen den Charme von Tank Girl aus. Wenn hier eine Gruppe von Mädels zusammen mit tierisch komischen Männern gegen einen gemeinsamen Unterdrücker kämpfen, dann sollte das eben nicht dem Comic-Superglanz anderer Produktionen entsprechen. Man wollte nicht so sein wie andere, sondern ein eigenes Ding durchziehen. Das gelingt dem Film auch ganz gut, der sich nicht nur den üblichen Bildern und Helden verweigert, sondern auch einer herkömmlichen erzählerischen Struktur. Natürlich wird am Ende das Gute siegen, das verstreute Häuflein übriger Rebellen gegen den mächtigen Konzern bestehen. Doch bevor es so weit ist, da ist mehr oder weniger alles möglich.

Lasst uns sinnlosen Spaß haben!
Eine der besten Szenen, weil völlig willkürlich und ohne jeden Sinn, ist eine Art Musical-Nummer, die zwischendrin eingebaut wird. Und auch sonst ist hier alles over the top, mindestens eigenartig, teils richtig bizarr. Malcolm McDowell (Uhrwerk Orange), der sich bekanntlich für keine Schurkenrolle zu schade ist, hat an seinem Wasser-Overlord sichtlich Spaß, gleiches gilt für Lori Petty, die mit einer Energie durch die Gegend wirbelt, als hätte sie einen Eimer Kaffee intus. Oder andere Substanzen. Anders als so manch andere Comic-Heldin, welche seither die Leinwände und Bildschirme beehrt hat, tut Tank Girl nicht nur so, als wäre sie eine starke, unabhängige Frau. Sie entzieht sich der Objektivierung, muss niemandem gefallen, wählt keinen gutaussehenden Helden, sondern das Känguru.

Was dem Film jedoch fehlt, ist eine Form von Geschichte oder auch Figuren, bei denen hinter der schrillen Fassade etwas steckt. Regisseurin Rachel Talalay ist so sehr damit beschäftigt, alles Mögliche auf die Leinwand zu werfen, etwa animierte Sequenzen, dass sie dabei vergisst, aus dem Chaos auch etwas zu schaffen, das mehr ist als die Abwesenheit von Sinn und Regeln. Auch wenn der Film Kultstatus genießt, der 90er Jahre Soundtrack weibliche Musikgrößen des alternativen Lagers enthält, etwa Portishead, Björk und Hole, Tank Girl macht daraus nie mehr als eine Kuriosität, eine grelle Leuchtschrift, deren Buchstaben keine Wörter ergeben. Das ist sowohl als Produkt seiner Zeit spannend und als Abkehr vom klassischen Helden, wird aber nie so packend, wie es der Film eigentlich hätte sein müssen.

Credits

OT: „Tank Girl“
Land: USA
Jahr: 1995
Regie: Rachel Talalay
Drehbuch: Tedi Sarafian
Vorlage: Alan Martin, Jamie Hewlett
Musik: Graeme Revell
Kamera: Gale Tattersall
Besetzung: Lori Petty, Ice-T, Naomi Watts, Malcolm McDowell, Ann Cusack

Bilder

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Tank Girl
„Tank Girl“ nimmt uns mit in eine wasserlose Comic-Zukunft, in der unangepasste Frauen zusammen mit Kängurus gegen unternehmerische Oberschurken kämpfen. Das hat seinen Charme als Nicht-Glamour-Variante von Superhelden, auch weil hier vieles willkürlich ist, verpasst es aber, das mit einer spannenden Geschichte zu verbinden, deren Chaos ein tatsächliches Ziel verfolgt.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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