Kritik

Herr der Ringe Hobbit

„Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ // Deutschland-Start: 10. Dezember 2014 // 3. November 2016 (DVD/Blu-ray)

Nachdem der Drache Smaug aus seinem goldenen Schlaf geweckt wurde, macht er sich über die Seestadt her, fest entschlossen, dort alles in Schutt und Asche zu legen. Zwar kann er dabei von Bard (Luke Evans) aufgehalten werden. Doch damit fangen die eigentlichen Probleme erst an. Denn nun fordern die vertriebenen Menschen, aber auch die von Thranduil (Lee Pace) angeführten Elben, ihren rechtmäßigen Anteil an den Schätzen der Zwerge. Doch Thorin Eichenschild (Richard Armitage), der inzwischen wie sein Großvater dem Zauber des Goldes verfallen ist, denkt überhaupt nicht dran, den Nicht-Zwergen etwas abzugeben. Während Hobbit Bilbo (Martin Freeman) und der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) versuchen, zwischen den Parteien zu vermitteln, haben sich die Legionen von Orks längst auf den Weg gemacht und drohen nun, alle anderen zu vernichten …

Eine Reise mit Hindernissen
Die Reise ist vorbei, endlich, wird so manch einer hinzufügen. Auch wenn es im Vorfeld natürlich Skepsis gegeben hatte, bei den meisten überwiegte die Vorfreude: Peter Jackson, der die kultisch verehrte Trilogie Der Herr der Ringe inszeniert hatte, kehrte nach Mittelerde zurück, um auch beim Vorgänger Der Hobbit Regie zu führen. Das hörte sich gut an, brachte aber zwei Schwierigkeiten mit sich. Zum einen war das 1937 von J. R. R. Tolkien veröffentlichte Buch rund um einen Hobbit und eine Zwergentruppe vergleichsweise schmächtig. Gerade mal 400 Seiten hatte es, im Vergleich zu der deutlich epischer angelegten Ring-Saga. Außerdem richtete es sich eher an Kinder. Jackson versuchte dennoch, die Vorlage nach dem Vorbild seiner Erfolgstrilogie umzusetzen, machte die Filmversion des Hobbits deutlich düsterer und umfangreicher.

Beim Auftakt hat sich Jackson damit noch äußerst schwer, Eine unerwartete Reise schlingerte herum beim Versuch, zwischen dem Buch und den Erwartungen der Fans zu vermitteln. Bei Smaugs Einöde verzichtete er darauf und orientierte sich nur noch an den eigenen Filmen, was von einigen Schwachstellen abgesehen erstaunlich gut funktionierte. Mit Die Schlacht der fünf Heere setzt er diesen Weg zwar konsequent fort, so konsequent, dass man meinen könnte, tatsächlich einen neuen Teil von Der Herr der Ringe zu sehen. Doch das Ergebnis ist sehr viel weniger überzeugend. Denn die Schwächen, die sich schon vorher in der neuen Trilogie zeigten, treten nun so offensiv ans Tageslicht, dass es dem Film zum Verhängnis wird.

Stoff, ich brauche Stoff!
Das Hauptproblem der Filme: Die literarische Vorlage gab einfach nicht genug her, um damit acht Stunden einer Trilogie füllen zu wollen. Dessen war sich Jackson natürlich bewusst, weshalb er die Geschichte kräftig erweiterte. Ereignisse, die im Buch nur am Rande erwähnt werden, werden auserzählt. Hinzu kommen Figuren und Ereignisse, welche sich das Drehbuchteam komplett ausgedacht haben – darunter die Liebesgeschichte zwischen der Elbin Tauriel (Evangeline Lilly) und dem Zwerg Kíli (Aidan Turner). Beides wird in Die Schlacht der fünf Heere fortgesetzt, teils als Füllmittel, teils um eher dreisten Fanservice zu betreiben, wenn Jackson liebgewonnene Figuren aus dem Ruhestand zurückholt.

Damit lässt sich zwischendurch natürlich schon ein wenig Zeit schinden. Aber es ist nicht genug, um damit einen ganzen Film füllen zu wollen. Knapp zweieinhalb Stunden dauert Die Schlacht der fünf Heere und besteht tatsächlich, wie der Titel ankündigt, zu einem Großteil aus jener Schlacht. Für Fans der ersten Mittelerde-Trilogie hört sich das vielleicht vielversprechend an, gehörten dort doch die gewaltigen Schlachten zu den Höhepunkten. Beschränkt man sich jedoch allein auf diese, dann wird aus Spannung schnell Langeweile. Zumal es hier kaum Abwechslung gibt. Viele der Szenen hat man in der Form dann doch schon zu oft bei Jacksons Adaptionen gesehen, interessante Variationen – seien es visuelle oder inhaltliche – sucht man hier vergebens.

Eine Welt aus dem Computer
Hinzu kommt, dass Jacksons CGI-Ausflüge nun komplett aus dem Ruder gelaufen sind. Eine Szene, in der Orlando Bloom als Fan-Liebling Legolas über zusammenbrechende Bauten hüpft, ist jetzt schon legendär – aber aus den falschen Gründen, wird in Foren immer wieder zur Belustigung herangezogen. Ganz so grausam ist Die Schlacht der fünf Heere zum Glück nicht oft. Der von Anfang an sehr künstliche Look von Der Hobbit wird beim Finale aber durchaus auf die Spitze getrieben. Das Gefühl von Der Herr der Ringe, tatsächlich in einer fremden Welt zu sein, stellt sich hier kaum noch ein, die zu offensichtlichen Computerbilder verhindern das. Zeitweise hat auch die erste Trilogie damit ihre Probleme, gerade in den Kampfszenen. Was dort aber eher die Ausnahme war, ist hier Dauerzustand.

Der interessanteste Aspekt von Die Schlacht der fünf Heere ist noch, wie Thorin aufgrund der riesigen Schätze zunehmend korrumpiert und vergiftet wird. Das gibt dann auch Richard Armitage die Gelegenheit, tatsächlich mal ein bisschen zu schauspielern: War seine Rolle in den ersten beiden Filmen darauf beschränkt, den möglichst grimmig dreinschauenden Helden zu spielen, verwandelt er sich hier in einen wahnhaften Antagonisten. Das ist dann einer der Glanzpunkte, von denen es im Film durchaus noch einige gibt. Es sind nur nicht genug: Das vermeintlich epische Ende ist inhaltsleerer Bombast, der zeitweise zwar ordentlich Schauwerte liefert, letztendlich aber ziemlich überflüssig ist.

Credits

OT: „The Hobbit: The Battle of the Five Armies“
Land: Neuseeland, USA
Jahr: 2014
Regie: Peter Jackson
Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, Guillermo del Toro
Vorlage: J. R. R. Tolkien
Musik: Howard Shore
Kamera: Andrew Lesnie
Besetzung: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Ken Stott, Graham McTavish, Aidan Turner, Evangeline Lilly, Luke Evans, Orlando Bloom, Lee Pace, Ryan Gage

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2015 Bester Tonschnitt Brent Burge, Jason Canovas Nominierung
BAFTA Awards 2015 Beste Spezialeffekte Joe Letteri, Eric Saindon, David Clayton, R. Christopher White Nominierung

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Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere
4.1 (81.9%) 21 Artikel bewerten

Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere
„Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ will die Reihe mit einem epischen Finale abschließen, bringt dafür aber nicht genügend Stoff mit. Die Optik der Kämpfe schwankt zwischen beeindruckend und peinlich, aufgrund der mangelnden Abwechslung stellt sich viel zu schnell Langeweile ein. Daran können auch die zum Teil eher unbeholfenen Streckungsversuche nichts ändern.
5von 10

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